Am schlimmsten findet Ruth W. es, dankbar sein zu müssen. Für die Almosen, die sie bekommt. "Es ist mir ganz peinlich, dass ich was annehmen muss." Andererseits findet die 79-Jährige das Leben nur noch lebenswert, weil sie jährlich zwei Mal Geld von der FR-Altenhilfe bekommt.
Davon hat sie sich schon eine Knoblauchpresse gekauft. Weil sie die Zehen nicht mehr mit den Händen zerdrücken kann - Ruth W. hat "brennende Gliederschmerzen".
Wenn sich die Tochter einer Bauernfamilie etwas wünschen könnte, wäre es, Tag und Nacht arbeiten zu können. Nur damit sie nicht auf das Geld anderer angewiesen ist.Wie das seit 41 Jahren der Fall ist: Mit 38 Jahren ist Ruth W. Frührentnerin geworden. Das war in jenem Jahr, in dem erst ihre Mutter und dann ihre zwei Brüder gestorben sind. Da ist sie zusammengebrochen. Und kann seitdem nicht mehr arbeiten.
Mehrere Male hat ihr amerikanischer Mann versucht, Ruth W. nach Amerika zu holen. "Aber der hatte seine Spielsucht einfach nicht mehr im Griff, da konnte ich kein Risiko eingehen."
Im Laufe der Jahre ist Ruth W. immer kränker geworden. Rheuma, Asthma, Arthrose, Bandscheibenschaden - die 79-Jährige zieht ihre Jacke oft gar nicht aus, weil ihr "jede Bewegung wehtut." Seit zwei Jahren kann Ruth W. auch keine Zähne mehr tragen: Würde sie ihr Gebiss einsetzen, müsste sie brechen. Aber sie geht auch nur noch für Erledigungen und Arztbesuche aus dem Haus.
Wenn sie gefragt wird, ob sie sich mit anderen treffen möchte, sagt Ruth W.: "Ach, lass mich erst noch ein paar Jährchen jünger werden."
Ihren Humor hat sie sich bewahrt. Auch, wenn beide Kinder Hartz IV beziehen müssen und ihr Sohn depressiv ist.
Eine Sache gibt es aber, bei der sich ihr Gesichtsausdruck schlagartig aufhellt: Mit dem Schiff fahren. "Das könnte ich jeden Tag machen." (greg)
Wie und wo die Aktion "Not gemeinsam lindern" Hilfe im vergangenen Jahr leisten konnte, erfahren Sie hier.
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Die FR-Altenhilfe und die Entwicklung der jungen Bundesrepublik.

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