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FR-Interview mit Anthony Hopkins: „Ich bin sehr oberflächlich“

Am liebsten schaue er American Idol, und was ein gutes Drehbuch ist, das könne er nicht sagen. Im Interview gibt sich Anthony Hopkins redlich Mühe, als nicht besonders tiefgründiger Hollywood-Star zu erscheinen - ohne Erfolg.

Was ist denn nun die korrekte Anrede zu Beginn unseres Interviews? Nenne ich Sie Sir Anthony, Mister Hopkins oder Sir Hopkins?

Behauptet "American Idol" zu schauen - Schauspieler Anthony Hopkins Foto: dapd

(Lacht) ... Nennen Sie mich einfach Anthony. Das reicht vollkommen.

Sie spielen einen teufelsaustreibenden Priester. Haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet, indem Sie Exorzisten-Bücher gelesen haben?

Ich habe mich gar nicht vorbereitet.

Ach kommen Sie, das glaube ich Ihnen nicht. Sie haben sich doch bestimmt auf die eine oder andere Weise informiert.

Na ja, wir hatten einen Priester am Set, der selbst als Exorzist tätig ist. Er war in der Tat sehr hilfreich für mich. Ich muss bei der Austreibung ja einige lateinische Formeln sprechen. Und mit ihm konnte ich mein Latein korrigieren. Ich habe ihn ein bisschen ausgefragt. Sein Name ist Pater Gary Thomas. Dieser Jesuiten-Priester glaubt tatsächlich daran, dass der Teufel existiert. Er hat im Namen des Vatikan viele Teufelsaustreibungen vorgenommen. Natürlich wollte er wissen, ob ich an den Teufel glaube und von ihm besessen bin. Ich habe ihm geantwortet, dass Menschen, die meinen, vom Teufel besessen zu sein, wohl eine psychische Störung haben. Vielleicht hat der Vatikan aber auch Recht. Ich bin ja offen für alles und theoretisch bereit, alles zu glauben.

Was meinen Sie damit, dass Sie an alles Mögliche glauben? Was ist Ihre Vorstellung von Religion?

Wenn Sie mir sagen, dass Sie ein Atheist sind, dann ist das völlig okay für mich und ich kann Ihnen nicht widersprechen. Ich halte persönliche Meinungen sowieso für komplett unwichtig. Jeder hat eine Meinung zu allem. Ich nicht. Wenn man jung ist, hat man eine Meinung zu jedem noch so unwichtigen Thema. Und je älter man wird, desto mehr weiß man, dass man nichts weiß.

Klingt trotzdem ganz danach, als seien Sie ein Atheist.

Nein, ich bin kein Atheist. Ich kann Ihnen nicht genau sagen, was ich bin. In meinem Alter habe ich schon so einiges erlebt. Was ich denke, ist doch wohl ziemlich egal. Je mehr ich mich mit dem Thema „Glauben“ befasse, desto mehr bin ich der Meinung, dass alles möglich ist. Ich denke über Religion nach, vielleicht glaube ich ein bisschen von allem. Ich kann beim besten Willen nicht sagen, welcher Religion ich angehöre. Wenn ich mich irgendwo einordnen sollte, würde ich sagen, ich bin friedlich. Das trifft es am besten.

Man muss also nicht religiös sein, um einen Priester zu spielen?

(Lacht) ... Nein. Das ist reine Schauspielerei. Ich muss nur meinen Text können. Das ist eigentlich ziemlich langweilig. Ich lerne einfach meinen Text und spiele ihn dann. Das ist alles. Es gibt ja diese Kollegen, die ihre Rollen endlos mit dem Regisseur zerreden. Das kann ich nicht. Und ich analysiere auch nicht gern mit Journalisten meine Rollen. Aber da ich nun einmal hier sitze, bin ich bereit, Ihnen Basisinformationen zu geben.

Was ist denn Ihre Motivation, eine Rolle zu spielen?

Die Leute stellen sich immer irgendwelche sehr komplizierten Beweggründe vor. Und sie würden gern so eine geschwollene Antwort hören. Aber tatsächlich ist meine Motivation das Geld. Sie bieten mir die Rollen einfach an und ich sage zu. Mehr Beweggründe gibt es nicht. Das finden die meisten irgendwie enttäuschend. Oft kommt auch die Frage nach dem guten Drehbuch. Ich antworte dann, ich habe keine Ahnung, was ein gutes Drehbuch ist. Ich spiele jetzt schon so lange, das Spielen ist für mich zu einer Art Reflex geworden, ich denke weder darüber nach noch analysiere ich es. Und wenn es dann mal nicht klappt, komme ich für eine schlechte Performance nicht ins Gefängnis.

Das hört sich nicht nach Spaß an, den Sie beim Spielen haben.

Doch, ich genieße die Arbeit. Meine Strategie ist, den Text so gut wie möglich zu lernen, und dann muss ich den Rhythmus der Figur finden.

Wie nah sind Sie dem Bösen in Ihrem Leben gekommen?

Glauben Sie an das Böse?

Ich bin mir nicht sicher. Aber das tut hier auch nichts zur Sache. Uns interessiert Ihre Meinung über das Böse.

Es gibt ja diese ständige Diskussion über Gut und Böse. Die Leute fragen mich, ob die Welt nicht schlechter geworden sei. Da kann ich nur sagen, das sogenannte Böse war in unserer Gesellschaft schon immer existent. Seit tausenden von Jahren schlagen wir uns gegenseitig die Schädel ein. Die Grausamkeit ist eigentlich unvorstellbar. Da kann man sich doch sowieso schon einmal fragen, gibt es überhaupt einen Gott, der so etwas zulässt? Ich weiß es auch nicht. Die Leute erwarten von mir immer tiefgründige Antworten. Aber ich bin nicht besonders tiefgründig. Ich bin im Gegenteil sehr oberflächlich.

Damit kokettieren Sie doch nur. Ich halte Sie für tiefgründig genug, um ein Gespräch wie dieses zu führen.

Wie kommen Sie darauf? Morgens aufzustehen, den Tag rumzukriegen und zu überleben ist doch schon tiefgründig genug. Das Einzige, das den Menschen vom Tier unterscheidet, ist, dass wir uns unserer Sterblichkeit bewusst sind. Und das ist das Übel, mit dem wir leben müssen. Egal, wie sehr wir uns anstrengen, den Gedanken an den Tod zu verdrängen, wir müssen mit diesem Übel leben. Es sei denn, wir konfrontieren uns mit dem Tod, dann sind wir frei.

Das hört sich jetzt gerade überhaupt nicht oberflächlich an.

Ich gebe zu, ich lese viel. Und wenn Sie so wollen, philosophiere ich auch ein bisschen. Das macht mich aber noch lange nicht zu einer tiefgründigen Person. Zu Hause sehe ich mir zum Beispiel „American Idol“ (die US-Variante von „Deutschland sucht den Superstar“) an. So einen Schwachsinn mache ich. Ich bin kein Philosoph, ich bin nur ein Schauspieler. Mehr können Sie nicht aus mir herausquetschen.

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Datum:  15 | 3 | 2011
Seiten:  1 2
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