BERLIN. In der SPD wird angesichts der Erfolge der Linkspartei der Ruf nach einer wirtschaftspolitischen Kehrtwende lauter. In einem der Frankfurter Rundschau vorliegenden Aufruf an die Partei beklagen linke Sozialdemokraten die "zunehmende Spaltung zwischen Arm und Reich". Dafür machen sie "politische Entscheidungen der vergangenen Jahre" verantwortlich, also die Regierungsarbeit ihrer Partei.
"Bund und Länder werden in den letzten Jahren immer weniger ihrer Aufgabe gerecht, durch eine entsprechende Finanz-, Steuer- Vermögensbildungs- und Sozialpolitik die Einkommen je nach sozialer Belastbarkeit und zum Wohl der Allgemeinheit umzuverteilen", kritisieren die 60 Unterzeichner. Als Ursachen für wachsende Ungerechtigkeiten nennen sie zudem "die Deregulierung des Arbeitsmarktes und die Schwächung der Tarifautonomie".
Gegen die Rente mit 67
Die Forderungen gehen teils deutlich über die offiziellen SPD-Positionen hinaus, teils widersprechen sie ihnen sogar. So verlangen die Unterstützer die Zurücknahme der Rente mit 67, die Wiedereinführung der Vermögensteuer und eine Erbschaftsteuer mit einem Aufkommen von "wenigstens zehn Milliarden Euro". In der großen Koalition bemüht sich SPD-Finanzminister Peer Steinbrück gerade, bei der Reform der Erbschaftsteuer die Einnahmen von vier Milliarden zu halten. Außerdem ist auch eine Erhöhung der Hartz-IV-Leistungen Kernpunkt des Papiers.

