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Altenhilfe

16. Dezember 2010

Christa P. : Etwas selber machen, das ist wichtig

Die alte Dame ist durch mehrere Krankheiten stark eingeschränkt. Doch unterkriegen lässt sie sich nicht. Die Rentnerin geht einmal die Woche schwimmen und mit dem Internet kennt sie sich auch aus.

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Christa P. hat einen „Kerzentick“, wie sie es selber beschreibt. „In meiner Wohnung stehen überall Kerzen. Die beruhigen mich.“ Wenn sie abends ganz still im Bett liege und einfach auf das Licht der Kerzen blicke, könne sie wieder Kraft schöpfen. Und davon braucht sie eine ganze Menge. Die ehemalige Sekretärin und Versicherungskauffrau ist nämlich zu hundert Prozent behindert und in Pflegestufe eins. Ihre chronischen Krankheiten schränken ihren Bewegungsablauf stark ein. Hinzu kommen noch ein Glasauge, das ihr nach einem Autounfall eingesetzt wurde, und eine Darmkrebserkrankungen, die sie aber überwunden hat.
Zu ihrer eigentlich großen Familie hat sie kaum Kontakt. Nur ihre älteste Tochter kümmert sich noch um sie. „Es ist nicht mehr wie früher,“ sagt sie, „es gibt keinen richtigen Familienzusammenhalt mehr.“ Sie ist in Dillenburg geboren, dahin war ihre Mutter im Krieg evakuiert worden, in Bornheim aufgewachsen, und lebt nun seit 27 Jahren in ihrer jetzigen Wohnung. Trotz der Einnahme von Morphium und ihren vielen Bewegungseinschränkungen, versucht Christa P. nicht zu Hause zu versauern: Einmal in der Woche geht sie mit einer Freundin schwimmen. „Wenn es mir nicht zu schlecht geht“, schränkt sie ein. Fünf Stunden in der Woche bekommt sie Unterstützung von einer Haushaltshilfe, ein Freund hilft ihr bei der Pflege. „Aber ich will immer auch noch was selber machen. Das ist wichtig.“ Sie lässt sich nicht gehen und zieht sich immer schön an. Oft wisse sie gar nicht, woher sie die Kraft nehmen soll, weiter zu machen. Dann liest sie in der Bibel. Die schenke ihr Kraft und Trost.
„Das Schlimmste“, sagt sie, „das Schlimmste im Alter ist die Einsamkeit.“ Da habe sogar ein lebensfroher Mensch wie sie oft Depressionen und Schwierigkeiten, optimistisch zu bleiben.
Doch es gibt etwas, was sie wirklich kann: Mit dem Computer umgehen. „Für meinen Freund und Pfleger regele ich den ganzen Schriftverkehr. Wegen meinem Job kenne ich mich damit noch aus“, erzählt sie stolz. Den Umgang mit dem Internet habe sie sich selber mit der Zeit beigebracht. Auch dort kennt sie sich sehr gut aus.
Und noch ein Lichtblick: Mit dem St.Katharinen-Stift fährt sie die Woche über Weihnachten nach Nürnberg. Da freut sich Christa P. am meisten auf den Christkindlmarkt. prcb

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