Luise P. ist eine Frau, die gerne lacht. Schon am Telefon. Und erst recht in Natura, da kommen ihre Grübchen zur Geltung. Und sie weiß Geschichten zu erzählen. Von Frankfurt in den 60er Jahren, als im Löwenkeller vis à vis vom Kaufhof zur Unterhaltung der speisenden Gäste eine Zigeunerkapelle aufspielte. Aber Zigeuner, das darf man vielleicht gar nicht schreiben. Oder wie sie als 15-Jährige nach dem Krieg mit der Kittelschürze in die Süderstraße zum Steine hauen einbestellt wurde. "Zum Hauen hatte ich nichts, da musste ich die Steine aufschichten".
Das war nicht in Frankfurt, wie man an ihrer leicht singenden Sprache hört, sondern in ihrer norddeutschen Heimat. Nach Frankfurt kam Luise P. ihres Mannes wegen, den sie während ihrer Lehrzeit in Berlin traf: "Die jungen Leute lernten sich an der Würstchenbude kennen, sie standen da bei Eis und Schnee, es gab nichts anderes, in den 50er Jahren war ja alles kaputt." Frankfurt, die Großstadt mit ihren Kinos und Gaststätten, zog das junge Ehepaar an: "Manchmal sind wir sonntags zwei Mal ins Kino gegangen."Es war eine andere Zeit und eine andere Generation.
Eine Zeit, in der alle Kollegen einer Abteilung zusammen Kaffee trinken gingen, wenn jemand Geburtstag hatte. Heute undenkbar. Eine Generation, die fette Wurst liebt und das Sparen gelernt hat. Und für die es trotzdem im Alter nicht reicht, wie Luise P. erleben muss. 300 Euro bleiben ihr im Monat zum Leben. Wenn sie sich einmal im Vierteljahr die Dauerwelle machen lässt, muss sie vorher "ein bisschen knapsen". Kaffee trinken geht sie mit ihren Bekannten trotzdem: "Ich war nie ein Kind von Traurigkeit", sagt sie und die Grübchen kommen wieder raus. Mit ihrem "Rolls Royce" genannten Rollator kommt sie noch gut zum Einkaufen, schwere Sachen holt ihr ein Zivildienstleistender eines nahen Altenwohnheims.
Das hat die Sozialarbeiterin im Sozialrathaus nach einem Klinikaufenthalt für Luise P. organisiert. Luise P. legt die Hände über dem Schoß zusammen. Und erzählt, wie sie mit ihrem Rollator sonntags manchmal zähneknirschend an der Station Offenbach Marktplatz steht und weder der Aufzug noch die Rolltreppe fährt. Inzwischen nimmt sie in solchen Fällen den Stock, aber eigentlich müsste sie jemand auf den Fahrten begleiten. Sie runzelt die Stirn: "Das wird ja immer schlimmer, dass man nicht mehr kann." Nachthemden und einen neuen Pulli will Luise P. sich vom Zuschuss der Altenhilfe kaufen. Als nächstes Projekt steht jetzt erstmal Plätzchen backen auf dem Plan. (ssl)
Wie und wo die Aktion "Not gemeinsam lindern" Hilfe im vergangenen Jahr leisten konnte, erfahren Sie hier.
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