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Ägypten - vergebene Chancen
Nach dem Aufstand der Jugend und dem Sturz von Mubarak keimte Hoffnung auf in Ägypten. Nun dominieren Kämpfe das Land - mit vielen Opfern.

04. Oktober 2012

Grenzkonflikt Türkei gegen Syrien: „Es geht vor allem um die Kurdenfrage“

 Von Danijel Majic
Kurden demonstrieren für die Freiheit für Abdullah Öcalan. Foto: dpa

Als wissenschaftlicher Abteilungsleiter im Deutschen Orient-Institut ist Sebastian Sons (31) mit der gesamten Nahost-Region vertraut. Im Gespräch mit dieser Zeitung erläutert er, welche Hintergründe eine mögliche Intervention der Türkei haben könnte.

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Herr Sons, nach den syrischen Granatangriffen spricht Premier Erdogan von einer „nationalen Bedrohung“. Das türkische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das weitergehende militärische Maßnahmen in Nachbarländern ermöglichen soll. Glauben sie, dass ein Eingreifen der Türkei in den syrischen Bürgerkrieg bevorsteht?

Das ist schwierig zu sagen. Fest steht, dass sich die Situation zwischen der Türkei und Syrien verschärft hat. Meiner Meinung nach wäre Erdogan schlecht beraten, zum jetzigen Zeitpunkt auf eine Intervention zu drängen, wo nicht einmal endgültig klar ist, ob der Angriff wirklich auf das Konto des Assad-Regimes geht.

Es gibt ja durchaus Oppositionsgruppen, die ein Interesse an einer Provokation haben. Es wäre kontraproduktiv, wenn sich die Türkei provozieren ließe. Allerdings steht Erdogan innenpolitisch unter Druck, weil er aus Sicht gewisser Kreise schon beim Abschuss des türkischen Militärjets im Juni zu verhalten reagiert hat.

Aber das Assad-Regime hat sich bereits für den Angriff entschuldigt und damit doch indirekt die Verantwortung übernommen...

Nach meinem Kenntnisstand ist das noch nicht abschließend geklärt. Auch wenn bislang alles auf Assads Truppen hindeutet.

Sie glauben also, dass die syrische Opposition ein Interesse an einer militärischen Intervention der Türkei hat?

Das ist natürlich hoch spekulativ. Man muss sich immer vor Augen führen, dass die Opposition in Syrien zersplittert ist, dass sie nicht mit einer Stimme spricht. Die Freie Syrische Armee und der Nationalrat sind nur die bekanntesten. All diese Gruppen einen zwei Ziele: Der Sturz des Assad-Regimes und ein Ende des Blutvergießens.

Eine militärische Aktion der Türkei wäre da durchaus eine Option. Es bleibt, wie gesagt, rein spekulativ. Aber es ist durchaus möglich, dass solche Gruppen hinter dem Angriff auf türkisches Territorium stecken. Und auch die Türkei hat nicht nur ein humanitäres Interesse an einem Eingreifen in Syrien.

Sie spielen auf die Kurdengebiete in Nordsyrien an...

Ja, es geht vor allem um die Kurdenfrage. Das Gesetz, über das das Parlament verabschiedet, zielt vor allem darauf ab, Aktionen in den Kurdengebieten jenseits der türkischen Grenze zu ermöglichen. So wie sie die Türkei im Nord-Irak bereits regelmäßig durchführt.

Als zweite Regionalmacht unterstützt der Iran Assad und mischt zumindest im Hintergrund des Bürgerkriegs kräftig mit. Wie wirkt sich die jüngste Zuspitzung auf das Verhältnis Türkei-Iran aus?

Das Verhältnis zwischen der Türkei und dem Iran ist ja nicht nur schlecht. Wirtschaftlich etwa sind beide Länder stark verbandelt. Insofern ist eine direkte Konfrontation eher unwahrscheinlich, da bislang auch keine iranischen Truppen in Syrien aktiv sind. Aber sicherlich hat sich der im Hintergrund stehende regionale Hegemonialkonflikt verschärft.

Zumal die konfessionellen Konfliktlinien, etwa zwischen Schiiten und Sunniten immer deutlicher hervortreten, wobei auch Staaten wie Katar und Saudi-Arabien jeweils ihnen genehme Gruppen mit Waffen unterstützen. In diesem Sinne ist Syrien längst Aufmarschgebiet für einen regionalen Konflikt.

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