Greta B. hat einen Dickkopf im positiven Sinn. "Das Leben ist da, um gemeistert zu werden", sagt die Frau, die am 26.Dezember ihren 80. Geburtstag begeht. Eine Lebensweisheit, die Greta B. nicht allein bezogen auf das Älterwerden sagt. Ihre Kindheit nimmt sie hiervon jedoch aus, sie war "einfach wunderbar". B. wuchs in einem 500-Seelendorf in Ost-Westfalen auf. "Meine Eltern besaßen ein Wirtshaus, die Post und eine Bäckerei. Wir waren wie die Dorfkönige."
Nach der Heirat sollte der Ehemann die Gaststätte übernehmen. In dem Gebäude sollten 30 Fremdenzimmer eingerichtet werden. Die Behörden gaben hierzu jedoch nicht ihre Zustimmung. Der Traum vom kleinen Hotel zerbrach. "Mein Mann fühlte sich als Versager. Er begann zu trinken und ließ sich scheiden", sagt die 79-Jährige. "Ich verließ ihn aber nicht. Wir lebten so normal zusammen, dass unsere jüngste Tochter nicht mitbekam, dass wir nicht mehr verheiratet waren."
Es war auch B.s Sturheit, die den Mann wieder ins Gleis brachte. Er absolvierte die Hotelfachschule und die Meisterprüfung. Im Rheinland fand er eine Einstellung als Direktionsassistent und später als Ausbilder in Frankfurt. Greta B. verdiente halbtags als Arzthelferin etwas für die fünfköpfige Famile dazu zu. Der Mann verstarb vor 13 Jahre an einer Krebserkrankung.
Dass ihr Mann "erst ab 40 für die Versicherung geklebt hat", beschert ihr heute in Oberursel eine kleine Rente. "Wenn der Magen voll ist, fragt er nicht, was drin ist", sagt sie. Fleisch und Wurst sind längst vom Speiseplan gestrichen. Sie schreibt es ihrer Ernährung zu, dass sie mit 80 Jahren körperlich und geistig fit ist. Auch an Tatkraft fehlt es ihr nicht. "Mein Vermieter will Geld für die Brand- und Gebäudeversicherung bei mir kassieren. Bevor ich dafür die Spende der FR-Altenhilfe ausgebe, hole ich mir Rat beim Mieterverein", sagt sie im energischen Tonfall. (sun)
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