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Altenhilfe

02. Dezember 2010

Frauke H.: In vier Jahrzehnten keine Freunde

In Frankfurt ist Frauke H. nie richtig angekommen. Seit den 60er Jahren lebt sie bereits am Main. Doch wirklich heimisch fühlt sich die 81-Jährige hier immer

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In Frankfurt ist Frauke H. nie richtig angekommen. Seit den 60er Jahren lebt sie bereits am Main. Doch wirklich heimisch fühlt sich die 81-Jährige hier immer noch nicht. Eigentlich habe sie hier niemanden, sagt sie: „Ich komme hier nicht klar.“

Geboren und aufgewachsen ist Frauke H. in Stettin in Pommern. 1948 wurde sie von dort mit ihrer Mutter vertrieben. Gemeinsam flüchteten sie nach Schleswig-Holstein an die Nordsee. Ihr Vater war damals noch in Kriegsgefangenschaft und kehrte erst später wieder zur Familie zurück. Wenn die Rentnerin an die Zeit am Meer denkt, beginnen ihre Augen zu leuchten. „Dort war es schön. Meine Mama hat mich immer verwöhnt.“ Sie habe weder arbeiten noch groß im Haushalt helfen müssen. Ihre Lehre zur Friseurin, die sie noch in Pommern begonnen hatte, beendete sie nie. Ihre Mutter sagte, im Krieg hätten sie genügend entbehren müssen. Das Kochen habe sie dadurch bis heute nicht gelernt.

An der Nordsee begegnete sie auch ihrem späteren Mann, einen Frankfurter, der dort regelmäßig Ferien machte. Das Paar heiratete und Frauke H. zog mit ihm an den Main. Lange währte das Glück jedoch nicht. Ihr Mann habe viel getrunken. „Und wenn er betrunken war, hat er die Möbel rausgeschmissen.“ Ende der 70er Jahre trennte sie sich und lebte fortan alleine in einer Stadt, in der sie bis heute zu keinem Kontakt hat.

Nur über ihre Arbeit als Altenbetreuerin kam sie unter Menschen. Erst in Frankfurt hatte sie diese Ausbildung absolviert. Gut erinnert sie sich noch, als sie einer Patienten versprach, sich nach ihrem Tod um ihren Hund zu kümmern.

Inzwischen sei der Vierbeiner 19 Jahre alt, leide unter Blasenschwäche und habe wackelige Zähne: „Ich muss ihm immer das Essen mit der Gabel zerkleinern.“

Bezahlen muss Frauke H. das Futter glücklicherweise nicht. 20 Euro im Monat erhält sie von der Schwester der verstorbenen Patientin. Ansonsten könnte sie sich den Hund auch gar nicht halten. Ihre schmale Rente beschert ihr nur 354 Euro im Monat. Das Sozialamt übernimmt die Miete.

Das Geld der Altenhilfe sei für sie deshalb sehr wichtig. In den letzten Jahren habe sie sich davon unter anderem einen Pullover und Winterschuhe gekauft: „Das musste sein.“ In diesem Jahr möchte sich Frauke H. eine Lesebrille zulegen. Denn obwohl sie weder rauche noch trinke, reiche es hinten und vorne nicht. „Man kann sich fast gar nichts leisten.“

Das einzige, was sie sich hin und wieder gönnt, ist eine Tasse Kaffee in einem Café, „um mal unter Menschen zu sein“. ( bos)

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