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Sophie Z.: Schicksalsgemeinschaft mit der Tochter

Sophie Z. ist müde geworden. "Ich möchte nicht mehr operiert werden, ich möchte nicht mehr unters Messer", sagt sie mit Nachdruck. Lieber hält sie die Schmerzen aus.

Dass jemand nach ihren Wünschen fragt, bringt Sophie Z. geradezu aus dem Gleichgewicht. Sie schweigt sekundenlang. "Ich habe keinen Wunsch", sagt sie erst.

Und dann bricht es doch aus der 69-jährigen Frau heraus. Ja, eine neue Matratze, das wäre schon schön. Eine neue Matratze für die behinderte Tochter, die so viel Zeit im Liegen verbringen muss. Und vielleicht noch neue Kleidung. Seit langer Zeit bilden Sophie Z. und ihr von Geburt an behindertes Kind eine Schicksalsgemeinschaft. Seit langer Zeit leben sie in einer Wohnung. Nach einem Schlaganfall geht es der 42-jährigen Tochter nicht sehr gut, sie leidet auch immer wieder unter epileptischen Anfällen.

Doch auch bei der Mutter, die sie nun schon so lange betreut, schwinden die Kräfte. Eine ganz kleine Ursache führte bei ihr vor einiger Zeit zu einem schwerwiegenden Unfall: "Ich bin damals auf einer Schale ausgerutscht".

Sie stürzte auf dem Gehweg schwer und brach sich eine Kniescheibe. Komplizierte Operationen folgten, zweimal. Eigentlich müsste Sophie Z. jetzt wieder ins Krankenhaus. "Ich habe ständige Schmerzen im Knie und im Rücken, große Schmerzen".

Doch Sophie Z. ist müde geworden. "Ich möchte nicht mehr operiert werden, ich möchte nicht mehr unters Messer", sagt sie mit Nachdruck. Lieber hält sie die Schmerzen aus.

Sie bekommt nur eine kleine Rente, wird zusätzlich vom Sozialamt unterstützt. Das Wohnzimmer und das Schlafzimmer: Das ist ihre begrenzte Welt. Aus dem Haus gehen kann sie nur noch selten, es fällt ihr sehr schwer. Und sie will ihre Tochter nicht lange allein halten. Manchmal geht sie noch einkaufen, wenn eine Nachbarin solange auf ihre Tochter achtet. Wenn sie unbedingt zur Krankengymnastik muss.

Wenn nicht eine Sozialarbeiterin noch von Zeit zu Zeit in die kleine Wohnung käme, wäre Sophie Z. völlig auf sich alleine gestellt.

Ihr Fernsehapparat ist für die bald 70-Jährige neben dem Telefon die Verbindung zur Außenwelt. Und die einzige Abwechslung für sie. Und für ihre Tochter natürlich. Sie schaut sich, erzählt ihre Mutter, besonders gerne Sendungen mit Musik an. (jg)

Datum:  20 | 11 | 2009
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