Altenhilfe

16. Dezember 2010

Erika U.: Ein Traum von Ägypten

Die Rentnerin hat schon einige Schicksalsschläge hinter sich. Kraft geben ihr Freunde, Familie und der Gedanke ans schwarze Meer.

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Vier oder fünf Jahre muss ich alt gewesen sein.“ Mühsam erinnert sich Erika U. daran, wie Frankfurt im Krieg bombardiert wurde. Die Familie überlebte damals in einem Keller. „Es war eine schwere Zeit.“ Nun lebt die 70 Jahre alte Erika U. in einer hellen Ein-Zimmer-Wohnung in Höchst. „Es ist nicht groß, aber hier habe ich alles, was ich brauche.“ Was sie braucht, das sind die vielen jungen Menschen, die sich das Wohnhaus mit ihr teilen. „Die Jugend hält mich fit und gibt mir sehr viel Fröhlichkeit.“ Ihre Nachbarn scheinen wie Familienanschluss zu sein. „Oft besuchen sie mich und dann steht Kaffee und Kuchen bereit.“ Backen ist ihr Hobby. „Auf diese Weise möchte ich mich bei meinen Nachbarn bedanken“. Das Fröhliche und Familiäre ist ihr wichtig, denn in ihr Leben hat sie mehr als genug Schicksalsschläge meistern müssen. Nach nur elf Jahren Ehe kam ihr Mann 1973 bei einem schweren Autounfall ums Leben. Als Witwe mit drei Kindern schaffte sie es nur mit Hilfe ihrer Eltern, mit dem Verlust klarzukommen – und ein eigenes Leben zu beginnen. Zunächst arbeitete sie als Reinigungskraft; als die Kinder alt genug waren, beim Frankfurter Verband. Aber ihr einziger Sohn, erzählt Erika U. mit trauriger Stimme, konnte den Tod des Vaters nicht verwinden. „Er starb zehn Jahre später mit 25 Jahren, an einer Überdosis Heroin.“ Zur mittleren Tochter verlor Erika U. nach einer Auseinandersetzung den Kontakt. Das ist bereits einige Jahre her. „Jetzt habe ich nur noch ein Kind von dreien“ erzählt sie bedrückt. Die letzte Tochter aber lebt in München und Besuche sind aus finanziellen Gründen nur selten. Ganz besonders stolz ist sie auf ihre insgesamt sieben Enkel – zu ihnen hat sie regelmäßig Kontakt. Und „der zweite Urenkel ist bereits unterwegs“. Täglich macht Erika U. einen Spaziergang in der Stadt und träumt von Ägypten, dem „Schwarzen Meer“. Das Land begeistert sie sehr. Um raus zu kommen, trifft sie sich jeden Mittag um zwölf mit einer Freundin in der Stadt. An diesem Abend ist sie mit einigen Nachbarn zum Essen verabredet. „Darauf freue ich mich sehr.“ Leisten kann sie sich sowas nur sehr selten. prjw

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