Nach einigen Wochen der Ruhe haben die Kämpfe in Syrien wieder die Hauptstadt erreicht. Mehrere heftige Explosionen wurden aus dem Vorort Al Qaboun gemeldet. Aktivisten berichteten dem Nachrichtensender Al Dschasira, dass Oppositionskämpfer, die erst kürzlich von Regierungstruppen vertrieben worden waren, nach und nach wieder zurückgekehrt seien. Der Beschuss durch die Regierungsarmee sei eine Reaktion darauf.
Auch aus Aleppo wurden gestern wieder heftige Kämpfe gemeldet. Dort nahm die Artillerie der Regierungsarmee Stadtteile unter Beschuss, in denen die Oppositionskämpfer Stellung bezogen haben. Vor allem in ärmeren Viertel wie Zuqqeri und Suleimanieh bieten die Bewohner den Kämpfern Unterschlupf. Es beteiligen sich auch zunehmend Jugendliche aus anderen Vierteln an den Kämpfen, doch die Kern-Truppe besteht nach wie vor aus Deserteuren der Armee, verstärkt durch Freiwillige aus anderen Ländern der Region. So meldete die Webseite des tschetschenischen KaukazCenter gestern den Tod von Rustam Gelajev, dem Sohn eines Mudschaheddin-Kommandeurs, der sowohl in Afghanistan als auch in Tschetschenien gegen die Rote Armee gekämpft hatte.
Flucht in die Sicherheit: Verletzte Kinder aus der umkämpften Ortschaft Al-Harak in der syrischen Provinz Daraa. Foto: Ugarit News
...demonstrieren Tausende von Syrern in der Hauptstadt Damaskus friedlich gegen die Regierung. Das Assad-Regime ...
Foto: dapdZunehmend wird auch der Libanon in den syrischen Konflikt hineingezogen. Seit Montagnacht wird in Tripolis, der zweitgrößten Stadt des Nachbarlandes, wieder gekämpft. In der überwiegend sunnitischen Stadt haben viele Flüchtlinge aus Syrien Unterschlupf gefunden. Hier sammeln sich auch ausländische Freiwillige, die den Kampf gegen Assad unterstützen wollen; viele von ihnen sind radikale Sunniten. In Tripolis ist jedoch auch eine große alawitische Minderheit zu Hause, die Assad unterstützt. Es ist dort bereits zu Schießereien gekommen, die allerdings nicht so andauernd und blutig wie in den vergangenen Tagen waren. Acht Menschen starben bisher, 75 wurden verletzt.
Ein möglicher Einsatz der syrischen Chemiewaffen sorgt bereits seit Wochen im Ausland für Besorgnis. Allerdings ist nur wenig über die Art, den Umfang und die Lagerung des Arsenals bekannt. Ein Überblick.
An diesem Beispiel wird deutlich, wie abhängig der Libanon von Syrien ist: Die Regierung in Beirut wird dominiert von der islamischen Hisbollah und Verbündeten der Regierung in Damaskus. Wenn Assad stürzt – wovon im Libanon viele ausgehen – wird die Regierung in Beirut kippen, die Hisbollah damit ihre Machtstellung verlieren. Das begrüßen viele Libanesen, die seit Jahren die Entwaffnung der schiitischen Miliz fordern. Sie kritisieren, dass die Partei an ihrer Doppelrolle festhält: sie ist Regierungspartei und auch Kampfverband.
Allerdings wächst auch die Angst vor der Zeit nach einem Sturz oder Abgang Assads. Der Konflikt in Syrien hat im Libanon schon jetzt alte Feindschaften aufbrechen lassen. Die Front verläuft mitten durch die Gesellschaft. Auf der einen Seite steht die Hisbollah, die die Regierung und die Armee kontrolliert. Sie soll angeblich auf syrische Oppositionelle im Libanon Jagd machen. Hisbollah-Verbände sollen an den Kämpfen in Syrien beteiligt sein. Schiitische Zeitungen veröffentlichen immer häufiger „Märtyrer-Meldungen“ von im Kampf gefallenen Milizionären.
Zu den Unterstützern Assads im Libanon zählen auch viele Christen. Ihnen graut vor den radikalen Sunniten aus aller Welt, die zur Unterstützung der syrischen Revolution anrücken und sich unter anderem in Tripolis versammeln. Furcht verbreitet auch eine Entführungswelle. Mitglieder eines schiitischen Clans haben mehr als 20 Sunniten und einen türkischen Geschäftsmann entführt. Sie wollen die Freilassung eines Familienmit-glieds erzwingen, das in Damaskus von der oppositionellen Freien Syrischen Armee gefangen gehalten wird.
Flucht in die Sicherheit: Verletzte Kinder aus der umkämpften Ortschaft Al-Harak in der syrischen Provinz Daraa. Foto: Ugarit News
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Foto: dapdDie Menschen in Syrien, Ägypten und im Nahen Osten gehen auf die Straße. Ihr Protest zielt auf politische Veränderungen und gegen autoritäre Regime. Das Spezial.