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Altenhilfe

10. Dezember 2010

Berta V.: Allein, aber nicht einsam

Die Rentnerin hat viele Krankheiten, aber aufgeben würde sie nie. Dafür ist ihr die Familie viel zu wichtig.

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„Mir geht’s gut.“ Berta V. sagt das ganz eindringlich und dennoch fällt es schwer, ihr zu glauben, wenn man ihre Geschichte hört. Berta V. hat Multiple Sklerose, Asthma, Bandscheibenprobleme, eine schwere Augenkrankheit und sie hat elf Operationen hinter sich gebracht.

Unzufrieden oder unglücklich ist die 76-Jährige gleichwohl aber überhaupt nicht – und wenn die Schmerzen zu schlimm werden, „nehm’ ich eben eine Tablette“, erzählt sie.

Ansonsten ist sie aber immer noch so rüstig, dass sie in ihrem Haus als Ersatzsheriff gilt. „Ich habe keine Angst“, sagt sie. Glaubt man ihr unbesehen. Sie hat auch schon mal den Nachbarn, die sie durch ihren Lärm störten, deren Grillspaß durch einen Eimer Wasser aus ihrem Fenster verdorben.

Nur das Fernsehen fällt Berta V. immer schwerer, ihre Augen sind ja auch schlechter geworden. Mit einem neuen, größeren Fernseher könnte sie alles besser erkennen. Vielleicht erfüllt sie sich den Wunsch vom Geld der FR-Altenhilfe.

Berta V. ist ein Preungesheimer Urgestein, dort ist sie aufgewachsen, dort kennt man sie. Sie wird auch täglich von ihrer Enkelin besucht. „Allein bin ich schon, aber einsam bin ich überhaupt nicht“, sagt die Rentnerin.

Verheiratet war sie zweimal, beide Male ging das schief. Ihr erster Mann schlug sie, der zweite betrog sie. Aber sie hatte ihren Sohn. Zu ihm hat die alte Dame ein sehr inniges Verhältnis hat. „Ich war eine richtige Glucke“, meint sie.

Als dann Enkelin Saskia auf die Welt kam, hatte sie wieder jemanden, den sie bemuttern konnte. Inzwischen hat sich das umgedreht: Die Enkelin bemuttert die Oma. Saskia hilft ihr jeden Tag beim Putzen und Einkaufen.

„Sie schimpft immer mit mir, wenn ich was alleine machen möchte, aber ich weiß auch das Jugendliche keine Lust haben, im Supermarkt zehnmal auf und ab zu laufen.“ Deshalb schnappt sich die alte Dame dann und wann ihren Gehwagen und geht alleine zum Discounter.

„Manchmal bin ich zwei Stunden für vier Sachen unterwegs, aber das liegt auch daran, dass ich immer jemanden treffe, mit dem ich tratschen kann.“ Im nächsten Jahr möchte Berta V. in eine kleinere Wohnung ziehen, in einer Anlage, in der nur ältere Menschen wohnen. Solange sie aber ihre Enkelin und ihren Sohn habe, wird es ihr auch weiterhin gutgehen. Glaubt man ihr auch aufs Wort. prcs

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