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25. September 2012

Syrien Bürgerkrieg: Die schrecklichen Erlebnisse der Kinder

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Der Bürgerkrieg in Syrien hat schon über 20.000 Menschen das Leben gekostet. Die Überlebenden haben Schreckliches erlebt, vor allem auch die Kinder. Die britische Organisation Save the Children hat Augenzeugenberichte dieser Kinder gesammelt.

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Die Kinder erzählen ihre Leidensgeschichten selbst. Zum Beispiel Moussa, ein 15-jähriger Junge aus Syrien, der von der Polizei aufgegriffen wurde und 22 Tage im Gefängnis verbrachte: "Ich wurde gefoltert und habe Kinder sterben sehen", sagte er der angesehenen britischen Organisation "Save the Childen". "Ich habe Narben auf meinen Füßen, meiner Brust und meinem Rücken. Wir waren Hunderte in dem Gefängnis, ich war in einer großen Zelle mit den anderen Kindern. Die Jüngsten waren neun oder zehn."

"Wenn jemand starb, prügelten sie weiter auf die Leiche ein. In meiner Zelle lagen Leichen - sie waren schon lange da gewesen, und sie stanken", berichtet Moussa weiter. "Schließlich wurde ich rausgeworfen. Sie haben mich auf einer Decke rausgetragen. Ich konnte mich nicht bewegen. Ein Passant hielt an und schaute meinen Ausweis an. Er brachte mich in das Dorf, wo meine Familie mich fand und ins Krankenhaus brachte."

Moussa lebt inzwischen in einem Flüchtlingslager in Jordanien; er ist eines von Dutzenden syrischen Kindern, die die Organisation "Save the Children" in ihrem jüngsten Bericht zu Wort kommen lässt. Ob ihre Geschichten stimmen, lässt sich kaum nachprüfen. Auch wer die Täter waren, wird nicht näher beschrieben.

"...als wäre er ein Hund"

Save the Children selbst schreibt, Tausende von Kindern seien im syrischen Bürgerkrieg getötet worden. Noch viele mehr seien verletzt, traumatisiert oder zur Flucht gezwungen worden. "Diese abstoßenden Verbrechen gegen Kinder müssen aufhören, und die, die sie verüben, müssen zur Verantwortung gezogen worden", heißt es in dem Vorwort zu dem Bericht.

"Anfangs konnten wir gerade noch so überleben", erinnert sich der 16jährige Wael, auch er inzwischen ein Bewohner des Flüchtlingslagers Saatari in Jordanien. "Wir gingen zu den Schutzräumen, wir versteckten uns, wir lebten. Aber jetzt benutzen sie andere Waffen... Einmal wurde ich verhaftet, zusammen mit Hunderten von anderen Menschen. Sie trennten die Kinder von den anderen, und mit 16 war ich der Älteste."

"Bei uns war eine Gruppe kleiner Kinder, deren Eltern gesucht wurden", berichtet Wael weiter. "Es waren vielleicht 13. Sie bekamen weder Essen noch Wasser. Wenn es für uns Zeit zum Essen war, wurde ihre Gruppe von Bewaffneten umringt, die alle davon abhielten, ihnen Essen abzugeben. Diese Kinder waren zu schwach um auch nur zu weinen. Sie lagen einfach auf dem Boden."

"Ich kannte einen Jungen namens Ala'a. Er war in dieser Gruppe. Er war erst sechs Jahre alt. Er verstand nicht, was geschah. Seinem Vater sagte man, dass sein Kind sterben würde, wenn er sich nicht stellen würde. Ich würde sagen, dass diese sechsjährige Junge mehr gefoltert wurde als jeder andere in dem Raum (...). Er wurde regelmäßig geschlagen. Ich habe zugesehen, wie er starb. Er hat nur drei Tage überlebt, und dann starb er einfach. Er hatte die ganze Zeit furchtbare Angst. Sie haben seine Leiche behandelt als wäre er ein Hund."

Schutzschilder für Panzer

Andere Kinder berichten von den ständigen Bombardierungen und Massakern in den Dörfern. Save the Children befragte in dem Lagern auch Eltern wie Nabil, der schildert, wie er selbst zwei Kinder begrub, die aus Rache an den Eltern erstochen wurden, einen Elfjährigen und einen Dreijährigen.

"Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Kinder als menschliche Schutzschilde gebraucht wurden", sagt Nabil auch "Als zwei Panzer in unser Dorf kamen, sah ich, dass Kinder mit Händen, Füßen und Körper daran festgebunden waren. Die Panzer fuhren durch unser Dorf und niemand stellte sich in ihren Weg oder kämpfte., weil wir wussten, dass wir damit die Kinder töten würden (...) Der Name des Dorfes war Saideh. Lasst alle wissen, was da für eine schreckliche Sache passiert ist."

Die britische Organisation veröffentlichte ihren Bericht zum Beginn der UN-Generalversammlung in New York. Der Bürgerkrieg in Syrien dürfte bei den Gesprächen der Regierungschefs, Minister und Diplomaten eine Hauptrolle spielen. Der Syrien-Sondergesandte der Vereinten Nationen, Lakhdar Brahimi, stattete am Montag dem Sicherheitsrat Bericht über seine Bemühungen ab.

Der 78-Jährige zeigte sich sehr pessimistisch. "Es gibt keinen Dissens darüber, dass die Situation in Syrien sehr schlecht ist und noch schlechter wird", sagte Brahimi. Seit dem Ausbruch der Kämpfe im März 2011 sind nach UN-Schätzungen über 20.000 Syrer ums Leben gekommen.

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