Aktuell: US-Wahl | Türkei | Brexit | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Ägypten - vergebene Chancen
Nach dem Aufstand der Jugend und dem Sturz von Mubarak keimte Hoffnung auf in Ägypten. Nun dominieren Kämpfe das Land - mit vielen Opfern.

27. November 2013

Ägypten: Die Unsicherheit in Ägypten wächst

 Von 
Graffiti sollen in Ägypten künftig unter Strafe stehen.  Foto: dpa

Seit Jahren brodelt es in Ägypten, die Spannungen am Nil wachsen. Zunehmend kommt es zu Anschlägen und Angriffen in den großen Städten Kairo und Alexandria.

Drucken per Mail
Kairo –  

Die mutmaßliche Entführung des deutsch-ägyptischen Autors Hamed Abdel-Samad fiel in eine Zeit, in der sich in Ägypten die schlechten Nachrichten überschlagen. Gerade erst wurde ein hochrangiger Offizier beim Verlassen seiner Wohnung erschossen und am vergangenen Donnerstag wurde ein Truppentransporter von einer Bombe zerfetzt. Zehn Rekruten starben. Sie waren auf dem Weg vom Heimaturlaub zurück zu ihrem Einsatzort im Norden des Sinai. Dort führt die Armee einen erbitterten Kampf gegen bewaffnete islamistische Gruppen.

Mehr dazu

Der starke Mann in der Übergangsregierung General Abdel Fattah al-Sisi, der im Juli Präsident Mohammed Mursi abgesetzt hatte, hat eine Offensive gegen den Terrorismus begonnen. Zunächst hatte die Armee angekündigt, dass der Sieg über den Terrorismus zwar Opfer verlangen würde, aber dennoch zum Greifen nahe sei. Nun zeigt sich, dass die Gewalt des Gegners nicht weniger, sondern eher mehr wird.

Zunehmend kommt es auch zu Anschlägen und Angriffen in den großen Städten Kairo und Alexandria. Kenner der islamistischen Szene erklären die Zunahme der Gewalt damit, dass die Gruppen sich nach dem Sturz von Präsident Mursi zunächst sammeln und organisieren mussten und erst nach und nach in der Lage sind, größere Terroranschläge zu verüben.

Zunahme von Terrorangriffen erwartet

„Es ist davon auszugehen, dass wir in der nächsten Zeit eine ständige Zunahme von Terrorangriffen von radikalen islamischen Gruppen erleben werden“, so Kamal Habib, der früher selbst zu einer radikalen Gruppe gehörte.

Auf großen Plakaten wirbt die Armee für sich. „Ägypten kämpft gegen den Terror“, lautet der Slogan. Darunter fällt allerdings nicht nur die Offensive auf dem Sinai, sondern auch das harte Vorgehen gegen die Anhänger Mursis und den politischen Islam insgesamt. Von 10 000 Verhaftungen ist die Rede. Seit der Revolution von 2011 gab es Bemühungen, den Polizeiapparat zu reformieren, doch sie scheiterten weitgehend. Mit dem Sturz Mursis sind die alten Kräfte wieder erstarkt und Verhaftete berichten von Misshandlungen. Die Willkür der Polizei war ein Auslöser des Aufstands 2011 und auch jetzt brodelt es, besonders an den Universitäten.

„Die Studenten sind dafür bekannt, dass sie die Ereignisse vorwegnehmen und beschleunigen“, beschreibt Karim Belal vom Studentenrat der Ain-Schams-Universität. Dort kommt es fast täglich zu Demonstrationen und oft enden diese in Gewalt.

„Das Tragische ist, dass die Anhänger Mursis die Einzigen sind, die organisiert sind, und inzwischen haben sich auch viele ihren Protesten angeschlossen, die eigentlich mit den Islamisten gar nichts am Hut haben“, erläutert Belal. Um die Proteste einzudämmen, hat die Regierung nun ein neues Demonstrationsgesetz erlassen. Danach müssen Proteste genehmigt werden.

Parallel dazu soll ein Gesetz erlassen werden, dass Graffiti unter Strafe stellt, das bis vor kurzem noch als Ausdruck einer neuen Kultur galt. Die neuen Gesetze geben den Sicherheitskräften mehr Macht denn je. Zudem hat gerade die Verfassungsversammlung zugestimmt, dass auch in Zukunft Zivilisten vor das Militärgericht gestellt werden können.

Große Teile der Bevölkerung halten das harte Vorgehen der Regierung für richtig. Sie unterstützen al-Sisi, weil sie ihm zutrauen, dass er für Ordnung sorgt. Viele arme Ägypter hoffen, dass er die Wirtschaftskrise lösen wird. Tatsächlich lässt die Armee vielerorts Nahrungsmittel austeilen. Auch so mancher Intellektuelle setzt auf die Armee, weil er hofft, dass sie die islamische Bewegung bekämpft.

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Spezial

Nach dem Aufstand der Jugend und dem Sturz von Mubarak keimte Hoffnung auf in Ägypten. Nun dominieren Kämpfe das Land - mit vielen Opfern. Das Spezial.


Ägypten
Zeitgeschichte

Wiedervereinigung, Mauerfall, Deutscher Herbst, 1968, der Frankfurter Auschwitzprozess und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.

Dossier

Der Wahlsieg des iranischen Präsidenten Rohani weckt Hoffnungen auf einen Kompromiss im Atomstreit. Versagt die Diplomatie, droht ein Krieg.

Spezial: Israel-Iran-Konflikt