Ägypten - vergebene Chancen
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03. September 2012

UN-Sondergesandter für Syrien: Brahimis fast unmögliche Aufgabe

 Von Bettina Vestring
Vor schwierigen Verhandlungen: Der neue UN-Sondergesandte Lakhdar Brahimi, hier mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. Foto: Reuters

Die Vereinten Nationen schicken einen ihrer besten Männer nach Syrien: Lakhdar Brahimi, der einstige algerische Außenminister, soll im Auftrag von UN und Arabischer Liga in Syrien Frieden stiften. Doch der Gesandte hat kaum Hoffnung.

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Lakhdar Brahimi gehört zu den erfahrensten Diplomaten der Welt. Er kennt den Nahen Osten sehr genau, hat viele persönliche Kontakte und genießt hohes Ansehen. Arabisch ist seine Muttersprache. Wenn es überhaupt jemanden gibt, der in Syrien Frieden stiften kann, dann ist es vermutlich Brahimi. Und doch ist der neue Syrien-Sondergesandte der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga zutiefst pessimistisch.

"Ich beginne diese Aufgabe mit offenen Augen und ohne Illusionen", sagte Brahimi in einem Interview mit der BBC. "Ich weiß, wie schwierig es ist - beinahe unmöglich."

Brahimi trat zum 1. September die Nachfolge des bisherigen Uno-Sondergesandten Kofi Annan an, der nach dem Scheitern seines Friedensplanes für Syrien sein Amt aufgegeben hatte. Brahimi hat im UN-Hauptquartier in New York einen herausragenden Ruf. Der einstige algerische Außenminister vermittelte erfolgreich im libanesischen Bürgerkrieg. Auch als Sondergesandter für Afghanistan diente er den Vereinten Nationen.

Doch dieses Mal zeigt Brahimi auch öffentlich wenig Hoffnung - und das, obwohl sich Diplomaten doch üblicherweise optimistisch geben. "Ich fürchte mich vor dem Gewicht der Verantwortung", sagte der 78-Jährige der BBC. "Schon jetzt sagen die Leute: Dort sterben Menschen, und was tut Ihr? Und wir tun nicht viel. Allein das ist ein schreckliches Gewicht."

Ideen, aber noch kein Plan

Seit Ausbruch der Kämpfe im März sind schätzungsweise 20.000 Menschen getötet worden, über eine Million Syrer befinden sich auf der Flucht. Weil das Land immer tiefer im Bürgerkrieg versinkt, haben die Vereinten Nationen im August ihre Beobachter aus Syrien abgezogen.

Brahimi sagte, bislang sehe er noch "keine Risse in der Ziegelsteinmauer", wegen derer Annan aufgab: Der Unnachgiebigkeit des syrischen Machthaber Baschar al-Assad, der wachsenden Gewaltbereitschaft der Rebellen und der Handlungsunfähigkeit des UN-Sicherheitsrats, wo China und Russland schärfere Sanktionen gegen Syrien blockieren. Er habe Ideen, aber noch keinen Plan, sagte der Sondergesandte jetzt. Sein Hauptquartier will er, wenn irgend möglich, in Damaskus aufschlagen.

Brahimi wollte sich auch nicht festlegen, ob Assad zurücktreten müsse, wie es die syrische Opposition und die westlichen Staaten fordern. "Es muss einen wirklichen Wandel geben", sagte er. "Es wird eine neue Ordnung geben, aber ich weiß nicht, welche Leute daran beteiligt sein werden. Das müssen die Syrer entscheiden." Kritik der Rebellen an seiner vorsichtigen Haltung wies Brahimi zurück: "Bitte erinnert Euch, dass ich nicht Eurer Bewegung beitrete", sagte er. "Ich arbeite für zwei internationale Organisationen, die Vereinten Nationen und die Arabische Liga."

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