Aktuell: Skispringen, Wintersport | Pegida | Flucht und Zuwanderung | Eintracht Frankfurt

Ägypten - vergebene Chancen
Nach dem Aufstand der Jugend und dem Sturz von Mubarak keimte Hoffnung auf in Ägypten. Nun dominieren Kämpfe das Land - mit vielen Opfern.

24. September 2012

Libyen: Libysche Milizen auf dem Rückzug

 Von Julia Gerlach
Die Milizen zu entwaffnen, wird ein schwieriges Unterfangen. Foto: AFP/ABDULLAH DOMA

Zehntausende demonstrieren gegen die Willkür der bewaffneten Gruppen in Libyen. Offenbar mit Erfolg: Die Islamistischen Milizen ziehen sich daraufhin nach Angaben eines Sprechers der Protestbewegung zurück.

Drucken per Mail

Islamistische Milizen treten nach den Protesten Tausender Demonstranten in Libyen ihren Rückzug an. Zwei der einflussreichsten Gruppen kündigten nach Angaben eines Sprechers der Protestbewegung am Wochenende an, aus der Islamisten-Hochburg Derna im Osten des Landes abzurücken und sich aufzulösen. Die Armee stellte zugleich am Sonntag nach staatlichen Angaben allen Milizen und sonstigen bewaffneten Gruppen ein Ultimatum. Binnen 48 Stunden müssen sie in Tripolis und Umgebung sämtliche Militärkomplexe, staatliche Einrichtungen und Anwesen von Vertretern der frühren Führung unter Muammar al-Gaddafi räumen. In der Nacht zum Samstag hatten aufgebrachte Libyer die Miliz Ansar al-Scharia aus Bengasi vertrieben.

Mehrere zehntausend Demonstranten hatten am Freitag der Toten des Angriffs auf das US-Konsulat in Bengasi gedacht, bei dem am 11. September der US-Botschafter in Libyen ermordet wurde. Gegen Abend erreichten die Demonstranten das Hauptquartier der Ansar-Al Scharia- Miliz, die für den Angriff auf das Konsulat verantwortlich gemacht wird. Die Demonstranten drangen in das Gelände ein und die Kämpfer ergriffen daraufhin die Flucht. Die illegalen Gefängnisse der Miliz wurden geöffnet und ihre Waffenarsenale geplündert.

Radikal islamische Kämpfer sind enttäuscht

Die Demonstranten zogen am Sonnabend erneut friedlich durch Bengasi und daraufhin kündigten weitere Milizen die Räumung ihrer Kasernen an. Als am Abend der Nationalratsvorsitzende Mohammed al-Magharief vor die Presse trat, war ihm die Erleichterung anzumerken. Er kündigte ein hartes Vorgehen an: „Alle bewaffneten Gruppen werden aufgelöst. Wir verbieten die Anwendung von Gewalt und das Tragen von Waffen in der Öffentlichkeit“, sagte er. Die zuständigen Sicherheitsbehörden hätten Anweisung dies umzusetzen. Die unabhängige Zeitung Libyan Herald berichtete, Sicherheitskräfte in Tripolis sollen begonnen haben, kleinere Milizen aus der Stadt zu vertreiben. Diese hatten sich in einem Villenviertel der Hauptstadt eingenistet.

Die Milizen waren während des Kampfes gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi entstanden. Während viele der Rebellen nach dem Sieg über das alte Regime ihre Waffen niederlegten, weigerten sich andere. Die Regierung versuchte zunächst, die Kämpfer mit Geld und Jobangeboten ins zivile Leben zurückzulocken, mit geringem Erfolg. Seitdem wurden einige Milizen mit ihren Kommandeur, Kämpfern und Waffen in die regulären Sicherheitskräfte integriert.

Vor allem für radikal islamische Kämpfer verweigerten sich jedoch. Sie sind enttäuscht, weil sich Libyen nicht zu einem radikal islamischen Staat entwickelt. Diese Kräfte sorgten in den vergangenen Monaten mehrfach für Aufruhr, etwa als sie Mausoleen von Sufi-Predigern zerstörten. Die Sicherheitsbehörden hielten sich angesichts der schweren Bewaffnung der Milizen zurück. Deren Ansehen hat durch Entführungen und Erpressungen stark gelitten. Der Anschlag auf das US-Konsulat tat dann ein Übriges. „Man kann sagen, dass der tragische Tod des US-Botschafters zu einem Stimmungsumschwung geführt hat“, erklärt der libysche Journalist Sami Zaptia. Deshalb hätten sich die Bewohner von Bengasi, wo die Revolution 2011 begann, ein weiteres Mal erhoben.

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Spezial

Nach dem Aufstand der Jugend und dem Sturz von Mubarak keimte Hoffnung auf in Ägypten. Nun dominieren Kämpfe das Land - mit vielen Opfern. Das Spezial.


Ägypten
Zeitgeschichte

Wiedervereinigung, Mauerfall, Deutscher Herbst, 1968, der Frankfurter Auschwitzprozess und das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944.

Dossier

Der Wahlsieg des iranischen Präsidenten Rohani weckt Hoffnungen auf einen Kompromiss im Atomstreit. Versagt die Diplomatie, droht ein Krieg.

Spezial: Israel-Iran-Konflikt