"Der glorreichste Job, den ich mir vorstellen kann"
Prodi, Veltroni, jetzt Dario Franceschini ...
Prodi, D'Alema und Veltroni waren durchaus charismatische Figuren. Ja, und vielleicht leitet Franceschini eine Renaissance der Linken ein. Ich hatte vor, ein Stück über die Linke zu schreiben, aber wann immer ich mich hinsetze, ist bereits ein neuer Parteichef an der Macht.
Waren Sie jemals selbst politisch aktiv?
Nein, ich bin Komiker und will es auch bleiben. Das ist der glorreichste Job, den ich mir vorstellen kann.
In den Siebzigern spielten Sie in einem Film von Bernardo Bertolucci, der hieß "Berlinguer, ti voglio bene". Enrico Berlinguer war der damalige Kommunistenchef. Waren Sie ein Sympathisant?
Ich komme aus einem kleinen Dorf in der Toskana, meine Eltern waren arme Bauern. Bei uns gab es eine lange linke Tradition, vor allem unter der Landbevölkerung. Das war eine sehr romantische Angelegenheit, man schimpfte, man diskutierte. Und man träumte den Traum der Gleichheit. Diese Gedankenwelt ist mir immer noch sehr nahe. Ich war nie Mitglied einer Partei, aber ich habe immer gewusst, dass ich auf Seiten der Meinen stehe. Sie haben mir das Leben geschenkt, sie haben mich sprechen gelehrt und mir beigebracht, was gut und böse ist.
Ich habe gelesen, dass Sie als Jugendlicher Priester werden wollten.
Das war mit zehn oder elf. Ich ging für einige Monate im Priesterseminar zur Schule. Aber dann gab es eine Überschwemmung und ich bin patschnass nach Hause zurück. Das war's dann mit meiner Priesterkarriere. Ehrlich gesagt, wollte ich nie ernsthaft Priester werden, auch wenn ich mich gerne mit theologischen Fragen auseinandersetze.
Ihr Verhältnis zur katholischen Kirche ist konfliktbeladen. Als Sie sich Anfang der Achtziger beim Festival in San Remo über den Papst lustig machten, wurden Sie zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.
Nein, nur zu einem Jahr. Aber das Ganze war ein Scherz, ich habe Johannes Paul II durch den Kakao gezogen. Man machte mir den Prozess wegen Beleidigung der Religion und Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts. Dabei ist Johannes Paul II mein absoluter Lieblingspapst. Ich habe ihn auch kennen gelernt.
Wann war das?
Als ich "Das Leben ist schön" machte, wurde ich angerufen und gebeten, den Film dem Papst vorzuführen. Also bin ich in den Vatikan und habe mir in einem privaten Vorführraum mit dem Papst den Film angesehen. Wir verbrachten einen ganzen Tag zusammen. Das war einer der schönsten Tage meines Lebens.
Wie war Ihr Verhältnis zum Papst?
Wir schrieben uns Briefe. Er wollte mich wiedersehen und bat mich, für ihn privat Dante zu rezitieren. Aber leider wurde er krank und es kam zu keinem zweiten Treffen. Ich habe ihn sehr geliebt.
Welche Rolle spielt die Kirche in Ihrem Leben?
Eine sehr große. Ich bin mit ihr aufgewachsen. Meine Mutter und mein Vater erzählten uns als Kindern Geschichten aus der Bibel. Wir haben die schönste Religion der Welt.
Aber Sie kritisieren die Kirche auch scharf.
Der Zweifel ist ein Teil des Glaubens. Aber nicht der Glaube beruhigt uns, sondern die Liebe.
Was denken Sie über Papst Benedikt?
Nach Wojtila hat er es schwer. Er bezahlt den Preis dafür, dass sein Vorgänger so beliebt war. Aber ich halte ihn für einen großen Theologen. Für meinen Begriff hält er sich etwas zu strikt an Regeln.
Als Sie in diesem Jahr überraschend beim Festival in San Remo auftraten, lasen Sie einen Brief von Oscar Wilde an seinen Geliebten vor. War das eine Kritik am Umgang der Kirche mit Homosexualität?
In San Remo gab es eine riesige Diskussion rund um ein Lied, das vermeintlich gegen Schwule gerichtet war. Darauf wollte ich reagieren. Homosexuelle sind Menschen, die sich lieben. Wenn es um Liebe geht, wird alles groß und die Mittelmäßigkeit hat ein Ende. Also las ich einen Liebesbrief vor. Ich habe aus der ganzen Welt positive Reaktionen erhalten.
Die Haltung der Kirche gegenüber Schwulen empört Sie nicht?
Die Kirche kann sich nicht von einem Tag auf den nächsten ändern und bei der Schwulenparade mitmachen. Man muss ihr Zeit geben. Aber ich glaube, sie geht in die richtige Richtung. Am Ende siegt die Liebe.
Sie sprechen so viel über die Liebe und die Poesie. Warum sind sie nicht Poet geworden?
Ich rede in meinem Job ja nicht über Chemie oder Mathematik, ich bin Künstler und da ist es doch egal, ob man Poet oder Komiker ist.
Deutsche halten ihre Literatur sehr in Ehren. Ein Best-of-Programm vor Tausenden Zuschauern, wie Sie es jetzt mit "Tutto Dante" vorhaben, werden viele unpassend finden.
Warum bloß? Dante hat "Die Göttliche Komödie" für das Volk geschrieben. Stellen Sie sich vor, mein Vater kann weder schreiben noch lesen, aber er kann mehrere Gesänge auswendig. Genau das wollte Dante, er schrieb nicht auf Latein, sondern im damaligen Italienisch. Seitdem ich mit meinem Programm durch die Lande toure, stiegen die Verkaufszahlen der "Divina Commedia" ums Vielfache. Was gibt es Schöneres?
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