Altenhilfe

22. November 2011

Josef L.: Mit wenigem zufrieden sein und positiv denken

Josef L. war mal Pförtner an der Goethe-Uni. Wegen gesundheitlicher Beschwerden musste er bereits mit 60 in Rente gehen. Heute reicht sein Geld meist gerade für das Nötigste.

Drucken per Mail

Seine erste eigene Wohnung in Frankfurt sei ein Verlies gewesen, sagt Josef L. Eine Bruchbude, die Wände voller Schimmel, und der Vermieter sei ein Verbrecher gewesen, der für den bereits vorhandenen Schaden Geld von ihm forderte. Aber Josef L. ließ so nicht mit sich umspringen: Er zog vor Gericht und gewann. „Das kann ich gut, mit Worten etwas erreichen“, sagt der Rentner und lacht schallend. Auch seiner mittlerweile verstorbenen Lebensgefährtin habe er mit seinem Redetalent häufig aus brenzligen Situationen geholfen. Seit ihrem Tod vor zwanzig Jahren lebt er allein.

Der heute 70-Jährige stammt aus einer sudetendeutschen Familie, die von Brüx aus nach Frankfurt kam. Er habe in seiner Jugend nicht so recht gewusst, was er werden wolle, erinnert sich der Rentner heute mit Bedauern. Darum machte er zunächst eine Lehre als Bauschlosser. „Eigentlich wäre so was wie Verkäufer oder Vertreter eher was für mich gewesen.“ Der Umgang mit anderen Menschen macht ihm Spaß, er redet gern und nimmt das Leben nicht zu ernst. Eine Weile war Josef L. arbeitslos, dann wieder hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, war zeitweise Bademeister in einem Frankfurter Schwimmbad, auch mal Lagerarbeiter, „so dies und jenes eben“. Zwar ist Josef L. nie in einem Beruf gelandet, der ihn ausgefüllt hätte. Trotzdem, so betont er, habe er immer versucht, sein Bestes zu geben: „Faul bin ich nicht.“

Sein längster Job währte immerhin elf Jahre. Da war Josef L. Pförtner an der Goethe-Universität. Wegen gesundheitlicher Beschwerden musste er bereits mit 60 in Rente gehen, hat dadurch hohe finanzielle Einbußen erlitten. Das Geld von der FR-Altenhilfe reicht meist gerade für das Nötigste, Essen, Kleidung, Miete. „Am Ende des Monats bleibt nullkommanull.“ Nicht mal für eine Tasse Kaffee ist dann mehr Geld da. Im Moment spart Josef L., denn er will sich ein Handy zulegen. Er besitzt derzeit gar kein Telefon und ist immer auf Telefonzellen oder das Wohlwollen anderer Handybesitzer angewiesen. „Und dann würde ich mir gern einen Trolley anschaffen, zum Einkaufen.“

In den kommt dann hauptsächlich Gesundes: Josef L. achtet auf seine Ernährung und versucht auch im Alter mobil zu bleiben. Früher sei er ein guter Schwimmer gewesen, aber die Arthrose in den Beinen zwang ihn, seinen Lieblingssport aufzugeben. Außerdem hatte der Rentner vor einigen Jahren einen Herzinfarkt und versucht deshalb, die Dinge etwas ruhiger anzugehen. Dafür nutzt er seine Freizeit nun vermehrt zur geistigen Bildung. Er liest gern Sachbücher zu politischen Themen, interessiert sich für die neue Occupy-Bewegung. „Mitdemonstrieren tu ich nicht mehr, aber ich geh immer mal wieder am Camp vorbei und finde das eine gute Sache.“ Menschen, die dem großen Geld nachjagen, sind Josef L. schon immer unsympathisch gewesen. „Und es ärgert mich, dass die Politiker so ein Schweinegeld verdienen.“ Sein Rezept für ein glückliches Leben lautet: „Mit wenigem zufrieden sein und versuchen, positiv zu denken.“ (juf.)

Jetzt kommentieren

Altenhilfe

Wie und wo die Aktion "Not gemeinsam lindern" Hilfe im vergangenen Jahr leisten konnte, erfahren Sie hier.

Altenhilfe

Wenn Sie den Verein „Not gemeinsam lindern“, Alten- und Weihnachtshilfe der Frankfurter Rundschau e.V. mit bis zu 200 Euro im Jahr unterstützt haben, benötigen Sie keine gesonderte Zuwendungsbestätigung von uns. Bitte laden Sie sich das Dokument herunter und drucken es sich aus. Dieses kann der Steuererklärung beigelegt werden.

Altenhilfe

Die FR-Altenhilfe und die Entwicklung der jungen Bundesrepublik.

Altenhilfe
Karl Gerold

Sieben Personen – vier Teller, Lumpen als Bettwäsche: Auch das war Weihnachten 1949. Der Original-Spendenaufruf des FR-Mitherausgebers und späteren Chefredakteurs Karl Gerold.

FR @ Social Media

 

Wir informieren Sie auch in den Sozialen Netzwerken - in Facebook, Twitter und Google+. Schauen Sie, was Ihre Facebook-Freunde auf FR-Online empfehlen - und verfolgen Sie unseren Twitter-Ticker:
Für Sportler in Not

Die Hilfsaktion der FR-Sportredaktion unterstützt arme, kranke und behinderte Sportler, die unverschuldet in Not geraten sind.

Twitter
 
Hessen

Protokolle einer aufregenden Nacht: Szenen aus dem Frankfurter Römer. Wahlticker aus der Region. Und viel mehr: das Spezial.