Finanzhilfe

Drei Wege, ein Ziel

VON ANNA SLEEGERS

Britische Bank Bradford & Bingley
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Britische Bank Bradford & Bingley (Bild: getty)
Die Hoffnung, dass Europa weitgehend von den Folgen der US-amerikanischen Immobilienkrise verschont bleibt, hat sich zerschlagen. Überall in Europa sehen sich die Regierungen damit konfrontiert, dass der ins Wanken geratene Bankensektor erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden anzurichten droht. Der Staat muss ran, keine Frage. Aber Briten, Skandinavier, Deutsche und US-Amerikaner gehen dabei unterschiedlich vor.

Staatsgarantie: In Deutschland versucht die Bundesregierung zunächst die Branche in die Pflicht zu nehmen. Eine Gruppe privater Banken unter der Federführung der Deutschen Bank stellt dem in Liquiditätsschwierigkeiten geratenem Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate kurz- und mittelfristige Kredite zur Verfügung. Um ihr Risiko zu begrenzen, springt der Staat als Bürge ein. Wenn es hart auf hart kommen sollte, garantiert der Bund für bis zu 26,6 Milliarden Euro.

Offenbar rechnet die Bundesregierung aber nicht damit, dass es so weit kommt. Jedenfalls hat sie sich für den Fall des Falles zur Verwunderung der meisten Experten keine Gegenleistung ausbedungen. Wenn es dazu kommt, dass staatliche Mittel fließen müssen, um die Hypo Real Estate zu retten, hat das keine Verstaatlichung des Instituts zur Folge.

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Verstaatlichung: In Großbritannien, Skandinavien und den Benelux-Ländern gehen die Regierungen beherzter vor. Als der britische Baufinanzierer Bradford & Bingley, der belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis und die isländische Glitnir Bank zu kollabieren drohten, wurden sie kurzerhand verstaatlicht. Auch die USA bewahrten kürzlich die Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac sowie den Versicherungskonzern AIG auf diese Weise vor der Pleite.

"Der Vorteil der Verstaatlichung ist, dass sie die bisherigen Eigentümer voll in die Haftung nimmt", sagt Marcel Tyrell, Finanzprofessor an der European Business School in Oestrich-Winkel. Das Aktienkapital wird verwässert: Denn da für den staatlichen Einstieg viele neue Aktien ausgegeben werden, sind die alten Papiere nicht mehr viel wert.

Rettungsfonds: Mit ihrem 700-Milliarden-Dollar-Plan will die US-amerikanische Regierung einen anderen Weg einschlagen. Zwar springt der Staat auch hier den Banken mit Steuergeld zur Hilfe. Aber nicht bloß einzelne angeschlagene Institute sollen Risikopapiere an den staatlichen Rettungsfonds verkaufen können, sondern die gesamte Branche. Dafür erhält der Staat Aktienoptionsscheine der Finanzgesellschaften, die bei entsprechender Kursentwicklung eingelöst werden können, um die Belastung für die Staatskasse aufzufangen. Wenn der Fonds wenig für die Papiere zahlt, besteht sogar die Chance, dass er Gewinn macht.

Seiten 14, 16-17

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Dokument erstellt am 29.09.2008 um 17:44:02 Uhr
Letzte Änderung am 03.10.2008 um 11:40:18 Uhr
Erscheinungsdatum 30.09.2008

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