Abo | ePaper | App | Newsletter | Facebook | Anzeigen | Trauer

Altenhilfe

26. November 2009

FR-Altenhilfe: Die ganze Geschichte

 Von Matthias Arning
Eine Seefahrt, die ist lustig: Der Ausflug auf dem Main zählt zu den beliebtesten Angeboten der FR-Altenhilfe. Foto: Monika Müller

Die FR-Altenhilfe und die Entwicklung der jungen Bundesrepublik.

Drucken per Mail

Es geht uns wieder gut. Zumindest stellte sich die Lage der Republik nach dem ersten Nachkriegsjahrzehnt für Martin Walser so dar. Der Schriftsteller setzte überaus kritisch in seiner Diagnose der Zeit hinzu: "Den Staat, den wir heute haben, hätte nur ein selbstgefälliger Kleinbürger erfinden können, dessen Horizont und Format bestimmt wird durch die Problemlosigkeit, die der um seiner selbst willen gesuchte Wohlstand verschafft."

Die bundesrepublikanische Mittelstandsgesellschaft steckte in ihren Anfängen, schien allerdings die zu übersehen, denen eine gesicherte Existenz unmittelbar nach dem Krieg nicht vergönnt gewesen war. Um diese Menschen wollte sich fortan die Altenhilfe der Frankfurter Rundschau kümmern. Also ist die sich über sechs Jahrzehnte erstreckende Geschichte dieser Hilfsaktion auch eine kleine Geschichte der Bundesrepublik.

Eine etwas andere Geschichte. Eine Geschichte, die der damalige Chefredakteur der unmittelbar nach dem Ende des Krieges gegründeten Frankfurter Rundschau, Karl Gerold, unbedingt erzählen wollte. Weil er wusste, dass es sonst nicht die ganze Geschichte dieser Republik sein könnte, die spätere Generationen einmal über die heute als Erfolgsmodell geltende Bundesrepublik berichten würden.

Für Karl Gerold ging es darum, wie "Menschen unter uns" an Weihnachten 1949 leben. Allein deshalb richtete er sich in einem Aufruf, den die Zeitung am 19. Dezember 1949 veröffentlicht hat, an die Leser. Denn "wir haben uns durch viele Besuche in bedürftigen Familien davon überzeugt, dass dringend Haushaltsgegenstände, Kleidung usw. benötigt werden." Gerold setzte hinzu: "Wir haben festgestellt, hier Fehlen 220 DM für das Notwendigste, dort nur 71 DM." Gleichwohl stand für ihn außer Frage: Da muss man was tun, da muss man helfen.

Gerolds Gründung

Also ist der 19. Dezember des Jahres 1949, ein gutes halbes Jahr nach dem Entstehen der jungen, noch unter dem Schock des Krieges stehenden Republik, der eigentliche Gründungsakt der Altenhilfe der Frankfurter Rundschau. Der Macher der Hilfsaktion orientieren sich bis heute an einem Diktum von Albert Schweitzer. Den großen Humanisten zitieren die Protagnoisten der Altenhilfe zustimmend mit der Bemerkung: "Wer zum Glück der Welt beitragen möchte, der sorge zunächst in seinem eigenen Haus."

Seitdem hat die weit über die Grenzen Frankfurts hinaus bekannte Hilfsaktion 27 Millionen Euro verteilt. Kleine Beträge, größere Beträge, je nach dem, was alte Menschen brauchen, um sich das Nötigste leisten zu können. Über diese Menschen berichtet der Lokalteil der FR bis heute in den Wochen unmittelbar vor und während des Advents. Ganz im Sinne Karl Gerolds: Mit kleinen Erzählungen über das Schicksal von Betroffenen.

Diese Geschichten finden Resonanz. Allein im vergangenen Jahr spendeten knapp 8600 Menschen insgesamt rund 980.000 Euro für die Altenhilfe der Frankfurter Rundschau. Zu Ostern wie zu Weihnachten verteilte die Hilfsaktion Beträge zwischen 250 und 375 Euro an 1860 Einzelpersonen und an 148 Ehepaare.

Diesen Menschen geht es durch die Hilfsaktion im Sinne Martin Walsers nicht gleich wirklich gut. Immerhin aber geht es ihnen ein bisschen besser. Und das ist auch etwas. Deshalb ist die Geschichte der Altenhilfe der Frankfurter Rundschau ähnlich wie die Geschichte der längst etablierten Bundesrepublik auch eine Erfolgsgeschichte.

Jetzt kommentieren

Altenhilfe

Wie und wo die Aktion "Not gemeinsam lindern" Hilfe im vergangenen Jahr leisten konnte, erfahren Sie hier.

Altenhilfe

Wenn Sie den Verein „Not gemeinsam lindern“, Alten- und Weihnachtshilfe der Frankfurter Rundschau e.V. mit bis zu 200 Euro im Jahr unterstützt haben, benötigen Sie keine gesonderte Zuwendungsbestätigung von uns. Bitte laden Sie sich das Dokument herunter und drucken es sich aus. Dieses kann der Steuererklärung beigelegt werden.

Altenhilfe

Die FR-Altenhilfe und die Entwicklung der jungen Bundesrepublik.

Altenhilfe
Karl Gerold

Sieben Personen – vier Teller, Lumpen als Bettwäsche: Auch das war Weihnachten 1949. Der Original-Spendenaufruf des FR-Mitherausgebers und späteren Chefredakteurs Karl Gerold.

FR @ Social Media

 

Wir informieren Sie auch in den Sozialen Netzwerken - in Facebook, Twitter und Google+. Schauen Sie, was Ihre Facebook-Freunde auf FR-Online empfehlen - und verfolgen Sie unseren Twitter-Ticker:
Für Sportler in Not

Die Hilfsaktion der FR-Sportredaktion unterstützt arme, kranke und behinderte Sportler, die unverschuldet in Not geraten sind.

Twitter
 
Hessen

Protokolle einer aufregenden Nacht: Szenen aus dem Frankfurter Römer. Wahlticker aus der Region. Und viel mehr: das Spezial.