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Ägypten - vergebene Chancen
Nach dem Aufstand der Jugend und dem Sturz von Mubarak keimte Hoffnung auf in Ägypten. Nun dominieren Kämpfe das Land - mit vielen Opfern.

25. März 2014

Ägypten: Atmosphäre der Angst

 Von 
Die verurteilten Mursi-Anhänger in Käfigen vor Gericht.  Foto: dpa

Ein Richter in Ägypten vergisst alle Grundsätze der Rechtsordnung und verurteilt 529 Angeklagte zu Tode. Dies erscheint unklug und darauf angelegt, weitere Gewalt zu provozieren. Tatsächlich entspringt das Urteil jedoch einer Logik, die in Ägypten derzeit weit verbreitet ist.

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Minia –  

Wer durch die oberägyptische Kleinstadt Minia geht, spürt deutlich die Angst: Das Rathaus, Polizeiwachen und Kirchen sind mit Sandsäcken gesichert, Soldaten halten ihre Gewehre bereit. Sie haben Angst vor Anschlägen durch Islamisten und vor dem Zorn der Demonstranten, die Woche für Woche durch die Straßen ziehen und die Rückkehr des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi fordern.

In dieser Atmosphäre des Hasses und der Angst fällt ein Urteil, das härter nicht sein könnte. Der Richter vergisst alle Grundsätze der Rechtsordnung und verurteilt 529 Angeklagte zu Tode. Dies erscheint unklug und darauf angelegt, weitere Gewalt zu provozieren.

Tatsächlich entspringt das Urteil jedoch einer Logik, die in Ägypten derzeit weit verbreitet ist. Viele Ägypter einschließlich Politiker und natürlich Regierungsmitglieder sehen in der sogenannten „Sicherheitslösung“ den einzigen Weg mit den anhaltenden Protesten der Islamisten umzugehen. Nur mit extremer Härte sei der Gefahr beizukommen, die von der machthungrigen Organisation ausgeht. Dafür sind viele bereit, ihre demokratischen Grundsätze zu vergessen und die Rechtsstaatlichkeit einzuschränken.

Dies ist das eigentliche Drama der Entwicklung Ägyptens in den vergangenen Monaten.

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