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Ägypten - vergebene Chancen
Nach dem Aufstand der Jugend und dem Sturz von Mubarak keimte Hoffnung auf in Ägypten. Nun dominieren Kämpfe das Land - mit vielen Opfern.

29. Juli 2012

Syrien Bürgerkrieg: Die große Flucht aus Aleppo beginnt

Ein Kämpfer der syrischen Rebellen in Aleppo. Foto: AFP

Bereits 200.000 Menschen sind aus der umkämpften syrischen Metropole geflohen. Hilfsorganisationen versuchen zu den eingeschlossenen Zivilisten vorzudringen. Die Kämpfe dauern seit zwei Tagen an. Erneut setzen Regierungstruppen Kampfflugzeuge und Panzer ein.

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Bereits 200.000 Menschen sind aus der umkämpften syrischen Metropole geflohen. Hilfsorganisationen versuchen zu den eingeschlossenen Zivilisten vorzudringen. Die Kämpfe dauern seit zwei Tagen an. Erneut setzen Regierungstruppen Kampfflugzeuge und Panzer ein.

Vor den Kämpfen in der nordsyrischen Stadt Aleppo sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen innerhalb von 48 Stunden 200.000 Menschen geflohen. UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos forderte am Sonntag in New York freien Zugang nach Aleppo für Hilfsorganisationen.

Durch die Offensive der regulären Truppen von Präsident Baschar al-Assad seien in der Wirtschaftsmetropole Aleppo zahlreiche Hilfsbedürftige eingeschlossen, erklärte Amos in New York. Die Hilfsorganisationen müssten die Möglichkeit erhalten, den Bedürftigen Nahrung, Wasser und Decken zur Verfügung zu stellen.

„Zivilisten nicht als Zielscheiben“

Amos forderte alle kämpfenden Parteien auf, „Zivilisten nicht als Zielscheiben“ auszuwählen. Es sei „sehr schwierig“ für die Hilfsorganisationen, zu den Flüchtlingen vorzudringen, die sich aus Aleppo, Hama und anderen umkämpften Gebieten in Sicherheit zu bringen suchten. Für die in Aleppo verbliebenen Zivilisten wird die Lage immer bedrohlicher. Es gibt keinen Strom und auch kein Wasser mehr, die Lebensmittel werden knapp. Familien rannten am Samstag während des Bombardements mit ihren Kleinkindern und Wasserflaschen im Arm durch die Straßen auf der Suche nach einem sicheren Unterschlupf. Die meisten Zivilisten suchten Schutz in Kellern, Schulen oder öffentlichen Parks außerhalb der Kampfzone.

Die Armee hatte Aleppo am Sonntag den zweiten Tag in Folge mit Panzern, Artillerie und Helikoptern angegriffen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als ein Feuersturm über der 2,5 Millionen Einwohner zählenden Stadt hereinbrach. Mit Hubschraubern und Panzern feuerte die syrische Regierungsarmee von 04.00 Uhr morgens an stundenlang Raketen und Granaten auf Salaheddin und andere Viertel, in denen sich die Aufständischen verschanzt haben.

Am Sonntagmorgen begannen die Gefechte von Neuem und näherten sich auch dem historischen Stadtzentrum. In der berühmten Weltkulturerbe-Stadt im Nordwesten Syriens beginnt allmählich ein zerstörerischer Häuserkampf.

Vor allem um das Viertel Salaheddin tobten schwere Gefechte. Mit rund hundert Panzern umstellte die Regierungsarmee die Hochburg der Aufständischen. Flankiert von der schweren Artillerie versuchten die Regierungssoldaten in Salaheddin vorzudringen. Doch die Rebellen konnten die Angriffe dort nach eigenen Angaben zunächst abwehren.

Viele Tote bei Luftangriffen

„Wir haben acht Panzer und einige gepanzerte Fahrzeuge zerstört und mehr als hundert Soldaten getötet“, sagte Abdel Dschabbar al-Okaidi, ein Oberst der aufständischen Freien Syrischen Armee (FSA). Die Viertel von Aleppo würden zum „Grab für die Panzer des Regimes“. Durch die Luftangriffe der Regierungsarmee seien viele Zivilisten getötet worden.

Ein etwa 60-jähriger Mann, der gerade noch rechtzeitig aus Aleppo fliehen konnte, sagte, die Stadt werde „blind bombardiert“. Kampfflugzeuge hätten unter anderem das Viertel Firdaus bombardiert. „Gebäude sind eingestürzt. Tote und Verletzte liegen unter den Trümmern“, sagte der Mann

Die Aufständischen versuchten, eine strategisch wichtige Polizeiwache in der Innenstadt von Aleppo zu erobern, um die von ihnen kontrollierten Viertel Salaheddin und Sachur miteinander zu verbinden. Ein Kämpfer sagte, „einige Regierungssoldaten geben sich als Rebellen aus, indem sie Straßensperren mit den Farben des Aufstandes errichten“. Es handele sich um Fallen für die Helfer der Rebellen, die Versorgungsgüter aus ruhigeren Vierteln in die Kampfgebiete bringen.

Einen Angriff auf das Viertel Hamdanijeh konnten die Aufständischen am Samstag abwehren. Auf der Straße waren drei zerstörte Panzer und zwei gepanzerte Fahrzeuge sowie die Leichen von fünf bis sechs Soldaten und vier Rebellen zu sehen. Unter den Rebellen sind auch ausländische Kämpfer, die sich als Brigade der vereinigten Mudschahedin ausgeben. Sie berichten, sie kämen aus Algerien, Frankreich, Schweden und Tschetschenien.

Die syrische Führung um Präsident Baschar al-Assad hatte am Samstag ihre Drohung wahr gemacht und ihre Offensive gegen die Rebellen in der strategisch wichtigen Stadt gestartet. Zwei Tage lang hatte die syrische Armee Soldaten, Panzer und schwere Waffen rund um die zweitgrößte Stadt des Landes zusammengezogen, während die Aufständischen versuchten, sich mit leichten Waffen und einigen Panzerabwehrraketen zu wappnen. Die Gefechte um Aleppo werden von Assad als womöglich entscheidend betrachtet.

Syrischer Nationalrat fordert Unterstützung aus dem Ausland

Der Chef des oppositionellen Syrischen Nationalrats (SNC), Abdel Basset Sajda, forderte befreundete und „Bruderstaaten“ auf, die Freie Syrische Armee mit Waffen zu versorgen. „Wir wollen Waffen, die die Panzer und Kampfflugzeuge stoppen würden“, sagte der im Exil lebende SNC-Chef in Abu Dhabi. Sajda forderte ferner, Assad müsse wegen der „Massaker“ an Syrern vor Gericht vor Verantwortung gezogen werden.

Weltweit forderten Politiker ein sofortiges Ende der Offensive, weil sie viele Opfer unter Zivilisten befürchten. „Ich bin tief besorgt über die eskalierende Gewalt in Aleppo“, erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) warf Damaskus „verbrecherische Akte“ vor. In der „Bild am Sonntag“ äußerte er sich zudem besorgt über die Lage der Christen. (afp)

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