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06. Mai 2015

Kita-Streik: Ein Streik für uns alle

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Spielzeug in einer Kita in Düsseldorf. Bildung und Erziehung sind Grundbedürfnisse einer modernen Gesellschaft.  Foto: dpa

Erzieherinnen leiden unter der Legende von der armen öffentlichen Hand. Sie täten gut daran, zu streiken, bis der Staat sich von privatem Reichtum holt, was die Kommunen für die öffentliche Daseinsvorsorge brauchen. Ein Kommentar.

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Wer zynisch sein wollte, könnte sagen: Wenn eh keine Bahn fährt, die Mama oder Papa zur Arbeit bringt, dann brauchen sie auch keine Kita. Ein Ersatzschnuller für die Kleinen wird sich schon finden. Aber Zynismus ist fehl am Platz: Auch unter dem nächsten Streik, von Freitag an in vielen Kitas, werden wieder viele Bürgerinnen und Bürger leiden. Allerdings gilt wie bei der Bahn auch hier: Es hat seinen Grund, dass ausgerechnet in Dienstleistungsberufen die Arbeitskämpfe toben.

Eine Gemeinsamkeit haben der Lokführer und die Erzieherin: Sie dienen der Daseinsvorsorge in diesem Land. Bildung und Erziehung gehören ebenso wie Mobilität zu den häufig beschworenen Grundbedürfnissen einer modernen Gesellschaft. Und dass die finanziell ausgedrückte Wertschätzung derer, die diese Grundbedürfnisse befriedigen sollen, ihrer Bedeutung Hohn spricht, dürfte sich herumgesprochen haben. Auch deshalb sind Bahnfahrer und Eltern nicht so leicht in Wutausbrüche zu treiben, wie manche Arbeitgeber es gern hätten.

Ist der Streik der Erzieherinnen berechtigt?
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Einen Unterschied aber gibt es: Anders als die Bahn ist die Kleinkindbetreuung dem Privatisierungswahn der vergangenen Jahrzehnte entgangen. Dass Bildung und Erziehung nicht auf Profit getrimmt werden können, haben selbst die Privatisierer eingesehen. Das ist gut so, aber es hat eine Kehrseite: Was die Kitas kosten, das muss die öffentliche Hand sich auch „leisten“. Also werden die Erzieherinnen und Erzieher zum Opfer nicht des Profitstrebens, sondern der Legende von der armen öffentlichen Hand.

Sie würden diesem Land einen Dienst erweisen, streikten sie so lange, bis der Staat endlich lernt, sich vom privaten Reichtum das zu holen, was die Kommunen für die öffentliche Daseinsvorsorge brauchen. Erst dann hätten schöne Worte des SPD-Vorsitzenden über den Wert der Erziehungsarbeit ihren eigenen Wert.

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