Altenhilfe

02. Dezember 2010

Renate J.: Hilfe für die müden Beine

„Ich bin noch gar nicht richtig angezogen. Aber es war heute morgen schon so viel los.“ Es ist warm in der 44-Quadratmeter-Wohnung von Renate J. und

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„Ich bin noch gar nicht richtig angezogen. Aber es war heute morgen schon so viel los.“ Es ist warm in der 44-Quadratmeter-Wohnung von Renate J. und herrlich unordentlich. „Sie sehen, alle Plätze sind besetzt“, sagt die 87-Jährige lächelnd und deutet in die Sitzecke. Da liegen Zeitschriften, Zeitungsausschnitte, Merkblätter, Broschüren, auch der Tisch ist voll damit. Irgendwie findet sich dann aber doch ein Plätzchen zum Plaudern.

Nein, unordentlich ist Renate J. ganz und gar nicht. Ihren Alltag hat sie vorbildlich organisiert: Montags kauft der Bockenheimer Einkaufsdienst für sie ein. „Ich bin sehr zufrieden, die denken an alles.“ Einmal in der Woche „macht Marie sauber und räumt auf“. Eine Waschmaschine hat Renate J. nicht. Die Wäscherei um die Ecke holt und bringt ihr die Wäsche. Schon seit 25 Jahren wohnt die 87-Jährige in der netten kleinen Wohnung an der Ohmstraße, freut sich über die Nachbarn, fühlt sich zuhause und gut aufgehoben, auch wenn die Beine „nicht mehr so flott sind“.

Deshalb traut sie sich kaum noch nach draußen. Und in den Garten geht sie nur in Begleitung. „Ich könnte ja stürzen.“ Die kleine Rente wird von der St. Katharinen- und Weißfrauenstiftung aufgebessert. In den nächsten Tagen wird sie sich mit dem Taxi auf den Weg zum Sozialrathaus am Rohmerplatz machen, um zu vermelden, dass die Kühlschranktür nicht mehr schließt. Bis dahin stellt sie einfach einen Eimer davor.

Das Medizinstudium hat sie abgebrochen, eine Freundin, eine Astrologin habe ihr zu diesem Schritt geraten. Den Großteil ihres Berufslebens hat sie dann als Altenpflegerin gearbeitet. Sie kennt sich also mit dem Alter und dem Älterwerden aus. Vielleicht ist das der Grund für ihre Zufriedenheit. Jetzt freut sie sich auf das nächste Highlight: eine Weihnachtsfeier im Marriott-Hotel Ende November. Sie wird abgeholt, braucht sich um nichts zu kümmern, kann die nicht mehr flotten Beine schonen. Es stellt sich heraus: Die vielen ausgeschnittenen Zeitungsausschnitte auf dem Wohnzimmertisch sind eine besondere Sammlung. Sie zeigen „Leute, die was geleistet haben“. Zum Beispiel Ludwig Erhardt. „Der wollte Wohlstand für alle. Und das finde ich gut.“ ft

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