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Ägypten - vergebene Chancen
Nach dem Aufstand der Jugend und dem Sturz von Mubarak keimte Hoffnung auf in Ägypten. Nun dominieren Kämpfe das Land - mit vielen Opfern.

15. Oktober 2012

Bürgerkrieg in Syrien: Europa muss den Flüchtlingen helfen

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Syrische Flüchtlinge vor ihrem Zelt in einem Flüchtlingslager nahe der türkischen Grenze. Foto: AFP

Hunderttausende von Syrern sind auf der Flucht. Bislang haben die Nachbarstaaten sie klaglos aufgenommen und versorgt. Nun fordert die Türkei Europa auf, die Grenzen zu öffnen. Ein Ruf, dem Europa sich nicht entziehen darf.

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Hunderttausende von Syrern sind auf der Flucht. Bislang haben die Nachbarstaaten sie klaglos aufgenommen und versorgt. Nun fordert die Türkei Europa auf, die Grenzen zu öffnen. Ein Ruf, dem Europa sich nicht entziehen darf.

Gerade ist uns der syrische Bürgerkrieg ein großes Stück näher gerückt. Die Türkei, die in bewundernswerter Großzügigkeit schon fast hunderttausend Flüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen, untergebracht und versorgt hat, verlangt eine fairere Lastenteilung. Europa soll mehr finanzielle Hilfe leisten, vor allem aber auch selbst Flüchtlinge aufnehmen, sagte der türkische EU-Minister Egemen Bagis der „Welt".

Die Botschaft ist unwillkommen. Gewiss, der schreckliche Krieg in Syrien lässt uns nicht unberührt. Aus tiefstem Herzen wünschen wir den Syrern, dass ihnen Frieden und eine ordentliche Regierung vergönnt seien. Aber bislang spielte sich der Konflikt doch in bequemer Entfernung von uns ab. Dank der Spaltung des UN-Sicherheitsrates konnte niemand von uns ernsthaft verlangen, militärisch einzugreifen. Und um die Flüchtlinge - laut UN-Flüchtlingshilfswerk inzwischen über 250.000 - kümmerten sich dankenswerterweise die Nachbarn.

Festung Europa

Europa hat Zelte, Nahrungsmittel und einige Millionen Euro für die Flüchtlinge gespendet. Doch die Menschen selbst hat es sich bisher vom Leib gehalten. Deutschland und Schweden zeigten sich noch am großzügigsten, doch auch sie nahmen bisher nur wenige hundert Syrer auf. Länder wie Frankreich, dessen Präsident Francois Hollande so gern große Reden über die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft in Syrien schwingt, zeigten bislang wenig gastlich.

Sicher ist die Situation nicht mit dem jugoslawischen Bürgerkrieg vergleichbar, als Deutschland Hunderttausende von Flüchtlingen aufnahm. Bosnien ist Teil Europas; Syrien nicht. Die große Mehrheit der Flüchtlinge, die Syrien fliehen, wollen in ihrer Region bleiben. Nicht nur, weil sie auf rasche Heimkehr hoffen. In den muslimischen, großteils auch noch arabischsprachigen Nachbarstaaten fühlen sie sich nicht gar so fremd.

100 Euro für jeden Flüchtling

Auch wirtschaftlich macht die Unterbringung in den Nachbarstaaten den größten Sinn: Für 2000 Euro im Monat kann das UNHCR vor Ort fünf Familien, also zwischen 20 und 25 Personen, versorgen. Hierzulande würde dieses Geld kaum für die Unterbringung einer einzigen Familie reichen.

Und doch würde es Europa - dem Träger des Friedensnobelpreises! - gut anstehen, sich in diesem Konflikt großzügiger zu zeigen als bisher. Mehr Geld für das UNHCR, mehr politische Aufmerksamkeit für das Schicksal der Flüchtlinge, mehr Anerkennung für die Rolle der Türkei als Frontstaat wären ein guter Anfang.

Doch Europa wird auch nicht umhinkommen, selbst mehr Flüchtlinge aufzunehmen, Menschen beispielsweise, die sich aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Stammeszugehörigkeit auch in den Lagern in der Türkei oder Jordanien nicht sicher fühlen können. Es ist Zeit, dass wir merken, wie nah uns Syrien liegt.

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