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Altenhilfe

22. Dezember 2010

Josefine L. : Sparen und Durchwursteln

Die Rentnerin ging putzen, arbeitete als Sachbearbeiterin und Kinokassiererin. Und trotzdem kann sie es sich heute nicht leisten für ein paar Tage nach Nürnberg zu fahren.

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Weihnachten fährt sie vielleicht mit der Nachbarin für ein paar Tage nach Nürnberg. Wenigstens mal kurz raus. Für Josefine L. ist schon das ungewöhnlich. Nie hat sie Urlaub gemacht, sich keine Städtereise gegönnt. „Ich bin Sparen gewöhnt.“ Schon als Kind, als sie während des Kriegs aus dem ausgebombten Haus in Mainz mit der Mutter nach Bayern evakuiert wurde. Die Mutter hat sich mit ihr durchgeschlagen, wie sie es später mit ihren beiden Töchtern tat. Sie hatte es sich anders geträumt, als sie mit einer Schulfreundin weg vom Land und nach Frankfurt aufbrach, Säuglingsschwester zu lernen. Josefine L. hat den Beruf nie ausgeübt, stattdessen geheiratet. „Mit 21, dumm wie ich war.“ Ihr Mann gab das ganze Geld am Wasserhäuschen aus, für die Familie blieb nichts. Nur Streit ums Geld, sagt die heute 74-Jährige – und ihr Mann schlug zu. Sie ging putzen, jobbte als Kinokassiererin, hoffte, mit einem weiteren Kind werde vielleicht alles anders. „So naiv war ich.“ Nach 16 Jahren Ehe zog sie mit ihren zwei Mädchen aus, reichte die Scheidung ein, zog nach Offenbach, verdingte sich als Sachbearbeiterin, arbeitete zuletzt bei Woolworth. Große Sprünge kann sie mit ihrer Rente nicht machen, „die Reise bleibt ein schöner Traum“. (ana)

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