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Paula G.: Erfülltes Leben trotz wenig Geld

Zwanzig Jahre war sie im Supermarkt an der Kasse. 307 Euro Rente sind ihr davon geblieben. Den Rest muss die Sozialhilfe beisteuern. Trotzdem ist Paula G. ein zufriedener Mensch.

Als sie die 150 Euro von der Altenhilfe auf dem Konto hatte, hat sich Paula G. erstmal erschrocken. Und dann kam die Freude. "Das war wie ein Lottogewinn." Die Siebzigjährige hat sich damit einen Wunsch erfüllt: ein weißer, kuscheliger Schlafanzug mit Margheriten darauf - "so ein molliger". Für 25,50 Euro.

Das Kälte-Problem kennt Paula G. noch aus Bitterfeld, wo sie mit ihrer Mutter und zwei Schwestern die ersten Jahre ihres Lebens verbracht hat - Paulas Vater ist nach dem Krieg nicht mehr wieder zur Familie zurückgekehrt. "Unsere Bettwäsche hat die Mama damals für drei Tomaten verkauft." Paula G. und ihre Schwester mussten sich im gemeinsamen Bett ganz eng aneinander kuscheln. Wenn ein strenger Winter war, kamen die Beiden gar nicht zur Schule. "Da war so viel Schnee. Und wir hatten nicht mal Schuhe."

Die Nachbarin hat der Mutter immer ihre Kartoffelschalen geschenkt. Die wurden dann geputzt und mit Wasser und Salz in einen Topf geworfen. Satt gemacht hat es. Früher hat die Mutter auch extra Paulas Geburtstag vergessen, weil sie kein Geld für die Geschenke hatte. "Aber so arm wir waren, wir hatten eine gute Mutter."

1954 hat die ihre Kinder am Schlawittchen gepackt und ist mit ihnen nach Westdeutschland geflohen. Zwei Unterhosen hatte jeder an und zwei Pullover. Keine Koffer. Nur einen Blumenstrauß, es sollte ja aussehen wie ein Besuch. In Ost-Berlin sind sie ausgestiegen, damit es nicht so auffällt. "Eine alte Dame hat zu uns gesagt: Gehen Sie einfach über die Brücke, und an ihrem Ende fängt West-Berlin an."

So ist Paula G. mit dreizehn Jahren in ein Flüchtlingslager nach Marienfelde gekommen. Zu zwölft waren sie da. Auf 20 Quadratmetern und mit Hochbetten. Als sie 14 war, ist sie als Hausmädchen in den Vogelsberg geschickt worden. Und musste jeden Tag von sechs Uhr morgens bis abends um neun arbeiten.

Trotzdem hat Paula da ihren Mann kennengelernt. "Ich bin dann ohne der Familie was zu sagen nach Frankfurt abgehauen." Als sie 19 Jahre alt war, ist ihre Tochter gekommen. Zu dritt haben sie zwischenzeitlich in einem Zimmer gewohnt. Bis ihr Mann sie betrogen hat. "Dann hab ich mich scheiden lassen." Zwanzig Jahre war sie im Supermarkt an der Kasse.

307 Euro Rente sind ihr davon geblieben. Den Rest muss die Sozialhilfe beisteuern. Trotzdem ist Paula G. ein zufriedener Mensch. "Ich bin gesund, habe eine schöne Wohnung." Einmal in der Woche trifft sie sich mit ihren Freundinnen im Seniorenclub. "Da werden schon mal Klamotten getauscht." Letztes Jahr war sie mit der Stadt Frankfurt zum ersten Mal in ihrem Leben im Urlaub. "Das war schön!" Ach so, einen Wunsch hätte sie doch noch: Paula G. würde gerne noch einmal für ein paar Tage in ihre Bitterfelder Heimat zurückkehren. Aber da scheitert´s schon an den Fahrtkosten. ( greg)

Datum:  2 | 12 | 2009
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