Am meisten sorgt sie sich darum, wie sie ihre eigene Beerdigung zahlen soll. Zwischenzeitlich hat Gerda O. dafür auch schon mal jeden Monat 15 Euro beiseite gelegt - "aber dann habe ich sie wieder gebraucht". Seit die 80-Jährige in Rente ist, muss sie mit 350 Euro Euro im Monat auskommen. Das schmerzt sie umso mehr, als die gebürtige Hanseatin aus einer gutbürgerlichen Familie kommt. Nicht, dass sie sich so wenig leisten kann, tut ihr weh, sondern, dass das Leben und der Krieg ihr so übel mitgespielt haben. Gerda O. ist ein Kriegskind. "Die Koffer standen immer fertig gepackt neben dem Bett." Denn im Radio wurden ständig Angriffe von feindlichen Fliegern angekündigt. "Nur wie schnell die da waren, haben wir nicht gewusst." Aber nach dem einen Alarm, erinnert sie sich, "sind wir nach drei Stunden wieder aus dem Keller gekommen, und unser Haus war zerbombt".
Die Familie musste nach Stuttgart umziehen, zu den Großeltern. Einen Spielplatz gab es nicht. Gerda O. hat stattdessen mit ihren Schwestern im Wasser der Ruinen geplantscht. Eingeschult werden konnten die Mädchen nicht, es gab keine Schulen. "Da hat sich dann halt unsere Mutter mit uns hingesetzt und uns Lesen und Schreiben beigebracht." Später ist ihr Vater als Produktionsleiter von Coca-Cola nach Frankfurt versetzt worden. "Arm waren wir eigentlich nicht, aber es gab ja nichts." Allerdings hat Gerda O. in Frankfurt ihren amerikanischen Mann kennen gelernt. Und mit ihm eine Tochter bekommen, die an Multipler Sklerose leidet. Als Gerdas Mann aus dem Vietnamkrieg zurückgekommen ist, konnte er nicht mehr aufhören zu trinken. 1983 hat Gerda O. die Scheidung eingereicht - und bis zu ihrer Rente als Verkäuferin in einer Bäckerei gearbeitet. Als sie plötzlich nicht mehr wusste, wie sie ihre Miete bezahlen soll, ist Gerda O. zum Sozialamt gegangen.
Jetzt bekommt sie die Miete bezahlt, was ein herber Rückschlag für sie ist. "Seit der Rente quetsche ich mich so durch." Eine Nachbarin hat ihr irgendwann von der FR-Altenhilfe erzählt. "Mensch, Du hast doch auch nicht so viel Geld", hat sie ihr gesagt. Von dem Oster- und Weihnachtsgeld, das Gerda O. seitdem bekommt, hat sie sich einen Herd gekauft. Die 80-Jährige kocht nämlich gerne.
Am meisten Freude macht es Gerda O., wenn sie morgens aufsteht und gesundheitlich noch alles in Ordnung ist. Weitere Wünsche hat sie nicht. (greg)
Wie und wo die Aktion "Not gemeinsam lindern" Hilfe im vergangenen Jahr leisten konnte, erfahren Sie hier.
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Die FR-Altenhilfe und die Entwicklung der jungen Bundesrepublik.

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