Frau Berger, in Ihrem neuen Film „Satte Farben vor Schwarz“ spielen Sie zum ersten Mal gemeinsam mit Bruno Ganz. Zwei Stars des deutschen Kinos begeben sich mit dem Film in die Hände der Regie-Debütantin Sophie Heldmann. Hatten Sie keine Angst, die junge Frau zu überfordern?
Das Buch hatte so gar nichts von einem Debüt. Ich kannte die junge Regisseurin Sophie Heldmann vorher nicht. Aber mir gefiel die vornehm zurückhaltende Art, wie sie das Buch geschrieben und Regie geführt hat. Die Geschichte eines alten Paares, das sich verliert, wiederfindet und zum Schluss gemeinsam stirbt, könnte man auch sehr sentimental erzählen. Das hat Sophie Heldmann nicht getan und das hat mich für sie eingenommen.
Der Film feierte im vergangenen Jahr seine Weltpremiere bei den Internationalen Filmfestspielen von San Sebastián. Er sorgte für Irritationen, weil er vom Selbstmord eines alten Ehepaares erzählt. Sind Ihnen solche Gedanken auch schon mal durch den Kopf gegangen?
Es geht nicht um Selbstmord, sondern um Freitod. Es geht um Selbstbestimmung. Wir wollen doch alle über unser Leben bestimmen und auch über dessen Ende. Das ist ein wichtiger Gedanke.
Sich im Alter selbst umzubringen?
Ja, ich selbst habe ihn nicht allzu oft im Kopf, aber natürlich öfter als vor zehn Jahren. Schauen Sie, da ist noch dieser überschaubare Rest meines Lebens, und ich bin gewillt, den sehr fröhlich zu verbringen. Aber einst werde auch ich vor der Brücke stehen und mich fragen, was meine Würde mir nun gebietet. Was wähle ich? Das ist dann die Frage. Dieser Mann im Film hat einen präzisen Grund, seinem Leben ein Ende zu bereiten. Er hat Krebs. Aber für die Frau ist es etwas anderes. Für sie stellt sich die Frage: Bleibe ich als Hälfte zurück? Ist dann das Leben noch lebenswert für mich? Kann ich es allein in diesem Haus aushalten, so leer, still, groß? Diese Fragen sind schwieriger zu beantworten, als wenn ein Mensch, der weiß, dass der Tod ihn schon bald ereilen wird, sagt, ich will nicht den Rest meines Lebens als Patient verbringen.
Senta Berger, 1941 in Wien geboren, trat schon mit vier Jahren auf der Bühne auf. Ihr Vater, ein Musiker, begleitete seine singende Tochter am Klavier. Mit fünf Jahren erhielt sie Ballett-, mit 14 privaten Schauspielunterricht. 1958 wurde sie das jüngste Mitglied am Wiener Theater in der Josefstadt. Später gelang es dem Produzenten Artur Brauner, Berger für mehrere Filme zu engagieren. Von 1962 bis 1969 arbeitete sie in Hollywood. 1985/86 gelang ihr das Comeback im deutschen Fernsehen mit „Kir Royal“, danach folgten weitere Serien wie „Die schnelle Gerdi“.
1966 heiratete sie Michael Verhoeven, ein Jahr zuvor hatte sie mit dem Mediziner, späteren Regisseur und Produzenten die Sentana-Filmproduktion gegründet. Gemeinsam hat das Paar zwei Söhne: Simon, der heute als Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor arbeitet, und Luca, der Schauspieler ist.
In ihrem neuen Film „Satte Farben vor Schwarz“ (ab 13. Januar im Kino) spielen Berger und Bruno Ganz ein Ehepaar, das sich wegen einer lebensbedrohlichen Krankheit auseinanderlebt und doch wiederfindet. (ber)
Die Geschichte eines Paares, das so viele Jahre zusammen ist, kennen Sie selbst gut. Sie sind mit Ihrem Ehemann Michael Verhoeven seit 44 Jahren verheiratet. Was hat Sie so lange zusammengehalten?
Es gibt einen wunderbaren Satz von dem österreichischen Schriftsteller Alfred Polgar: In der Liebe ist es besser, zwei zu bleiben, als „eins“ zu werden. Das ist sehr schön gesagt, denn wenn man zwei bleibt, ist das Zusammenleben immer auch überraschend, interessant. Natürlich kann das „Zwei-Bleiben“ falsch ausgelegt auch trennen. Polgar versteht das nicht als Freibrief zur Lüge, zum Betrug. Ich auch nicht. Über alle Anziehungskraft, über alle Erotik hält uns auch das gemeinsame Interesse zusammen – da bin ich ganz sicher. Weltanschaulich, politisch und über das, was unseren Beruf angeht, sind wir oft einer Meinung – und wenn nicht, dann streiten wir uns ganz wunderbar.
In Ihrer Filmrolle sagen Sie: „Ich bin eine alte Frau und eine alte Frau hat das Recht, dass die Dinge bleiben, wie sie sind.“ Ist das nicht starrsinnig?
Nein, das wollen doch alle, nicht nur alte Frauen.
Aber der Wunsch geht nie in Erfüllung, oder?
Nein. Ich möchte auch gern, dass die Dinge so bleiben, wie sie sind. Sie sind aber nicht so. Das muss man lernen.
Das gilt auch für Freundschaften. Sie waren viele Jahre mit Alice Schwarzer befreundet...
... heute nicht mehr.
Warum nicht?
Die Deutsche Filmakademie, deren Präsidentin ich bin, hat 2009 Einspruch erhoben gegen die Art und Weise, wie die Schweiz gegen den Regisseur Roman Polanski vorgegangen ist. Wir wollten damit nicht seine Tat verharmlosen.
Am 26. September 2006 war Polanski auf Grund eines internationalen Haftbefehls von 2005 auf Begehren der USA auf dem Züricher Flughafen festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, sich seiner Strafe wegen der Vergewaltigung einer Minderjährigen 1977 entzogen zu haben. Wogegen haben Sie da Einspruch erhoben?
Man hätte ihn schon Jahre zuvor festsetzen können, um ihn an die USA auszuliefern. Er hat doch immer mit seiner Familie Urlaub in der Schweiz gemacht, wo er ordnungsgemäß gemeldet ist. Doch die Schweizer haben ihn erst festgenommen, als die USA versucht haben, das Schweizer Bankengeheimnis aufzubrechen – was ihnen ja auch geglückt ist. Dagegen habe ich auch gar nichts. Aber diese beiden Sachverhalte in einen unmittelbaren Zusammenhang zu setzen und vor allem, wie das geschehen ist – das gehört sich nicht. Alice Schwarzer hat dann in der Zeitschrift Emma eine unglaubliche Attacke gegen mich als Präsidentin der Filmakademie geritten. Ich bin dagegen mit einem Anwalt vorgegangen und Emma musste eine Gegendarstellung drucken. Das alles hat mich sehr verletzt. Sie hat sich auch sehr verächtlich über meine Kollegen ausgelassen. Ausgerechnet Alice, die so viele Freunde aus meinem Metier hat und es besser wissen müsste. Ich bin enttäuscht von Alice Schwarzer, obwohl ich sie noch immer schätze.
Lesen Sie im zweiten Teil, was Senta Berger von Schönheitsoperationen denkt.
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.