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Altenhilfe

29. August 2012

FR-Altenhilfe: Die Freiheit im Wohnwagen

 Von Amelie Buskotte
Auf dem Platz an der Bonameser Straße wohnen viele ältere Menschen, die Hilfe benötigen.  Foto: Boeckheler

Die FR-Altenhilfe gibt Geld für Bedürftige im Gebiet Bonameser Straße. Von den ungefähr 75 Menschen, die im Wohngebiet leben, sind fast 50 älter als 45 Jahre. Sie leben in großer Armut.

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Wenn Klara V. aus dem Fenster schaut, sieht sie die Freiheit. „Der Blick auf den Taunus, die Natur um mich herum – das ist Freiheit“, sagt sie.

Von der Straße aus kaum zu sehen und durch Büsche verborgen, liegt mitten im Grünen ein Wohnwagenplatz mit Wohnwagen, kleinen Häusern und Wohncontainern. Klara V., die im wirklichen Leben anders heißt, wohnt hier – im Wohnwagengebiet Bonameser Straße.

Es sei ein besonderes Wohngebiet und wohl einmalig in Deutschland, sagt Sonja Keil, vom Sozialdienst der Diakonie. Dieser ist seit Jahren in der Bonameser Straße tätig und kümmert sich vor allem um ältere, bedürftige Menschen. „Die Menschen, die hier leben kommen aus dem Schrott- und Schaustellergewerbe“, sagt Keil. „Rücklagen für das Alter konnten die wenigsten von ihnen schaffen.“

Von den ungefähr 75 Menschen, die im Wohngebiet leben, sind fast 50 älter als 45 Jahre. Sie lebten in großer Armut, sagt Keil. Anfallende Kosten für Medikamente, Reparaturen am Haus oder ein neuer Kühlschrank stellen oftmals unüberwindbare Kosten dar. Um im Einzelfall direkte Hilfe gewährleisten zu können, arbeite die Diakonie mit Stiftungen und Vereinen zusammen. Eine große Spende kam jetzt von der Alten- und Weihnachtshilfe der Frankfurter Rundschau. „Dank dieser Spende konnten wir Brillen, Hörgeräte und auch Gegenstände für den Haushalt finanzieren“, sagt Sonja Keil.

Wer das Wohngebiet erstmals betritt, fühlt sich an einen Campingurlaub erinnert. Campingwagen reihen sich an Wohncontainer. Kleine betonierte Gässchen führen zu den einzelnen Wohnparzellen.

Klara V., die ursprünglich aus Mannheim kommt, ist durch den Krieg hier hergekommen. „Wir waren ausgebombt“, erzählt sie. Über Bekannte seien sie nach Frankfurt geraten. Dort, wo heute der Ostbahnhof ist, lebte sie mit sechs Geschwistern und der Mutter in einem Kellergebäude. Nach dem Krieg kaufte die Familie einen Wohnwagen und landete schließlich auf dem Platz der Bonameser Straße. Die Stadtverordnetenversammlung hatte 1953 beschlossen, dass sich künftig Schausteller dort ansiedeln sollten.

Lange Zeit ging Klara V. mit ihren Geschwistern und später mit ihrem Lebensgefährten von Frankfurt aus auf Reisen. „Frankfurt war unser Ausgangspunkt“, sagt sie. Im Sommer war sie als Schaustellerin unterwegs, im Winter arbeitete sie in der Gastronomie. Vor acht Jahren starb ihr Lebensgefährte. Seitdem lebt sie zurückgezogen und „allein“. Dabei wird der Alltag für die alte Dame immer beschwerlicher. Zum Einkaufen muss sie fast zwei Kilometer bis zur Bushaltestelle gehen. „Mit meiner Arthrose im Knie wird das immer schwieriger“, sagt die 84-Jährige.

Die Diakonie ist seit 1956 auf dem Platz tätig. Ob Taxifahrten in die Stadt oder Briefe an die Behörden – „die Frau Keil ist eine zuverlässige Hilfe“, sagt Klara V.. Die Menschen kennen die Frau von der Diakonie und kommen zu ihr, wenn sie Hilfe brauchen. Besonders wichtig sei es, den alten Menschen so lang wie möglich, das Leben auf dem Platz zu ermöglichen. „Die kennen nur das Leben hier draußen. In einer Wohnung würden sie sich nicht wohl fühlen“, sagt Sonja Keil. Das bestätigt auch Klara V.. Eine Bekannte wohne in einem Hochhaus. „Da könnte ich nicht wohnen, das ist wie in einem Gefängnis“, sagt sie.

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