Sie hängen in Schulen und Hotels, an Gebäuden und Brücken; die rot-braunen Plakate mit gelben Sternen, die sich in einem Kreis um drei ekstatisch jubelnden Spielerinnen des 1. FFC Frankfurt fügen. 1100 Stück davon hat Manager Siegfried Dietrich aufhängen lassen, um fürs Achtelfinale gegen Paris St. Germain in der Champions League zu werben.
Das Design für die Plakatierung haben Marketingexperten der Uefa entworfen. Ein einheitliches Erscheinungsbild für den weiblichen Ableger der Königsklasse ist neuerdings Vorschrift. Und eigens für die Fußballerinnen sind auch Einlaufklänge und Torhymnen konzipiert. Europaweit einheitlich.
„Schöner Schritt in Richtung Nachhaltigkeit“
Im Frankfurter Stadion am Brentanobad, wo das fehlende Flutlicht die frühe Anstoßzeit von 14.15 Uhr erfordert, hofft Dietrich auf 2500 Zuschauer. Das HR-Fernsehen überträgt live und erzielt nach eigenen Angaben damit höhere Quoten als mit Partien der Dritten Liga. Zudem sendet Eurosport europaweit, Ableger strahlen bis nach Asien aus. „Ein schöner Schritt in Richtung Nachhaltigkeit“, sagt Dietrich, der die Anstrengungen seitens des europäischen Dachverbandes in dem erst 2009 eingeführten Wettbewerb mit Lob bedenkt.
Nach sieben Spieltagen in der Frauen-Bundesliga kamen bisher 48.791 Besucher, damit ist der Zuschauerschnitt auf 1163 Besucher pro Spiel gestiegen. In der Vorsaison waren es 834, das entspricht einer Steigerung von 40 Prozent. Den meisten Zuspruch verzeichnen die Bestplatzierten − in derselben Reihenfolge wie in der Tabelle.
Der höchste Schnitt in der Liga wurde 2007/2008 (885) erzielt, noch 2001/2002 waren es nur 273 Besucher pro Spiel.
1. FFC Frankfurt 2643 (Vorsaison 1904)
Turbine Potsdam 2100 (1828)
FCR Duisburg 1622 (1146)
VfL Wolfsburg 1381 (983)
SG Essen-Schönebeck 1140 (759)
1. FC Lok Leipzig 897 (239)
SC 07 Bad Neuenahr 771 (542)
USV Jena 710 (426)
SC Freiburg 674 (355)
Hamburger SV 578 (408)
Bayern München 555 (475)
Bayer Leverkusen 450 (464)
„Ab dem Viertelfinale wird es auch wirtschaftlich interessant, ab dem Halbfinale sogar profitabel.“ 25.000 Euro fürs Viertelfinale, 50.000 Euro fürs Halbfinale, gar eine Viertelmillion für den Sieger – so lauten die Bonuszahlungen von der Uefa. Aber um Geld geht es für die Frauen angeblich gar nicht. „Wir spielen, weil wir Spaß am Fußball haben“, sagt Ally Krieger, die US-Verteidigerin, „wenn sie uns am Ende eine Medaille reichen, ist das schön.“
Sich zu kleinen Königinnen krönen zu lassen, ist in der Spielzeit 2011/2012 besonders verlockend, da das Endspiel mit allerlei Brimborium am 17. Mai in München, zwei Tage vor dem Männer-Finale, ausgetragen wird. Uefa- wie DFB-Funktionäre sind gerade dabei, die Stadt München von der Notwendigkeit zu überzeugen, dafür das Olympiastadion bereitzustellen. Sollte der 1. FFC Frankfurt etwa vorher im Halbfinale auf Olympique Lyon oder Turbine Potsdam treffen, erwägt Dietrich den Umzug in die Frankfurter WM-Arena. Denn wie sagt der Visionär: „Wir werden in dieser Saison an die Grenzen unseres kleinen Stadions kommen.“ Viel mehr als 5000 passen nicht in die bisherige Spielstätte, für die demnächst die Umbaupläne (neue Stehtribünen, Flutlicht, Modernisierung) vorgestellt werden.
Zuwachs durch Aktionskarten
Gut möglich, dass der FFC bereits zum nächsten Heimspiel gegen den Erzrivalen Turbine Potsdam (13. November) erstmals ausverkauft meldet. In absoluten Zahlen haben die Hessen bislang die höchsten Zuwachsraten in der Frauen-Bundesliga erzielt.
Zu den ersten vier Heimspielen kamen im Schnitt 2643 Zuschauer – fast 700 mehr als in der Vorsaison, auch wenn einige von geschönten Zahlen sprechen. Dietrich verhehlt nicht, dass die ansehnlichen Kulissen auch durch sogenannte Aktionskarten zustande kommen. „Natürlich binden wir unsere Partner und Sponsoren dafür ein“, sagt Dietrich, der den Anteil dieser Tickets nicht verraten will. Denn: „Es ist nicht so entscheidend, ob die Leute zwei oder 20 Euro zahlen“, sondern wichtig sei, dass sie ins Stadion kommen. Auch an diesem Mittwochnachmittag.
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