Aktuell: Terror | US-Wahl | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Aktuelle Kommentare

20. Januar 2016

IS-Terror: Das Ende eines Mythos

 Von 
Christliche Kämpfer aus den Philippinen verbrennen eine Fahne der Terrormiliz "IS".  Foto: dpa

Erfolge im Kampf gegen den Terror sind eine der Voraussetzungen für den Rückgang der Flüchtlingszahlen. Jetzt scheint es erstmals zu gelingen, den IS wirtschaftlich zu schwächen. Ein Kommentar.

Drucken per Mail

Donald Trump werde den IS „in den Hintern treten“, hat Sarah Palin versprochen. Die war mal, was der Milliardär heute ist: Die schrille Hoffnung der amerikanischen Rechten. Wenn es mal so einfach wäre! Aber auf Erfolge im Kampf gegen die gefährliche Terrororganisation bis zur US-Präsidentschaftswahl im November warten, müssen wir auch nicht. Es tut sich etwas - nicht nur auf militärischem Gebiet.

Der IS ist offenbar ökonomisch angeschlagen: Er muss den Sold für seine Kämpfer auf rund 200 Dollar für die Einheimischen und 400 Dollar die ausländischen Söldner kürzen. Das berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Zur Begründung berufe sich die IS-Führung auf "außergewöhnliche Umstände".

Die Organisation hat in Teilen Syriens und des Irak ein „Kalifat“ errichtet, wo sie Steuern erhebt, aber auch Gewinne aus dem Verkauf des dort geförderten Erdöls erzielt. In jüngster Zeit hat die von den USA geführte Koalition diese Ölfelder gezielt angegriffen. Diese Strategie scheint nun erste Erfolge zu zeitigen. Auch wurden die Bewegungsmöglichkeiten und die Zugriffe auf Konten von IS-Unterstützern eingeschränkt.

Mehr als nur Nadelstiche gegen den "IS"

Das ist noch nicht der eine große "Tritt in den Hintern" - ebenso wenig wie die Tötung des berüchtigten Terroristen "Jihaddi John", der auf einigen Videos von Hinrichtungen als Henker zu sehen ist, durch eine amerikanische Drohne. Aber handelt sich um mehr als nur Nadelstiche. Auch die von Deutschland unterstützten kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Irak machen den IS erheblich zu schaffen. Wenn es nun gelingt, unter UN-Vermittlung in Libyen ein halbwegs stabiles Regime zu errichten, dürfte das den Spielraum der Organisation weiter einschränken.

Wichtig ist unter dem Strich: Der Islamische Staat kann seine Erfolgsstory nicht ohne weiteres fortsetzen. Damit geht der furchterregende Mythos seiner angeblichen Unbesiegbarkeit zu Ende. Für eine Organisation, die so sehr nicht bloß auf Terror, sondern auch auf Propaganda baut, kein unwichtiger Schlag.

Diese guten Nachrichten könnten aber auch eine negative Kehrseite haben. Die jüngsten Anschläge in Paris und anderswo zeigen, dass der IS versucht, die Schwächung in seinen Stammlanden zu kompensieren, in dem er den Terror stärker nach Westeuropa trägt. Und mag er auch den irdischen Sold kürzen, die Belohnung, die er seinen getöteten Kämpfern im Jenseits verspricht, bleiben dieselben – solange seine verblendeten Aktivisten daran glauben.

 

[ Wie wollen wir wohnen? Die neue FR-Serie - jetzt digital oder gedruckt vier Wochen lang ab 19,50 Euro lesen. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Leitartikel, Analysen und Kolumnen unserer Autoren und Korrespondenten


Österreich

Ein Sieg des letzten Aufgebots

Von  |
Van der Bellen wurde nicht nur von Grünen gewählt, auch Konservative gingen für ihn an die Urne, um Hofer zu verhindern.

Die Wahl Alexander van der Bellens zum österreichischen Präsidenten hat das Land nicht grundlegend verändert. Der Kampf gegen die Ultrarechten fängt jetzt richtig an. Der Leitartikel. Mehr...

Politische Rechte

Abgrenzung statt Aufbruch

Von  |
Solidarität nur innerhalb des Volkskörpers: Die AfD ist eine rückwärtsgewandte Partei.

Die in Europa erstarkenden national-konservativen Kräfte sind auch ein Ausdruck alternder Gesellschaften. Die Bewegung eint ein pervertiertes Verständnis von Solidarität. Der Leitartikel.  Mehr...

Türkei

In den Fängen des Autokraten

Der von Erdogan gesteuerte Parlamentsbeschluss ist nicht der erste Willkürakt der vergangenen Monate.

Das türkische Parlament hat sich den Plänen von Präsident Erdogan mit Mehrheit gefügt. Und Europa? Raubt seinem Protest durch den schmutzigen Flüchtlingsdeal die Glaubwürdigkeit.  Mehr...

Griechenland

Was die AfD nicht versteht

Der nächste Protest vor dem Parlament: Griechenland kommt nicht zur Ruhe.

Die Griechenland-Kredite retteten nicht das Land. Sie stabilisierten die Euro-Zone, stützten die Banken und sorgten für einen Macht-Zuwachs für Deutschland. Der Leitartikel. Mehr...

Armenien

Die Lüge von der „Tragödie“

Demonstranten protestieren gegen die Türkei, die den Völkermord an den Armeniern leugnet.

Deutschland ist verpflichtet, den Völkermord an den Armeniern anzuerkennen – und damit die deutsche Beteiligung. Es war keine Tragödie, wie die Türkei behauptet. Der Leitartikel. Mehr...

Armut und Wohlstand

Horrorszenarien prägen die Debatte

Die Schere zwischen Arm und reich geht immer weiter auseinander. Trotzdem helfen Horrorszenarien nicht weiter.

Wer sich von verallgemeinernden Negativprognosen etwa bei der Altersarmut treiben lässt, befeuert diffuse Ängste. Damit treibt er unfreiwillig der AfD die Wähler zu. Der Leitartikel. Mehr...

Rechte Hetze

Angst als politisches Programm

Angst schüren in Dresden: Am vergangenen Montag forderten 2800 Menschen die "Festung Europa".

Wer glaubt, er habe die Wahl zwischen Sicherheit und Freiheit, der hat seine Situation nicht verstanden. Und er unterschätzt, wie sehr Angst mit Aggression zusammenhängt. Der Leitartikel. Mehr...

Österreich

Volk ohne Traum

Hat bereits aufgegeben: SPÖ-Kanzler Werner Faymann.

Der Überdruss der Österreicher gegen die alten Regierungsparteien hat viele Gesichter, reaktionäre und liberale. Aber Strategien haben auch die Gegner von ÖVP und SPÖ nicht. Der Leitartikel.  Mehr...

Baden-Württemberg

Kretschmanns Politik des Stillstands

Warum muss sich etwas ändern, wenn doch alles gut ist? Genau das ist die Botschaft, für die Winfried Kretschmann mit seiner sorgsam gepflegten, bräsigen Zufriedenheit steht.

In Baden-Württemberg hat das schwarz-grüne Bürgertum, das im Weiter so seine Zukunft sieht, jetzt die passende Regierung. Aber die Politik des Stillstands ist hochgefährlich und beschert der AfD weiteren Zulauf. Der Leitartikel. Mehr...

Union

Rechts ist noch Platz

Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU).

Die Unionsparteien könnten die AfD einfach ignorieren. Sie sollten aber stattdessen versuchen, die rechte Seite des politischen Raums mit Leben zu füllen – ohne üble Parolen zu imitieren. Der Leitartikel.  Mehr...

Anzeige