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02. Juli 2012

Syrien-Konflikt: Assad bedauert Flugzeugabschuss

 Von Frank Nordhausen
Bashar al-Assad will Spannungen mit der Türkei vermeiden.Foto: dpa

Der syrische Präsident bedauert in einem Interview den Abschuss eines türkischen Aufklärungsflugzeugs und sagt, er wolle weitere Spannungen verhindern. Unterdessen erhebt Human Rights Watch schwere Folter-Vorwürfe gegen Assads Regime.

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Istanbul –  

Zwei Wochen nach dem Abschuss eines türkischen Militärjets vor der syrischen Küste hat der syrische Präsident Baschar al-Assad versucht, die wachsenden Spannungen zwischen den Nachbarländern zu dämpfen. In einem zweieinhalbstündigen Interview mit der türkischen Zeitung Cumhuriyet sagte er: „Ich bedauere den Zwischenfall zu hundert Prozent.“ Syrien hätte die Maschine nie abgeschossen, wenn klar gewesen wäre, dass sie aus der Türkei kam. Den Familien der beiden Piloten sprach Assad sein Mitgefühl aus. Allerdings blieb er bei der Darstellung, das Flugzeug vom Typ F-4 Phantom sei über syrischem Luftraum abgeschossen worden.

Dagegen erklärt die Türkei weiterhin, der Abschuss sei über internationalen Gewässern und ohne Vorwarnung geschehen; das Flugzeug habe Testflüge für türkische Radarsysteme absolviert.

Geheimdienstzentrale in Damaskus: Die Karte von Human Rights Watch nennt Standorte und Verantwortliche.
Geheimdienstzentrale in Damaskus: Die Karte von Human Rights Watch nennt Standorte und Verantwortliche.

Assad sagte in dem Interview, die syrische Flugabwehr habe die Maschine irrtümlich für einen israelischen Angreifer gehalten. Das Flugzeug sei in geringer Höhe geflogen „in einem Luftkorridor, den die israelische Luftwaffe in der Vergangenheit bereits dreimal benutzt hat“. Damit bezog er sich auf den israelischen Luftangriff 2007 auf eine angebliche Atomanlage Syriens. Außerdem habe sich der Jet nicht identifiziert, und der Soldat, der ihn abschoss, über kein Radar verfügt. Auf die Frage, warum keine Warnung erfolgt sei, sagte Assad, nach dem Wechsel des türkischen Generalstabschefs im vergangenen Jahr habe die Türkei alle Verbindungen zu Syrien abgebrochen. „Jetzt haben wir nicht einmal mehr die Telefonnummer eines einzigen Kommandanten der türkischen Armee, den wir in einer Notlage anrufen können.

Wären die Beziehungen nicht gekappt worden, hätten wir das Problem lösen können.“ Syrien werde seine militärische Präsenz trotz aller Drohgebärden der türkischen Regierung an der Grenze nicht erhöhen. Im zweiten Teil des Interviews, das am Mittwoch publiziert werden soll, spricht Assad laut Cumhuriyet über seine Beziehung zum türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan, die Gewalt in Syrien und den Arabischen Frühling.

Erdogan hatte die Aktion vom 22. Juni als „bewussten und feindseligen Akt“ und Syrien als „klare Bedrohung der Türkei“ bezeichnet. Am Wochenende hatte die Türkei ihre Grenztruppen mit schwerer Artillerie und Panzern verstärkt. Dreimal stiegen F-16-Kampfjets auf, um syrische Helikopter abzufangen, die sich dem türkischen Luftraum näherten.

Die türkische Regierung hatte nach einem Bericht der liberalen Istanbuler Zeitung Taraf versucht, das ursprünglich von vier renommierten Printjournalisten geplante Interview mit Assad zu verhindern, indem sie Druck auf die Herausgeber der Zeitungen Hürriyet, Posta, Habertürk und Cumhuriyet ausübte. Man dürfe Assad keinen Raum für Propaganda bieten, habe es geheißen. Nur der Ankara-Korrespondent der oppositionellen Cumhuriyet ließ sich davon nicht einschüchtern.

Befragung von Flüchtlingen

Unterdessen berichteten türkische Medien von angeblichen weiteren Auflösungserscheinungen in der syrischen Armee. Am Montag seien 85 syrische Soldaten, unter ihnen 14 hochrangige Offiziere, in die Türkei geflüchtet. Insgesamt leben derzeit rund 35 000 Flüchtlinge aus Syrien in den Auffanglagern an der Grenze. In diesen Lagern hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch seit April 2011 mehr als 200 ehemalige Gefangene interviewt und am Dienstag auf der Grundlage von deren Aussagen einen ausführlichen Bericht über die Folterzentren des Assad-Regimes veröffentlicht. Darin werden die GPS-Daten von 27 Geheimdienstzentralen und zahlreiche Namen von Folterern genannt.

Die Misshandelten seien vor allem junge Männer, aber auch Frauen, Kinder und Greise gewesen. Sie berichten von Folterpraktiken wie dem Ausreißen der Fingernägel, Elektroschocks und Vergewaltigungen. Vermutlich seien bereits zehntausende oppositionelle Syrer in den Folterkellern gequält, viele „verschwunden“ oder getötet worden, schreibt Human Rights Watch.

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