Im Januar gab es deutlich weniger Arbeitslose als ein Jahr zuvor. Eine Gruppe hat von diesem positiven Trend allerdings nicht profitiert: ältere Menschen. Unter den 55- bis 64-Jährigen gibt es ohnehin sehr viele Jobsuchende – und im Jahresvergleich ist ihre Zahl sogar noch gestiegen.
So waren im Januar fast 600.000 ältere Menschen als arbeitslos registriert – 41.000 mehr als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote ist damit auf 9,7 Prozent gestiegen. Damit haben Ältere deutlich schlechtere Jobchancen als Jüngere: Bei den Menschen bis 24 Jahre beträgt die Rate zurzeit 6,5 Prozent.
Schaut man genauer hin, ist die Lage noch schwieriger. Denn ein Teil der älteren Jobsuchenden taucht seit einiger Zeit gar nicht mehr in der Statistik auf. Die Große Koalition hat Folgendes beschlossen: Arbeitslosengeld-II-Bezieher, die mindestens 58 Jahre als sind und denen seit mehr als einem Jahr kein Jobangebot gemacht wurde, gelten nicht mehr als arbeitslos. Genauso könnte man alle Blauäugigen aus der Statistik rausnehmen, schimpft Karl Brenke vom Forschungsinstitut DIW.
Mit diesem Trick wird nicht nur die Statistik geschönt, warnt Alexander Herzog-Stein, Arbeitsmarktexperte bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. „Dadurch werden falsche Anreize geschaffen.“ Den Arbeitsvermittlern in den Jobcentern werde signalisiert: Um diese Menschen müsst Ihr Euch nicht unbedingt kümmern, die verschwinden sowieso in einem Jahr aus der Statistik.
Arbeitslosenrate der Älteren deutlich höher
Wenn man Hartz-IV-Empfänger ohne Jobangebot berücksichtigt, ist die Arbeitslosenrate unter älteren Menschen deutlich höher als offiziell ausgewiesen: Sie beträgt dann derzeit 10,9 Prozent, bestätigt die Bundesagentur für Arbeit.
Und wie passt das mit Meldungen zusammen, nach denen immer mehr Ältere erwerbstätig sind? Es klingt paradox, aber beides stimmt: Immer mehr ältere Menschen haben einen sozialversicherungspflichtigen Job, gleichzeitig sind immer mehr Ältere arbeitslos. Was schrumpft, ist die Zahl der sogenannten Nichterwerbspersonen. Das sind insbesondere Frührentner, aber auch Hausfrauen. Denn Frauen verlassen sich seltener auf das Einkommen des Gatten und bemühen sich selber um einen Job. Und die Politik hat etliche Möglichkeiten abgeschafft, vorzeitig in Ruhestand zu gehen.
Dadurch steigt der Druck, erwerbstätig zu bleiben. Was fehlt, sind ausreichende Hilfen für ältere Menschen, bemängeln Forscher. Die aktive Arbeitsförderung klammere Personen ab 60 Jahren faktisch aus, heißt es in einem Bericht des Arbeitsmarktforschers Matthias Knuth von der Uni Duisburg-Essen. Die Arbeitsagenturen hätten sich noch nicht ausreichend auf die Ziele der Bundesregierung eingestellt, die ja an der Rente mit 67 festhält.
Die Leute müssten bei Jobsuche besser unterstützt werden, fordert Knuth. Vermittler sollten zum Beispiel auch mit Unternehmen reden, ob ein Arbeitsplatz anders zugeschnitten werden könne.
Wichtig sei auch eine bessere Gesundheitsförderung. Das Sonderprogramm „Perspektive 50 plus“ des Bundesarbeitsministerium zeige, dass solche Ansätze erfolgversprechend seien.
Auch Betriebe in der Pflicht
Auch die Betriebe müssten mehr tun, verlangt die IG Metall. Die Gewerkschaft habe untersuchen lassen, wie viele Betriebe Ältere weiterbilden oder Arbeitsplätze für sie umgestalten, berichtet der Sozialfachmann der IG Metall, Axel Gerntke. Das Ergebnis: Nur jeder fünfte Betrieb, der Menschen über 50 Jahre beschäftigt, engagiere sich in Sachen altersgerechtes Arbeiten.
Und wie hat sich der Arbeitsmarkt insgesamt entwickelt, wenn man auch die jüngeren Leute einbezieht? Relativ gut. Bundesweit gab es im Januar 270.000 registrierte Arbeitslose weniger als ein Jahr zuvor. Kurzfristig ist die Zahl der Jobsuchenden zwar gestiegen, doch das ist im Januar immer so. Saisonbereinigt meldet die Bundesagentur für Arbeit ein Minus von 13.000 Arbeitslosen im Vergleich zum Dezember.
Auch die Unterbeschäftigung hat sich im Jahresvergleich um neun Prozent auf 4,3 Millionen Personen verringert. Hier werden auch Menschen berücksichtigt, die zwar eine Tätigkeit suchen, aber offiziell nicht als arbeitslos gelten. Das sind zum Beispiel Leute in einer Weiterbildung und Ein-Euro-Jobber. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs ist binnen Jahresfrist um 550.000 gestiegen, der größere Teil davon waren Vollzeit-Stellen.
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