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04. März 2016

WM 2006: In Katar verläuft sich die Spur

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Von links nach rechts: DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel, Vizepräsident Reinhard Rauball, Vizepräsident Rainer Koch und Freshfields-Anwalt Christian Duve.  Foto: rtr

Der DFB wollte mit dem Freshfields-Bericht zu den dubiosen Finanzströmen im Zuge des Sommermärchens 2006 die Flucht nach vorn antreten. Die vielen offenen Fragen hinterlassen jedoch einen unangenehmen Nachgeschmack. Ein Kommentar.

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Man kann dem Fußballgeschäft eine Menge vorwerfen. Aber ganz sicher nicht fehlende Dynamik. Binnen neun Tagen werden erstens die Sperren der beiden vormals mächtigsten Männer im Weltfußball, Sepp Blatter und Michel Platini, auf sechs Jahre festgelegt, zweitens in einer epochalen Kampfabstimmung ein neuer Fifa-Präsident gewählt, drittens mit der Einführung der Testphase zum Videobeweis eine Revolution angezettelt, viertens 27 Bundesligaspiele mit mehr als einer Million Zuschauern abgewickelt, fünftens die unbezwingbaren Bayern daheim von Mainz 05 besiegt, sechstens die Frankfurter Eintracht Richtung zweite Liga gekegelt und siebtens nicht weniger als eine nahezu komplette Häutung des Deutschen Fußball-Bundes inszeniert. Inklusive des Versprechens der neuen Mächtigen an die vielen kleinen Vereinsvertreter im Land: Wir Großen hier oben im Verband haben verstanden. Wir sind die neuen Guten, wir stehen für Offenheit, good Governance und ethisches Handeln.

Es sollte ein historischer Nachmittag werden am Freitag in einem Frankfurter Flughafenhotel, als die vom DFB vor viereinhalb Monaten beauftragte Anwaltskanzlei Freshfields vor einer Hundertschaft von Medienvertretern die Ergebnisse ihrer Sezierung dubioser Finanzströme im Zuge des Sommermärchens 2006 vortrug. Und es war ein historischer Ort. Genau im selben voluminösen Tagungsraum nämlich war Wolfgang Niersbach fast auf den Tag genau vor vier Jahren zum DFB-Präsidenten gewählt und entsprechend nach Art des Hauses umjubelt worden.

Niersbach steht seit dem 9. November nicht mehr an der Spitze des vormals verschwiegenen Monstrums Deutscher Fußball-Bund. Die Recherchen der Frankfurter Rechtsanwälte haben das ergeben, was die deutsche Öffentlichkeit längst durch die Medien wusste: Der Rücktritt war überfällig gewesen, und zwar nicht, weil Niersbach vor 14 Jahren die Überweisung eines 6,7-Millionen-Euro-Bestechungsgeldes mutmaßlich an den katarischen Fifa-Funktionär Mohamed bin Hammam vorangetrieben hatte, sondern weil er im Sommer 2015 diese unangenehme Angelegenheit am liebsten schamvoll unter den Schmiergeldteppich gekehrt hätte.

Im vergangenen Oktober wurde dank der Veröffentlichungen des „Spiegel“ der mediale Druck plötzlich so groß, dass Niersbachs ob des Ausmaßes der Angelegenheit furchtbar erschrockene Kollegen im DFB-Präsidium die Flucht nach vorne antraten und eine in dieser Form beispiellose, mehrere Millionen Euro teure Untersuchung im eigenen Haus zuließen. Das Ergebnis weicht laut DFB-Interpretation nicht wesentlich von dem ab, was Niersbach in seiner legendär missglückten Pressekonferenz im Oktober schon gesagt hatte: 6,7 Millionen Euro sind 2002 – also zwei Jahre nach der WM-Vergabe nach Deutschland – vielfach verschleiert in nach wie vor unbekannte Kanäle geleitet worden. Auf einem Konto in Katar verläuft sich vorerst die Spur.

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Gleichermaßen düster erscheint ein von Freshfields bestätigter Vorgang aus dem Juni 2000, der vier Tage vor der WM-Vergabe mit nur einer Stimme Vorsprung nach Deutschland stattfand. Bei einem vom damaligen deutschen Organisationskomitee-Chef Franz Beckenbauer unterzeichneten Vertrag im Gegenwert von rund zehn Millionen Mark an den schon damals als extrem korrumpierbar bekannten Jack Warner aus Trinidad und Tobago gebe es laut DFB-Interimspräsident Rainer Koch „keine Anhaltspunkte für Stimmenkauf“. Der Kontrakt, so Koch, sei lediglich paraphiert worden, „um Ruhe in die Gesamtabläufe zu bekommen“ und später nur in kleinen Teilen umgesetzt worden. Warner erhielt zumindest Firstclass-Flüge und Ticket-Rohlinge im Wert von 70 000 Euro.

Warum das keine Anhaltspunkte für Stimmenkauf im hochgradig korrumpierbaren System Fifa gewesen sein sollen, bleibt eine zentrale offene Frage mit einem unangenehmen Nachgeschmack. Eine Frage, die womöglich hätte beantwortet werden können, wäre ein ganzer Aktenordner mit der Aufschrift „WM 2006“ aus dem DFB-Archiv nicht für alle Zeiten unauffindbar.

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