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02. Januar 2016

Hinrichtungen in Saudi-Arabien: Die Mutter aller Konflikte

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Nach insgesamt 47 Exekutionen kam es an verschiedenen Orten -wie hier an der saudi-arabischen Botschaft in London- zu Protesten.  Foto: rtr

Der alte Streit zwischen Saudi-Arabien und Iran droht wieder zu eskalieren. Der Westen muss das verhindern, und zwar mit allen Mitteln. Sonst wird er die Folgen auch selbst empfindlich spüren. Ein Kommentar.

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Kaum hat das Jahr begonnen, ist der neueste Konflikt schon da. Dabei ist der Konflikt keineswegs neu. Er hat nur eine gesteigerte Sprengkraft. Ja, es handelt sich um die Mutter aller Konflikte des Mittleren Ostens. Sollte die Auseinandersetzung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran weiter eskalieren, sollte es gar zum offenen Krieg kommen – dann steht die Region endgültig in Flammen.

Es ist letztlich egal, wer den jüngsten Streit ausgelöst hat. Und natürlich ist es Saudi-Arabien mit seinen menschenverachtenden Hinrichtungen von 47 so genannten schiitischen „Terroristen“, auf die nicht allein der Iran mit Protesten reagiert. Denn in Wahrheit handelt es sich nur um den vorläufigen Schlusspunkt einer längeren Entwicklung. Die beiden Regionalmächte sind in praktisch alle Konflikte der Gegend verwickelt: im Irak, in Syrien, im Libanon und im Jemen. Es handelt sich in Teilen um Stellvertreter-Kriege. Dabei sind sich Saudi-Arabien und der Iran ähnlicher, als beiden lieb ist. Beide streben nach Vorherrschaft gegen den anderen. Und beide haben Angst vor dem anderen. Das ergibt hier wie dort eine hübsche Paranoia.

Freilich sind die Saudis aktuell in einer schlechteren Position. Sie fürchten iranischen Einfluss beim südlichen Nachbarn Jemen – und im eigenen Land. Jeweils mit recht. Sie leiden stärker unter den anhaltend niedrigen Ölpreisen. Und sie sehen mit einigem Schrecken, dass sowohl die USA als auch die Europäer seit geraumer Zeit auf Distanz zu ihnen gehen. Zugleich knüpft der Westen die Bande mit dem Iran wieder enger.

Kein Zweifel: Das saudische Königshaus hat Angst, dass es ihm so ergehen könnte, wie es Hosni Mubarak in Ägypten erging oder Baschar al-Assad in Syrien. Es hat Angst vor einem Machtverlust, der vor zehn Jahren noch unvorstellbar schien. Die Folge: Das Königshaus schlägt um sich.

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Für den Westen ist das heikel, um das Mindeste zu sagen. Einerseits ist es richtig, den Saudis deutlich die Meinung zu sagen – in Sachen Menschenrechtsverletzungen und Islamismus-Export. Mit den Waffenlieferungen nach Riad muss Schluss sein. Andererseits ist die Alternative zum schlingernden Königshaus keineswegs die Demokratie, sondern mutmaßlich das Chaos. Auch in Saudi-Arabien gibt es schließlich keine demokratischen Traditionen, an die sich anknüpfen ließe. Der Iran jedenfalls will keine Demokratie beim Konkurrenten. Es will ihn schwächen und sich selbst stärken. Sonst nichts.

Jetzt ist guter Rat teuer. Lediglich eines ist klar: Der Streit muss entschärft werden, mit allen Mitteln. Sonst wird die übrige Welt die Folgen noch empfindlich spüren.

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