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Gina Lülves: Im Traumjob

Gina Lülves, Geschäftsführerin und Herzstück der Altenhilfe der Frankfurter Rundschau, im Porträt.

Im Dienst der Altenhilfe - Gina Lülves.
Im Dienst der Altenhilfe - Gina Lülves.
Foto: Christoph Boeckheler

Wer ihr Büro betritt, bemerkt es zunächst kaum. Riesige Blattpflanzen wuchern fast bis zur Decke, lassen die Wände zurücktreten. Im Näherkommen erst sind Hunderte von Postkarten und Schriftstücke zu sehen, die als buntes Tapeten-Puzzle zwischen dem Grün hindurchleuchten. Mitten im kleinen Dschungel sitzt sie, von fast allen ihrer Besucher in liebevoller Despektierlichkeit beim Vornamen genannt.

Gina Lülves ist gleichsam das Herzstück der Altenhilfsaktion der Frankfurter Rundschau. Geschäftsführerin scheint da geradezu ein Diminutiv. Diese Frau ist dafür verantwortlich, dass fast eine Million Euro an Spendengeld im Jahr, gegeben von Tausenden von Einzelpersonen, Unternehmen, Vereinen, an Tausende von bedürftige Empfänger verteilt wird. Viel Verantwortung, viel Kampf mit Behörden und Institutionen. Doch die 52-Jährige spricht darüber gar nicht so gern. Sie fasst ihre Arbeit lieber so zusammen: "Es ist ein Traumjob - weil ich unheimlich viel zurückbekomme."

In einer Zeit vieler Veränderungen bei der Frankfurter Rundschau personifiziert sie Kontinuität. 1980 kam die gelernte Fremdsprachensekretärin zur FR. Ihre Arbeit vorher bei einem "Headhunter", einer Vermittlungs-Agentur für Führungskräfte, erschien ihr nicht das Richtige. Schon bald holte sie Lothar Vetter, einer der gestandenen Lokaljournalisten der Frankfurter Nachkriegszeit, in die Lokalredaktion - dort arbeitete sie als Sekretärin.

Vetter war zugleich "der Motor der Altenhilfe" - und sein Engagement steckte auch Lülves an. "1986 stand ich zum ersten Mal in der Vorweihnachtszeit mit meiner Sammelbüchse auf der Zeil - verkleidet in einem grünen Nikolauskostüm", erinnert sie sich. "Ich wollte einfach wissen, wie das ablief mit den Spenden, wie man an die Leute rankommt."

Wer selbst einmal FR-Nikolaus war - und im Laufe der sechs Jahrzehnte Altenhilfe sollten es Hunderte von ihnen werden - der weiß, dass man so schnell davon nicht loskommt. Weil es einfach Spass macht - und man auch Ehrgeiz entwickelt, das Sammelergebnis vom letzten Mal noch zu übertreffen. "Sonntags, das ist immer spannend, wenn wir dann das Geld aus den Sammelbüchsen und die ganzen Einzelspenden zählen", sagt sie.

2001 kam Lülves hauptamtlich zur Altenhilfe - erst als stellvertretende Geschäftsführerin, ab August 2005 dann als Geschäftsführerin des Vereins, dessen Gesellschafter das Druck- und Verlagshaus Frankfurt ist.

Seitdem weiß sie mehr denn je um die Schattenseiten der glänzenden Wirtschafts- und Bankenstadt Frankfurt. Etwa 1000 Anträge jährlich auf Hilfe für bedürftige Menschen gehen bei ihr ein - "von Sozialrathäusern, aber auch vorgeschlagen von Privatpersonen".

Immer mehr Männer, erzählt sie, zählen zu der Klientel, die die Altenhilfe versorgt. "Alte Männer haben oft überhaupt keine Hilfe, keine Unterstützung mehr - sie tun sich sehr schwer mit dem Leben, und sie schämen sich oft, um Hilfe zu bitten."

Lülves bekommt unzählige Briefe und Anrufe: "Viele haben einfach nur das Bedürfnis, zu reden, weil ihre Einsamkeit so furchtbar ist." Und so redet sie, oft und lange. 250 bedürftige Menschen nimmt sie jedes Jahr neu in die Kartei auf. Es gibt so viele Wünsche, so viele Dinge des täglichen Lebens, die dringend gebraucht werden. "Waschmaschine, Bett, Brille, ein Hörgerät, ein Pullover, ein Kühlschrank oder auch einmal ein Fernseher."

Und als Dank kommen dann all die Postkarten und Briefe,die die Wände des Büros bedecken, "oder es kommen Blumen". Stolz ist sie auf alle, die zum bisherigen Spenden-Rekord der Altenhilfe 2007 beigetragen haben: Knapp über eine Million Euro. Und dann die Erbschaften. Lülves blättert in einem Ordner. Immer wieder muss sie zum Gericht, weil Testamente zugunsten der Altenhilfe eröffnet werden. "Das Spektakulärste war bisher ein Haus im Wert von 464000 Euro." "Es ist", sagt Gina Lüves wieder, "ein Traumjob."

Autor:  Claus-Jürgen Göpfert
Datum:  26 | 11 | 2009
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