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Altenhilfe

15. Dezember 2010

Elisabeth L: Das Talent hat viel geholfen

Die Rentnerin lebt in einer Altenanlage. Mittlerweile ist sie vergesslich geworden und erzählt auch mal was doppelt, doch früher beherrschte sie fünf Sprachen fließend.

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Sie ist eine vorsichtige Frau. Elisabeth L. macht vorsichtshalber immer die Kette vor die Tür. „Schließlich kann man nie wissen, wer vor der Tür steht,“ sagt sie. In der Altenanlage in Goldstein, in der sie schon seit einigen Jahren lebt, sei auch schon eingebrochen worden. Als junges Mädchen war sie als Au Pair in Berlin. Ihren Mann hat sie vor dem Krieg geheiratet. „Er wurde sehr schnell ein begeisterter Anhänger der Nazis und da habe ich ihn dann ziemlich schnell verlassen. Mit so einem wollte ich nichts zu tun haben,“ erzählt sie. Ihr einziger Sohn sei dann bei ihr aufgewachsen. Die gebürtige Rumänin wurde 1946 nach Russland verschleppt, in einem Arbeitslager interniert. Nach zwei Jahren gelang die Flucht. Elisabeth L. beherrscht neben Rumänisch und Deutsch auch Französisch, Ungarisch und Russisch. Kurz vor ihrer Auswanderung nach Deutschland im Jahre 1958 übersetzte das Sprachtalent deutsche Zeitungen für Einwanderer in die verschiedenen Sprachen. „Als ich dann nach Deutschland kam, musste ich mir viele Anfeindungen gefallen lassen. Es gab viele Vorurteile gegen Rumänischstämmige.“ In Deutschland verdiente sie ihr Geld dann als Buchhalterin, Dolmetscherin und vor allem als Reiseleiterin. Bei einer Enteignung im Jahre 2002 durch den rumänischen Staat verlor sie ihren ganzen Besitz dort und damit auch jegliche Verbindung zu ihrem Heimatland. Ihr Leben in der Altenanlage sei für sie „okay“. Sie gehe zwar eigentlich nicht mehr raus und habe wenig Kontakt zu den anderen Mitbewohnern im Haus, aber trotzdem bekäme sie die Tage gut rum. „Leider vergesse ich inzwischen viel und erzähle öfter auch was doppelt.“ Sie hört viel Musik und pflegt den Kontakt zu ihrem Sohn. „Er ist ein guter Sohn, der mich oft besucht.“ Auch der Krankendienst, der dreimal in der Woche komme, biete ihr ein wenig Abwechslung. Ihr Essen bekommt sie täglich vom Roten Kreuz, doch manchmal kocht sie auch selbst. Dann gibt es zur Abwechslung Suppe mit Rindfleisch, eines ihrer Leibgerichte. Von ihrer kleinen Rente bezahlt sie die Wohnung. Mit der Unterstützung der Altenhilfe könne sie aber ganz gut leben. prcb

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