Ms. Witherspoon, Ihr Vorfahr John Witherspoon hat die Unabhängigkeitserklärung der USA am 4. Juli 1776 mitunterzeichnet. Macht Sie das amerikanischer als Ihre Landsleute?
Würde ich nicht sagen, obwohl ich mich sehr zu Amerika be-kenne. Ich bin in diesem Kulturkreis aufgewachsen, er hat mich natürlich geprägt und das aus mir gemacht, was ich heute bin – eine moderne amerikanische Frau.
Und Schauspielerin. Die vergangenen 20 Jahre haben Sie zu einer der bestbezahlten Frauen in Hollywood gemacht. Wie haben Sie sich in der Zeit verändert?
Früher war ich sehr ambitioniert und wollte meine Konkurrentinnen immer ausstechen. Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich nicht mehr das Gefühl hatte, dass diese Frauen eine Bedrohung für mich darstellen. Das hat sich erst geändert, als ich mit 23 meine Tochter bekam.
Reese Witherspoon, 1976 in New Orleans geboren, verbrachte ihre ersten vier Lebensjahre in Wiesbaden; dort war ihr Vater als Militärarzt stationiert. Später wuchs sie in Nashville auf, wo sie mit 14 Jahren für den Film entdeckt wurde. Ihren Durchbruch hatte sie 2001 mit der Komödie „Natürlich blond!“.
Einen Oscar erhielt sie 2006 für die Darstellung von Johnny Cashs Ehefrau June Carter in „Walk the Line“. Mit Ex-Mann Ryan Phillippe hat sie zwei Kinder.
Ihr neuer Film „Woher weißt du, dass es Liebe ist?“, wieder eine Komödie, ist seit Donnerstag im deutschen Kino. (ill)
Wobei vielleicht half, dass Sie schon damals zu den Top-Five-Stars in Hollywood zählten, Millionen auf der Bank hatten…
…nein, das hat damit nichts zu tun. Das passierte erst ein Jahr später, als der erste „Natürlich blond!“-Film in die Kinos kam. Das war definitiv der Wendepunkt in meiner Karriere. Davor lief es nicht so gut für mich. Halt, das stimmt nicht ganz. Wenn ich mich mit anderen Schauspielern vergleiche, die in Hollywood Karriere machen wollten, hatte ich es recht gut. Seit ich mich mit 14 Jahren auf die Anzeige „Suchen junges Mädchen für Film“ in unserem Lokalblatt gemeldet habe – und zu meiner großen Überraschung auch gleich für „Der Mann im Mond“ besetzt wurde –, habe ich eigentlich immer einen Film nach dem anderen drehen können.
Beneidenswert.
Einerseits ist mir vieles im Leben zugeflogen. Ich hatte Glück und das Talent, etwas draus zu machen. Andererseits hatte ich lange Zeit das Gefühl, diskriminiert zu werden: Ich musste immer klarstellen, dass ich zwar blond bin, aber auch etwas im Kopf habe. Und oft hatte ich Probleme, weil ich aus dem Süden der USA kam. Wie Sie sehen, habe ich diese Art von Vorurteilen locker überwunden. Und auch ein anderes: dass sich Frauen nicht für Politik interessieren. Ich bin politisch sehr interessiert.
Aha – sind Sie eine Anhängerin von Barack Obama?
Darüber, wie auch über andere politische Dinge, will ich mich in der Öffentlichkeit nicht äußern.
Und wie halten Sie es mit dem „grünen Lebensstil“, der in Hollywood en vogue ist?
Da kann ich von meinen Kindern noch viel lernen. Die sind in Sachen Umweltschutz viel engagierter als ich. Okay, ich fahre ein Hybrid-Auto und wir versuchen, den Müll zu trennen, aber ich will jetzt nicht von mir behaupten, dass ich sehr umweltbewusst lebe.
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