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Altenhilfe

22. Dezember 2010

Clara O. : Ihre Kinder gehen ihr über alles

Ein Leben lang hat die alte Dame für ihre Familie gekämpft und gearbeitet. Jetzt ist sie alt, krank und ihr fehlt das Ziel vor Augen.

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Wenn sie ihr Leben Revue passieren lässt, dann ist das für Clara O. keine Freude. Die 75-Jährige ist ein „Kriegskind“, der Vater gefallen. Die Jahre bis 1952 in ihrer Heimat Dresden seien „eine schlimme Zeit“ gewesen. Später litt Clara O. unter den Lebensumständen in der DDR. Sie sei „ein Pulverkopf“ und mehrfach „politisch unangenehm aufgefallen“. Später heiratete sie, bekam zwei Söhne. Deren Vater habe 50 Ostmark pro Monat bezahlt, sich sonst aber vor seinen Pflichten gedrückt. Der Vater ihrer Tochter ist Inder und habe keine ernsten Absichten gehabt. „Er wollte mich umbringen, als ich schwanger wurde“, erzählt die Rentnerin. Doch sie behielt das Kind. Auch wenn Familie und Freunde sie für verrückt erklärten, ein farbiges Kind großziehen zu wollen. „Aber ich muss mich doch nicht schämen“, erklärt die resolute Frau. Ihre Kinder gehen ihr über alles. Ihr Leben lang hat sie gearbeitet, „weil ich immer alles allein machen wollte“. Wegen der unerträglich Situation in der DDR habe sie einen Ausreiseantrag gestellt. Sie durfte 1979 mit ihren zwei jüngeren Kindern in den Westen, der älteste Sohn blieb drüben. „Ich habe ihn rausgekämpft“, berichtet Clara O. Zwei Jahre lang habe sie Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um ihn nachzuholen. Heute hat die Rentnerin kein Ziel mehr vor Augen. „Das ist schrecklich.“ Das Haus könne sie nur an Krücken verlassen, dabei würde sie sich gerne noch engagieren. Kindern vorlesen vielleicht. Freunde hat sie in Frankfurt nie gefunden. Mit über Vierzig schließe man sich nicht mehr so schnell an. Sie habe immer „an die Kinder gedacht“, doch die haben längst selbst Familie. Geld, um ihren Enkeln mal eine Freude zu machen, hat sie kaum. Auch sich selbst tut sie selten Gutes. „Zum ersten Mal seit Jahren kann ich wieder zum Friseur“, erzählt sie. „Ich hatte Krebs, da hatte ich eh keine Haare.“ Danach hat sie die Haare einfach wachsen lassen. Dank der Altenhilfe kann sie sich den „kleinen Traum“ vom Friseurbesuch erfüllen. Ein anderer „Sonderwunsch“: Parfüm. Von ihrem Sohn habe sie mal eins geschenkt bekommen – und so lange „geschont“, bis es verdorben war. Im Moment wäre sie aber lieber ganz weit weg, „am liebsten in einem arabischen Land“. Clara O. hat eine „Weihnachtsphobie“. Die Musik und die Süßigkeiten, die es schon ab September gibt, sind ihr ein Graus. „In dieser Zeit möchte ich am liebsten tot sein“, sagt sie. Man habe ohnehin nicht die Wahl: „Entweder man stirbt schnell oder man wird alt.“ Schön sei das aber nicht.  (pralk)

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