Der Bürgerkrieg in Syrien tobt nun in Damaskus: Im Inneren des syrischen Generalstabsgebäudes in Damaskus haben sich Soldaten und Rebellen nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten am Mittwoch heftige Kämpfe geliefert. Es habe auf beiden Seiten Tote gegeben, berichtete die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Gefechte erfolgten nach zwei Bombenanschlägen, die sich gegen das Gebäude im stark gesicherten Stadtzentrum von Damaskus richteten.
Die Armee erklärte, alle Militärkommandeure seien nach dem Anschlag wohlauf. Syriens Informationsminister Omran al-Sohbi hatte dem Staatsfernsehen kurz zuvor gesagt, es habe bei den Bombenanschlägen nur Sachschäden gegeben. Sicherheitskräfte verfolgten eine „bewaffnete Terroristengruppe“ nahe des Gebiets, wo sich die Explosionen ereigneten. Die Regierung bezeichnet die Aufständischen regelmäßig als „Terroristen“.
Der englischsprachige Fernsehsender Iranian Press TV berichtete, bei den Bombenexplosionen sei ihr Korrespondent, der 33-jährige Syrer Maja Nasser, ums Leben gekommen.
Ein Augenzeuge sagte, zwischen den beiden Detonationen seien etwa 15 Minuten vergangen. Das Gebäude des Militärkommandos liegt neben dem Ummajaden-Platz im Stadtzentrum. Selbst in Friedenszeiten ist der Komplex stets gut bewacht.
Mehr als 20.000 Menschen sind bisher im Bürgerkrieg in Syrien getötet worden. Die Überlebenden, vor allem die Kinder, haben Schreckliches erlebt. Die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR versucht auch mit Hilfe der Sonderbotschafterin Angelina Jolie auf die Situation aufmerksam zu machen.
Foto: AFPDeserteure der Freien Syrischen Armee (FSA) meldeten unterdessen die Entdeckung von 50 Leichen bei Damaskus. Die FSA gab an, die Männer seien in der Ortschaft Al-Dhijabija von regimetreuen Truppen zum Teil mit Messern getötet worden. Eine Bestätigung für diese Angaben von unabhängiger Seite gab es zunächst nicht. Die FSA veröffentlichte Bilder, auf denen Dutzende von Leichen zu sehen sind.
Am Vortag hatten Rebellen einen Anschlag auf eine angebliche Milizen-Zentrale in Damaskus verübt. Nach Informationen der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter wurden gestern landesweit 240 Menschen getötet.
Die Revolutionskomitees berichteten, Regierungstruppen und die Schabiha-Miliz hätten im Damaszener Viertel Al-Asali am Mittwoch mehrere Häuser mutmaßlicher Regimegegner angezündet. Die Gegner von Präsident Baschar al-Assad gehen davon aus, dass seit Beginn ihres Aufstandes im März vergangenen Jahres 30.000 Menschen getötet wurden.
Frankreichs Präsident Francois Hollande, der am Dienstag seine erste Rede vor der UN-Vollversammlung hielt, forderte die Weltgemeinschaft auf, Schutzzonen für das syrische Volk einzurichten. Die Gegenden im Norden des Landes, die von Rebellen eingenommen worden seien, müssten „umgehend“ geschützt werden. „Das syrische Regime hat unter uns keine Zukunft“, sagte er.
(dpa/rtr/afp)
Die Menschen in Syrien, Ägypten und im Nahen Osten gehen auf die Straße. Ihr Protest zielt auf politische Veränderungen und gegen autoritäre Regime. Das Spezial.