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Ägypten - vergebene Chancen
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22. August 2012

Syrien: Konflikt greift auf den Libanon über

 Von Julia Gerlach
Armeefahrzeuge patrouillieren in der Hafenstadt Tripoli im Libanon. Foto: dpa

Mehrere heftige Explosionen haben den Konflikt in Syrien wieder in die Hauptstadt Damaskus entflammt. Auch aus anderen Teilen des Landes werden Kämpfe gemeldet. Zunehmend werden auch die Nachbarstaaten in den Konflikt hineingezogen.

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Mehrere heftige Explosionen haben den Konflikt in Syrien wieder in die Hauptstadt Damaskus entflammt. Auch aus anderen Teilen des Landes werden Kämpfe gemeldet. Zunehmend werden auch die Nachbarstaaten in den Konflikt hineingezogen.

Nach einigen Wochen der Ruhe haben die Kämpfe in Syrien wieder die Hauptstadt erreicht. Mehrere heftige Explosionen wurden aus dem Vorort Al Qaboun gemeldet. Aktivisten berichteten dem Nachrichtensender Al Dschasira, dass Oppositionskämpfer, die erst kürzlich von Regierungstruppen vertrieben worden waren, nach und nach wieder zurückgekehrt seien. Der Beschuss durch die Regierungsarmee sei eine Reaktion darauf.

Auch aus Aleppo wurden gestern wieder heftige Kämpfe gemeldet. Dort nahm die Artillerie der Regierungsarmee Stadtteile unter Beschuss, in denen die Oppositionskämpfer Stellung bezogen haben. Vor allem in ärmeren Viertel wie Zuqqeri und Suleimanieh bieten die Bewohner den Kämpfern Unterschlupf. Es beteiligen sich auch zunehmend Jugendliche aus anderen Vierteln an den Kämpfen, doch die Kern-Truppe besteht nach wie vor aus Deserteuren der Armee, verstärkt durch Freiwillige aus anderen Ländern der Region. So meldete die Webseite des tschetschenischen KaukazCenter gestern den Tod von Rustam Gelajev, dem Sohn eines Mudschaheddin-Kommandeurs, der sowohl in Afghanistan als auch in Tschetschenien gegen die Rote Armee gekämpft hatte.

Abhängigkeit von Damaskus

Zunehmend wird auch der Libanon in den syrischen Konflikt hineingezogen. Seit Montagnacht wird in Tripolis, der zweitgrößten Stadt des Nachbarlandes, wieder gekämpft. In der überwiegend sunnitischen Stadt haben viele Flüchtlinge aus Syrien Unterschlupf gefunden. Hier sammeln sich auch ausländische Freiwillige, die den Kampf gegen Assad unterstützen wollen; viele von ihnen sind radikale Sunniten. In Tripolis ist jedoch auch eine große alawitische Minderheit zu Hause, die Assad unterstützt. Es ist dort bereits zu Schießereien gekommen, die allerdings nicht so andauernd und blutig wie in den vergangenen Tagen waren. Acht Menschen starben bisher, 75 wurden verletzt.

An diesem Beispiel wird deutlich, wie abhängig der Libanon von Syrien ist: Die Regierung in Beirut wird dominiert von der islamischen Hisbollah und Verbündeten der Regierung in Damaskus. Wenn Assad stürzt – wovon im Libanon viele ausgehen – wird die Regierung in Beirut kippen, die Hisbollah damit ihre Machtstellung verlieren. Das begrüßen viele Libanesen, die seit Jahren die Entwaffnung der schiitischen Miliz fordern. Sie kritisieren, dass die Partei an ihrer Doppelrolle festhält: sie ist Regierungspartei und auch Kampfverband.

Alte Feindschaften im Libanon

Allerdings wächst auch die Angst vor der Zeit nach einem Sturz oder Abgang Assads. Der Konflikt in Syrien hat im Libanon schon jetzt alte Feindschaften aufbrechen lassen. Die Front verläuft mitten durch die Gesellschaft. Auf der einen Seite steht die Hisbollah, die die Regierung und die Armee kontrolliert. Sie soll angeblich auf syrische Oppositionelle im Libanon Jagd machen. Hisbollah-Verbände sollen an den Kämpfen in Syrien beteiligt sein. Schiitische Zeitungen veröffentlichen immer häufiger „Märtyrer-Meldungen“ von im Kampf gefallenen Milizionären.
Zu den Unterstützern Assads im Libanon zählen auch viele Christen. Ihnen graut vor den radikalen Sunniten aus aller Welt, die zur Unterstützung der syrischen Revolution anrücken und sich unter anderem in Tripolis versammeln. Furcht verbreitet auch eine Entführungswelle. Mitglieder eines schiitischen Clans haben mehr als 20 Sunniten und einen türkischen Geschäftsmann entführt. Sie wollen die Freilassung eines Familienmit-glieds erzwingen, das in Damaskus von der oppositionellen Freien Syrischen Armee gefangen gehalten wird.

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