Kommenar

Teufelsgebräu

VON ROBERT VON HEUSINGER

Robert von Heusinger
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Robert von Heusinger (Bild: FR)
Es scheint, als ginge alles wieder von vorne los. Die Aktienkurse stürzen in den Keller. Vor allem Bankaktien leiden dramatisch. Und nur wenige Stunden, nachdem die Spekulanten in Amerika wieder auf fallende Kurse von Bankaktien wetten können, steckt die die Investmentbank Lehman Brothers in argen Nöten.

Gleichzeitig kommen aus allen Ecken der Weltwirtschaft konjunkturelle Alarmsignale: Aus Japan, Australien und wieder Deutschland. Aber geht wirklich alles von vorne los? Nein. In Wirklichkeit wird alles immer schlimmer. Das ist das gemeine an Bankenkrisen. Dumm, dass sich die Finanzkrise inzwischen in die Realwirtschaft gefressen hat. Nun erleben wir, wie sich die reale und die monetäre Krise gegenseitig hochschaukeln.

In Rezessionen klappen Firmen zusammen, die dann ihren Banken zusätzliche Verluste bescheren und so die nächste Bankpleite provozieren. Auf der anderen Seite beschwören miserable Refinanzierungsbedingungen für die Banken die Gefahr einer Kreditklemme herauf. Dann steigen die Kreditzinsen für die Unternehmen oder, noch viel wahrscheinlicher, es gibt für viele Firmen gar keine Kredite mehr. Dann klappen wieder Firmen zusammen.

Das alles sind wohlbekannte kapitalistische Teufelskreise. Der Markt, der freie zumal, kann hier gar nichts mehr retten. Im Gegenteil, er mutiert zum größten Problem, weil sich der Pessimismus selbst verstärkt. Nur noch Staat und Notenbank sind in der Lage, mit unorthodoxem Vorgehen die Krise zu meistern.

Als erstes muss die Spekulation auf fallende Bankaktien komplett verboten werden. Damit würden entscheidende Krisenverschärfer abgeschaltet: böse Gerüchte und übermäßig heftige Kursverluste. Als zweites muss die Europäische Zentralbank sofort mit Zinssenkungen beginnen. Dafür müsste sie zwar zugeben, dass sie völlig falsch lag, aber die Banken bekommen wenigstens etwas Luft (niedrigere Zinsen) zum Atmen. Und drittens muss Euroland gemeinsam die Konjunktur stützen, wie es die Franzosen fordern. Die Eurogruppe, das Gremium der Finanzminister, muss rasch ein europaweites Konjunkturprogramm auflegen, um Schlimmeres zu verhindern. Die Lage ist dramatisch, da gibt es kein Vertun.

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Dokument erstellt am 19.08.2008 um 17:48:17 Uhr
Erscheinungsdatum 20.08.2008

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