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Heike L.: Spaziergang am Römer als kleines Glück

Auf ein glückliches Leben kann Heike L. nicht gerade zurückblicken: Ihre Männer schlugen sie und von ihren zehn Kindern haben nur zehn überlebt. Helfen tut ihr der christliche Glaube.

Zehn Kinder hat Heike L. auf die Welt gebracht, überlebt haben aber nur vier von ihnen; fünf starben, kaum dass sie geboren waren. Der Tod ihres sechsten Kindes zog sich über 15 Jahre hin, so lange lag die Tochter im Koma. Vor vier Jahren verstarb sie dann im Alter von 39 Jahren.

Wenn Heike L. vom Tod der Kinder spricht, dann klingt sie sehr nüchtern, so als wäre das gar nicht ihr, sondern einer Bekannten passiert. Vielleicht liegt es daran, dass diese abgeklärte, distanzierte Haltung der 72-Jährigen dabei hilft, das schwere Schicksal zu ertragen.

Auf ein glückliches Leben kann Heike L. nicht gerade zurückblicken; die Kindheit und Jugend verbrachte sie auf dem Land; einen Beruf lernte sie nicht, sondern half den Bauern in der Nachbarschaft aus und wurde in Naturalien entlohnt. Mit 22 Jahren heiratete sie und stellte nach und nach fest, dass sie keine gute Wahl getroffen hatte. Ihr Mann kannte keine Grenzen, wenn es um Alkohol ging. Und wenn er zu viel getrunken hatte, da überschritt er ihre Grenzen und schlug sie.

Beim nächsten Mann wurde es nicht besser. Auch von ihm hat sich Heike L. vor nunmehr neun Jahren getrennt, offiziell aber nicht scheiden lassen. Jeder geht seinen Weg, lässt den anderen in Ruhe, weil weder bei ihm noch bei ihr "was zu holen ist".

Heike L. plagt sich mit Krankheiten, klagt darüber, dass sie inkontinent ist. Schlimm sei das besonders im Winter und wenn sie kalte Füße bekomme. "Ich komme dann in Situationen, die sehr peinlich sind", sagt sie.

Die 72-Jährige lebt von rund 400 Euro im Monat und rechnet vor, wie schnell das Geld weg ist. Wenn sie ihre Tochter besuchen möchte, die in Baden-Württemberg lebt, da ist sie schnell mal 60 Euro los. Heike L. hat aber gelernt, sich zu helfen: So leiht sie von einer ihrer Nachbarinnen die übertragbare Monatskarte, damit sie von Nied in die Innenstadt fahren kann. "Sonntags besuche ich den Gottesdienst in der Liebfrauenkirche", sagt die Seniorin, die sich als Christin beschreibt. Der Glaube tue ihr gut. Wie auch der Spaziergang am Römer. (top)

Datum:  19 | 12 | 2009
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