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Altenhilfe

02. Dezember 2010

Heinrich U.: Die Erinnerung quält bis heute

Seitdem seine Frau vor sieben Jahren an krebs starb, lebt Heinrich U. ganz für sich. Und er lebt nicht von viel, Hartz IV hat der einstige Außendienstler. Da geht alles gerade so.

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Am liebsten redet Heinrich U. von seiner Frau. Sie starb vor sieben Jahren an Krebs. „Wir haben uns in Lörrach im Schwarzwald kennengelernt“, erzählt der 71-Jährige. Was nach Urlaub klingt, war die zweite Station nach der Flucht aus Schlesien. Heinrich U. kam in Breslau zur Welt; im Winter 1945, er war damals sechs Jahre jung, ging es gen Westen. „Erst haben wir tagelang im Freien gestanden, in eisiger Kälte, dann fuhren wir auf offenen Loren, per Zug. Ich habe auf Leichen gelegen, das vergisst man nicht.“ Auch wenn er es versucht. Die Familie kommt zunächst nach Hamburg-Meldorf, von dort geht es nach Lörrach. Heinrich U. arbeitet später im Außendienst, „hab’ Waschmaschinen verkauft und alles Mögliche“. Vor 33 Jahren lernte er seine Frau kennen. „Gesehen hatten wir uns schon vorher, dann saß ich mal im Café und sie kam rein. Es war kein Platz mehr frei, da kam sie zu mir. So hat sich das dann entwickelt.“

Einen Café- oder mal einen Kneipenbesuch kann sich der 71-Jährige heute nicht mehr leisten. Er lebt von Hartz IV, hat 309 Euro im Monat. „Ich kaufe halt nur das nötigste, Brot, was zu Trinken, ich komm’ grad so durch.“

Was er sich von dem Geld der FR-Altenhilfe kaufen möchte, weiß er noch nicht. „Da gibt es so viel, was man bräuchte.“ Dabei ist Heinrich U. in seinen Ansprüchen bescheiden. „Ich esse gern Püree, oder Kartoffelsupp’, die nehme ich aus der Dose.“ Wenn Heinrich U. morgens gegen 8 Uhr aufsteht, macht er Ordnung, geht einkaufen, isst vielleicht Püree, „und dann schau’ ich Fernsehen“. Das sind meist die Mittagssendungen, was eben so kommt. „Diese Britt ist immer nett, was soll man sonst machen, wenn man alleine ist?“

Das Fernsehen bestimmt auch, wann Heinrich U. schlafen geht. „Wenn es Fußball gibt, oder einen Western, kann es schon spät werden.“ Manchmal hat er Probleme mit dem Kreislauf, „aber dann nehme ich eine schöne Tablette, man weiß, wo es klemmt, aber auch, was dagegen hilft“. Heinrich U. lebt sehr für sich. „Ich will keinem auf die Nerven gehen.“ Sein Weihnachtswunsch richtet sich an andere: „Na, das Schönste und Wichtigste: Familie, Gesundheit, Auskommen.“ (ave)

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