Ägypten - vergebene Chancen
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26. Juni 2012

Kampfjet Türkei : Ein Abschuss, zwei Versionen

 Von Frank Nordhausen
Kundgebung fürs Militär im Stadtzentrum von Istanbul.  Foto: rtr/Sezer

Nach dem Zwischenfall vor der syrischen Küste verhängt die EU neue Sanktionen gegen Damaskus. Umstritten ist noch immer, auf welchem Kurs sich die Maschine im Moment des Abschusses befand.

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Nach dem Zwischenfall vor der syrischen Küste verhängt die EU neue Sanktionen gegen Damaskus. Umstritten ist noch immer, auf welchem Kurs sich die Maschine im Moment des Abschusses befand.

Istanbul –  

Drei Tage nach dem Abschuss eines türkischen Kampfjets durch die syrische Flugabwehr hat die EU erneut die Sanktionen gegen Syrien verschärft, um das Land zum Ende der Gewalt im Innern und nun auch nach außen zu bewegen. Die EU-Außenminister beschlossen am Montag in Luxemburg, sechs weitere syrische Firmen und Behörden auf die Sanktionsliste zu setzen. Sie verurteilten den Vorfall vor der syrischen Küste. „Wir sind sehr besorgt über das, was geschehen ist“, sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Luxemburg. Brüssel werde sich aber darum bemühen, dass die Türkei weiter so zurückhaltend wie bisher reagiere.

Die Türkei hatte die Nato bereits am Sonntag ausführlich über ihre Sicht der Dinge unterrichtet und will auch den UN-Sicherheitsrat einschalten. Hinter den Kulissen hat man sich nach Medienberichten in der EU und der Nato darauf geeinigt, den Vorfall scharf zu verurteilen, aber weiter auf Deeskalation zu setzen. Bei einem kurzfristig anberaumten Treffen der Nato-Botschafter am Dienstag in Brüssel soll daher nicht über militärische Maßnahmen gesprochen werden.

Der Hergang des Zwischenfalls wurde auch am Dienstag von Syrien und der Türkei in einem entscheidenden Punkt unterschiedlich dargestellt. Einigkeit herrscht bei der Rekonstruktion einer ersten Schleife, die der Jet am Freitagmittag vor der syrischen Küste drehte, wobei er sich etwa fünf Minuten lang in syrischem Hoheitsgebiet aufhielt, ehe er wieder in den türkischen Luftraum eintauchte. Auch dass die Maschine dann bei der südtürkischen Stadt Antakya zur Wende ansetzte, ist unumstritten. Bei einem zweiten Flug über das Meer wurde der Jet dann um 11.58 Uhr von der syrischen Luftabwehrartillerie getroffen und stürzte um 12.02 Uhr rund acht Meilen vor der syrischen Stadt Latakia ins Meer.

Östlicher oder südlicher Kurs?

Umstritten ist vor allem, auf welchem Kurs sich die Maschine im Moment des Abschusses befand. Die syrische Seite erklärt, der Kampfjet sei abgeschossen worden, als er mit östlichem Kurs erneut in ihren Luftraum eingedrungen sei und ihr Festland zu erreichen drohte. Dschihad Makdissi, der Sprecher des syrischen Außenministeriums, sagte am Montag in Damaskus, man habe keine andere Wahl gehabt, als den in nur 100 Meter Höhe fliegenden Jet abzuschießen. Dabei seien Luftabwehrgeschütze, keine radargeleiteten Raketen zum Einsatz gekommen.

Die Türken bestreiten diese Darstellung und erklären unter Berufung auf ihre eigenen Radaraufzeichnungen, ihr Flugzeug sei 13 Seemeilen vor der Küste bei südlichem Kurs vermutlich von einer zweistufigen Rakete getroffen worden und dann bei hohem Tempo in die syrischen Gewässer gestürzt. Wie die Trümmer der Maschine kilometerweit ostwärts in syrische Gewässer gelangen konnten, erklärten sie nicht.

Das türkische Außenministerium erklärte am Montag, die Radarstation habe die Piloten bereits beim ersten Durchflug über die Verletzung des syrischen Luftraums informiert. Sie hätten also genau Bescheid gewusst und den Fehler sicher nicht ein zweites Mal begangen.

Die syrische Luftabwehr soll am selben Tag noch ein zweites türkisches Flugzeug ins Visier genommen haben, das zur Absturzstelle entsandt wurde, um nach dem verschwundenen Jet zu suchen. Das berichtete am Montag die türkische Zeitung Hürriyet unter Berufung auf westliche Diplomaten. Als die Piloten bemerkten, dass sie vom syrischen Radar erfasst wurden, seien sie abgedreht.

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