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Ägypten - vergebene Chancen
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01. August 2012

Angriff auf Aleppo: Amnesty beklagt Folter und Repression

Ein syrisches Mädchen ist durch einen Granatenangriff verletzt worden.  Foto: dapd

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sieht in dem Angriff der syrischen Regierungstruppen auf Aleppo den Höhepunkt eines monatelangen brutalen Vorgehens gegen Andersdenkende. Die Lage der Rebellen wird immer verzweifelter - besonders Frauen und Kinder sind betroffen.

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Der Report dokumentiert nach Darstellung von Amnesty, wie Regierungstruppen und die Regime-treue Schabiha-Miliz Protestierende getötet und verletzt haben. Betroffen seien auch Unbeteiligte und Kinder gewesen, schreibt Amnesty. Verletzte seien gejagt worden. Folter sei routinemäßig eingesetzt worden. Auf Proteste habe die Staatssicherheit mit rücksichtslosem und brutalem Einsatz von Gewalt reagiert.

In Aleppo versuchen die Regierungstruppen seit Samstag, die Aufständischen mit einer Großoffensive aus der strategisch wichtigen Handelsstadt zurückzudrängen. Nach den Regeln der klassischen Kriegführung haben die Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) im Grunde keine Chance gegen die waffenstrotzenden Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad.

Ein syrischer Rebell bei Kämpfen in Aleppo.
Ein syrischer Rebell bei Kämpfen in Aleppo.
Foto: dpa

Über Panzer, Kampfjets und Hubschrauber verfügen die Aufständischen nicht. Zu ihrem Waffenarsenal zählen Schnellfeuergewehre, Sprengstoff, Blitzkommandos - und psychologische Kriegsführung. „Ich habe den Oberbefehl über 12.000 Mann“, sagt der Rebellenchef in der zentralsyrischen Provinz Hama, der sich den Kampfnamen Abu Ahmed zugelegt hat.

„Nur die Hälfte von ihnen hat eine Waffe“, fügt der FSA-Kommandeur hinzu. „Sie reichen ihre Kalaschnikows reihum weiter.“ Woher die vorhandenen Waffen im einzelnen stammen, ist nicht leicht nachzuvollziehen. Nach ihrem eigenen Bekunden kaufen die FSA-Rebellen ihre Kampfausrüstung selbst, sofern sie sie nicht als Deserteure mitbringen oder den Regierungstruppen entringen.

Einzige Chance: Guerillataktiken

Von einer wohlorganisierten Bewaffnung sind die Aufständischen in Hama jedenfalls weit entfernt. Diese Krieger sehen nicht so aus, als würden sie von ausländischen Mächten großzügig finanziert. Wenngleich mit allerlei militärischen Dienstgraden geschmückt, tragen sie allenfalls Raketenwerfer oder Schnellfeuerwaffen. Ihre Fahrzeuge sind verbeult und so klapprig, dass nicht sicher ist, bis zu welchem Ziel sie noch gesteuert werden können.

“Es fehlt uns an allem“, sagt Abu Ahmed. Keine panzerbrechenden Waffen, keine Flugabwehr. Was unter solchen Bedingungen jedoch funktioniert, ist der Guerilla-Kampf, der auch andernorts schon große Armeen ins Wanken brachte. „Was wir einsetzen können, sind Minen und Scharfschützen“, sagt der Rebellenchef. „Wir zermürben kleine Gruppen von Soldaten, nehmen sie gefangen oder erschießen sie und eignen uns ihre Waffen an.“

Einer der FSA-Offiziere führt Videos vor, die von seinen Leuten gedreht wurden. Zu sehen sind Allrad-Fahrzeuge der syrischen Armee, die über eine breite Straße donnern. Plötzlich gibt es Explosionen am Straßenrand, Splitter fliegen durch die Luft. „Wir haben Minen gebaut und in Serie geschaltet“, sagt der Offizier namens Abu Abdo. Die Sprengsätze seien ferngezündet worden.

Auf einem anderen Video zeigen die Aufständischen, wie sie eine Brücke vermint haben. Als zwei russische T-72-Panzer auf die Brücke rollen, bricht diese durch eine Explosion weg, die Panzer stürzen ins Nichts. Das Know-how zum Bau der Minen und Fernzünder stammt laut Abu Abdo „von den Libyern“. Diese hätten den FSA-Kämpfern gezeigt, wie mit Ammoniumnitrat und C-4-Sprengstoff umzugehen ist.

In der Bergkette Dschabal Schaschabu, welche die Ebene von Hama säumt, haben sich Abdallah Turk und seine 40 Kämpfer verschanzt. „Wir umzingeln Kontrollposten, wenn sie in Unterzahl sind“, sagt der FSA-Kommandeur. „Wir fordern sie über Lautsprecher auf, sich zu ergeben - manchmal tun sie es, manchmal nicht...“ Was im zweiten Fall geschieht, will Turk nicht näher beschreiben.

Die Kämpfer in den Bergen schlagen vor allem im Schutz der Nacht zu. „Wir brauchen keine Nachtsichtgeräte, wir kennen die Dörfer und die Straßen.“ Erbeutete Waffen werden genutzt, erbeutete Panzer zerstört.

Spione in Assads Armee

Und dann ist da noch eine der gefährlichsten Waffen, die Spionage. „Wir haben in Assads Armee unsere Quellen“, sagt der Spionage-Beauftragte von Abu Ahmed, Abu Jasser. Erst am 18. Juli habe die FSA bewiesen, wie weit ihre Arme reichen: Bei einem Selbstmordanschlag im Zentrum von Damaskus wurden Verteidigungsminister Daud Radschha und dessen Stellvertreter Assef Schaukat getötet.

Die syrische Armee und Rebellen kämpfen erbittert um die Kontrolle über die syrische Großstadt Aleppo. Auch in der Nacht zu Mittwoch konnten Reuters-Journalisten laute Explosionen vernehmen. Mindestens zehn Artilleriesalven erleuchteten den Nachthimmel. Aufständische machten sich mit ihren Fahrzeugen auf den Weg zu den Gefechten.

Die Schlacht um die Millionenmetropole Aleppo, die zugleich das wirtschaftliche Zentrum Syriens ist, hat sich zum wichtigsten Schauplatz der seit 16 Monaten anhaltenden Machtprobe zwischen den Truppen von Präsidenten Baschar al-Assad und Regierungsgegnern entwickelt. Die Rebellen kontrollieren nach eigenen Angaben einen großen Bogen, der Stadtbezirke im Osten und Südwesten umfasst.

In den vergangenen Tagen konzentrierten sich die Gefechte auf den südwestlichen Stadtteil Salaheddine. Nach Einschätzung von Reuters-Journalisten vor Ort hat keine der beiden Seiten die Oberhand in dem Viertel. Ein Journalist sagte, Salaheddine gleiche einer Geisterstadt ohne Anzeichen von Leben. Die Geschäfte seien geschlossen. Auch in anderen Stadtteilen wurde gekämpft. (rtr/afp)

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