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Ägypten - vergebene Chancen
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23. Juli 2012

Kommentar zu Syrien: Lasst Assads Gegner nicht allein!

 Von Jonas Nonnenmann
Kämpfer der sogenannten Freien Syrischen Armee beim Training.  Foto: dapd

Syrien steht an einem Wendepunkt.  Der Westen sollte die Freie Syrische Armee jetzt massiv unterstützen, nicht nur aus humanitären Gründen.

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Die Rebellen gewinnen in Syrien die Oberhand, das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht: Europa und die USA haben damit wenig tun.

Es war alles andere als klar, dass sich die Lage so entwickelt: Die revolutionäre Freie Syrische Armee hat weniger Geld als das Regime, sie hat keine Panzer, keine Helikopter und keine Kampfjets, jedenfalls nicht in nennenswerter Zahl. Auf friedliche Demonstrationen reagierte das Regime mit brutaler Härte, ein Friedhofsfrieden war wahrscheinlich.

Dass der Despot Assad nun doch zittern muss, das liegt an einem gut geplanten Anschlag auf den syrischen Verteidigungsminister, an Maschinengewehren aus Saudi-Arabien, an Menschen, die zwar keine Waffen haben, aber bereit sind, für die Zukunft ihres Landes zu sterben.  Es liegt daran, dass plötzlich Kugeln in Assads Nähe fliegen.

Nur eines wird den Krieg ganz sicher nicht entscheiden: Die diplomatischen Bemühungen des Westens oder gar die Beobachtermission der UN. Weil Russland und China ernsthafte Sanktionen blockieren, kann Assad doppelt spielen. Öffentlich verspricht er Reformen, in den Hinterhöfen seiner Geheimdienste lässt er Rippen brechen. Über die UN-Friedensmission durfte Assad im Stillen lachen.  

Die Folgen des Nichtstuns

Stattdessen tun sich jetzt Kämpfer hervor, die von der Demokratie so weit entfernt sind wie Assad vom Friedensnobelpreis. Besonders die Islamisten werden mächtiger, mit Diplomatie halten die sich nicht auf. Dafür kämpfen sie tapfer, und genau das wird in dem Syrien nach Assad zählen: Wer wie geholfen hat – egal, ob die Hilfe von der CIA kam oder von Al Kaida.  

Genau deshalb muss sich der Westen einmischen, wo es geht. Sicher sollten unsere Regierungen genau aufpassen, welche Waffen sie an wen liefern. Sicher gibt es diplomatische Grenzen, die wir Russland gegenüber einhalten müssen, die wichtigste Grenze ist ein offener Krieg mit Syrien. Sicher macht es auch weiterhin Sinn, politischen Druck auf Russland aufzubauen.

Trotzdem gibt es jetzt keine Alternative zu der massiven Unterstützung der Rebellen, eingeschlossen militärischer Hilfe. Nichts wäre schlimmer als das Nichtstun. Wer die Syrer im entscheidenden Moment diesem terroristischen Regime überlässt, der macht sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig.

Gibt es jetzt keine Entscheidung zugunsten der Rebellen, dann wird das Schlimmste aller Szenarien wahrscheinlich, ein jahrelanger Bürgerkrieg mit etwa gleich starken Gegnern. Keiner kann das wollen.

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