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Hübner im Interview: „Dann fährt in Aue auch noch der Traktor übers Feld“

Im Interview spricht der neue Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner über die ungeliebte zweite Liga, das Feuer in Traineraugen, den Aufstiegsfavoriten Greuther Fürth und weshalb er Ex-Eintracht-Kapitän Ioannis Amanatidis am liebsten abgeben würde.

Erst die Hälfte des neuen Frankfurter Führungsduos ist komplett. Neben Sportdirektor Bruno Hübner wird noch ein Trainer gesucht.  Foto: Andreas Arnold

Herr Hübner, konnten Sie eigentlich mit dem MSV Duisburg das große Pokalfinale wirklich genießen? Oder schwirrte Ihnen das Angebot der Eintracht ständig im Kopf herum?

Das war ja nur ein Anruf, in dem Heribert Bruchhagen um ein Gespräch bat – aber ich habe mich dann erst mal nur auf das Finale konzentriert. Wir sind ja 0:5 weggeschossen worden, aber für den MSV war das doch ein ganz besonderes Event. Und anderntags bei der Heimkehr waren 10 000 Leute da und haben uns gefeiert. Ich dachte erst, nach der Klatsche werfen die Steine.

Waren Sie überrascht über den Anruf aus Frankfurt? Oder hatten Sie insgeheim damit gerechnet?

Nein, null. Das war total überraschend.

Es waren ungewöhnliche Tage für Sie. Vor zehn Tagen bereiteten sie den MSV auf ein Pokalendspiel vor, verpflichteten noch Spieler und müssen jetzt eine aus den Fugen geratene Eintracht fit für die zweite Liga machen.

Diese Herausforderung nehme ich an, das mache ich gern. Aber es gab beim MSV eine Riesenenttäuschung, dass ich gehe. Doch ich habe dort ein Feld hinterlassen, das bestellt ist: Ich habe noch einen Sponsor an Land gezogen, sieben neue Spieler geholt, drei Verpflichtungen fast sicher gemacht. Ich habe mich da sauber von allen getrennt und verabschiedet, ich habe eine Übergabe gemacht, die kann nicht besser sein. Ich habe ja noch am Tag, als ich zur Eintracht kam, einen Spieler zum MSV geholt. Für mich ist das jetzt ein Sprung nach vorne.

Ihre erste Aufgabe ist gleich die schwerste: den Trainer finden.

Ja, diese Aufgabe habe ich übertragen bekommen. Ich arbeite einen Vorschlag aus, den ich vorlege. Wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe, will ich das auch durchsetzen und habe es auch fast immer geschafft. Ich gebe nicht so schnell auf. Anfang dieser Woche will ich so weit sein in der Trainerfrage.

Sie dürfen sich keinen Fehlgriff erlauben.

Ich weiß. Der Druck, der auf der Mannschaft in der Rückrunde lastete, der ist immer noch da. Wir wollen ja aufsteigen. Die Eintracht trifft in jedem Spiel auf hochmotivierte Teams, für die es das Spiel des Jahres ist. Man hat jede Menge Druck. Wir werden gejagt wie die Bayern in der ersten Liga. Fans und Umfeld müssen dem Team eine Chance geben. Wenn sie gleich die letzten Spiele im Kopf haben, wird es schwer für uns, gerade in dieser schweren Anschubphase. Der Druck ist riesig, da müssen wir nicht noch mehr Druck auf den Kessel geben. Das ist hier kein Selbstläufer. Wer von oben runter kommt, hat es schwer, gerade im ersten Jahr. Das ist schon eine Katastrophe, da muss jedem klar sein, was auf die Spieler zukommt. Deshalb brauchst du einen Trainer, der Ruhe, Erfahrung und Ausstrahlung hat und trotzdem mit unseren Zielen wachsen kann. Ich muss in den Augen des Trainers noch das Feuer sehen. Es hilft ja nichts, einen Trainer zu haben, der mit einem langen Gesicht im Bus nach Aue sitzt. Er muss der Mannschaft eine Handschrift geben. Das ist das wichtigste. In der zweiten Liga brauchst du einen langen Atem. Es wird der aufsteigen, der am längsten an sich glaubt.

Haben Sie schon mit Spielern gesprochen, die noch einen Vertrag bei der Eintracht haben?

Nein, Priorität hat die Trainersuche. Aber unsere Leitlinie ist: Die, die unter Vertrag stehen, werden auch in der zweiten Liga spielen. Diesen Vorschlag werde ich dem Vorstand unterbreiten. Wir wollen den Aufstieg nicht aufs Spiel setzen, nur weil wir für einen Spieler eine Million Euro kriegen. Trotz alledem sind wir ja immer noch eine Marke.

Pirmin Schwegler war der überragende Spieler der Hinrunde, in der Rückserie ein Schatten seiner selbst. Wie geht man mit so einem um? Baut man ihn auf oder sagt man: ,Pass auf, probiere es besser woanders?‘

Wenn man so denken würde, müsste man 15 Spieler wegschicken. Wir brauchen jetzt zwei, drei Spieler, die die Ärmel aufkrempeln und vorangehen. Du brauchst Typen, das ist nicht so einfach, denn Typen fehlen ja generell im Fußball. Aber wir brauchen zwei Spieler dieser Kategorie, das müssen jetzt fußballerisch nicht die Größen sein, aber sie müssen die Mannschaft immer wieder wachrütteln.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Was Hübner von Schwegler, Jung und Rode hält.

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Datum:  29 | 5 | 2011
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