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Ägypten - vergebene Chancen
Nach dem Aufstand der Jugend und dem Sturz von Mubarak keimte Hoffnung auf in Ägypten. Nun dominieren Kämpfe das Land - mit vielen Opfern.

16. Oktober 2014

Proteste in Ägypten: Ägyptens Studenten lassen nicht locker

 Von 
Ein privater Sicherheitsdienst kontrolliert Studenten an der Al-Azhar-Universität in Kairo. Sein Einsatz ist umstritten.  Foto: rtr

Die Protestbewegung in Ägypten meldet sich zurück: Übergriffe von Sicherheitskräften fachen den Zorn auf die Regierung an. Die Regierung versucht mit aller Kraft, die neue Studentenbewegung zu zerschlagen.

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Kairo –  

„Die Universität ist die Wiege der Revolution!“, steht in großen roten Buchstaben auf dem Transparent, das Demonstranten über den Campus der Universität von Alexandria tragen. Vergangene Woche begann das neue Studienjahr in Ägypten. Nach einem relativ ruhigen Sommer, der Spekulationen aufkommen ließ, die Proteste gegen die Regierung von Abdelfattah al-Sisi seien verebbt, meldet sich die Protestbewegung nun zurück.

Auf Straßen und Plätzen kommt es zwar nur noch zu kleinen Demonstrationen, die oft schnell von den Sicherheitskräften aufgelöst werden, aber an den Universitäten geht der Protest weiter. Die Regierung versucht mit aller Kraft, die neue Studentenbewegung zu zerschlagen. Bereits im vorigen Studienjahr wurden viele Studentenführer von den Universitäten ausgeschlossen, Aktivisten durften nicht an Examensprüfungen teilnehmen.

Ein neues Dekret verbietet politische Studentenorganisationen. Ein ähnliches Gesetz war bereits unter der Regierung von Hosni Mubarak in Kraft, konnte aber nicht verhindern, dass sich politische Gruppen organisierten. Nach dem Sturz Mubaraks 2011 entstanden daraus regelrechte Studentenvereinigungen. Damit soll nun Schluss sein. Ob es allerdings gelingt, die Studentenbewegung durch Verbote zu stoppen, ist fraglich. Längst hat das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte zu Bündnissen jenseits der ideologischen Lager geführt: Islamisten und liberale Studenten demonstrieren gemeinsam gegen die Versuche der Regierung, sie zum Schweigen zu bringen.

So wurde zu Semesterbeginn angekündigt, dass es keine Demonstrationen mehr auf den Campusgelände geben dürfe. Als es Ende voriger Woche doch dazu kam, wurden mindestens 130 Studenten verhaftet. Das löste Proteste an Universitäten im ganzen Land aus. Besonders in Alexandria, aber auch an anderen Universitäten kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Sicherheitskräften.

Der Einsatz von Polizisten und Soldaten auf dem Campus ist umstritten. Und nach langen Diskussionen zog die Regierung im Sommer ein Dekret zurück, das dies erlaubt hätte. Deshalb kommen vor allem private Sicherheitskräfte zum Einsatz. Doch was dürfen sie, welche Waffen dürfen sie benutzen? Die Art der Verletzungen, die manche der Studenten erlitten, entfachte eine Diskussion darüber, ob die Sicherheitsfirma Falcon, die mit dem Schutz der Universitäten beauftragt wurde, nicht doch Schusswaffen einsetze.

Viele Oppositionelle in Ägypten schauen mit Hoffnung auf die Studentenbewegung: „Sie sind die Einzigen, die sich noch trauen etwas zu machen“, sagte Samir al-Wesemy, der zum Führungszirkel der Muslimbruderschaft gehört. Er betonte zugleich, dass die Bruderschaft die Demonstranten nicht direkt unterstütze und auch nicht mit ihnen im Kontakt stehe. Aus Prinzip: „Es muss eine neue Protestbewegung entstehen und wir halten es für strategisch geschickter, wenn sich diese unabhängig von uns entwickelt.“

Hintergrund dieser Strategie ist, dass der Ruf der Muslimbruderschaft in der ägyptischen Opposition stark gelitten hat und viele unabhängige Aktivisten mit den Funktionären der mächtigen Bruderschaft nichts zu tun haben wollen.

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