Er hat Spencer Davis geholt. An einem stinknormalen Nachmittag, mitten im Alltagstrubel der Stadt in ein Zelt auf der Hauptwache. 1000 Leute haben sich reingequetscht, um den britischen Rockstar zu hören und ein wenig von der großen Bewegung mitzukriegen: "Gimme some Lovin".
Für Ulli Winter ist mit Spencers Tophit alles ausgedrückt, was auch er anstoßen will: Alle sollen ein bisschen abgeben, mithelfen, damit es bedürftigen alten Menschen in der Stadt ein wenig besser geht. Seit 2003 organisiert der kommissarische Leiter der städtischen Schuldnerberatungsstelle im Sozialamt Eschersheimer Landstraße Benefizkonzerte auf Konstablerwache und Hauptwache zugunsten der FR-Altenhilfe. Buhlt im Namen der Stadt schon ein Dreivierteljahr vor dem Ereignis um potente Sponsoren, trommelt Prominente aus Frankfurt und Umgebung zusammen, die während des Konzerts auf der Gass´ mit der Spendenbüchse rumgehen oder ehrenamtlich Rindswurst und Apfelwein über die Theke reichen.
"Spencer Davis war eine ganz große Sache", sagt der Mann, der mit Konzertorganisation im normalen Leben so wenig zu tun hat wie umgekehrt Spencer Davis mit Schuldenberatung. Trotzdem stellt sich die Frage nach dem Wie-kommen-Sie-dazu? bei Ulli Winter nicht wirklich. Der 60-Jährige in schwarzer Lederhose und legerem Pulli macht einfach, wenn er was für gut grad richtig hält.
Sogar Berufssoldat wollte er mal werden, auch wenn ihm das heute niemand mehr glauben mag. War aber so. Gleich nach dem Abi und einem Semester Jura fand der gebürtige Fritzlaer die Luftwaffe so klasse, dass er dableiben wollte. Bis ihn 1967 ein Student am Frankfurter Hauptbahnhof fragte, ob er denn wisse was er tut. Dann war Prager Frühling, Ausgangssperre in der Kaserne in München und irgend ein Vorgesetzter sagte, "als nächstes müsst ihr Studenten erschießen".
Damit war für Ulli Winter Schluss. Er verweigerte mitten im Dienst, zog die Sache gegen alle Widrigkeiten und Demütigungen durch, wechselte zum Ersatzdienst in eine Klinik für Querschnittsgelähmte, studierte weiter Jura bis er zum Praktikum eine eine Jugendstrafanstalt kam: "Ich hatte das Gefühl, dass es mir mehr liegt, mit Menschen direkt zu arbeiten."
So begann er in Frankfurt, Sozialarbeit zu studieren, arbeitete in Kinder- und Jugendhäusern bis wieder mal das eintrat, was Winter einen kreativen Schub nennt: Er wurde Mechaniker für alte Citroën-Limousinen. Den Titel als "Enten-Ulli" hatte sich der Selfmade-Schrauber in der alternativen Szene schon geholt, bei einem Meister in einer Fach-Werkstatt bekam er den letzten Schliff. Also Oldi-Mechaniker in der eigenen Hinterhof-Werkstatt im Nordend. Bis der Unfall kam, das Knie kaputt war, nichts mehr ging. Außer Sozialarbeit.
So kam Ulli Winter zur Stadt und zu dem, was er heute Berufung nennt: die Schuldnerberatung. Und über die wiederum zur FR-Altenhilfe. "Viele unserer Klientel waren alte Menschen, die nicht mehr runterkamen von ihren Altschulden." Für etliche fand Winter immer wieder Unterstützung bei der FR-Altenhilfe "und irgendwann hab ich mir überlegt, was kann man als Stadt aktiv tun, um das zu unterstützen".
"Man muss den Leuten ja was bieten." Hat er auch: Frank Wolff, Bodo Bach, die Sängerin von Roy Hammer & the Pralinees - alle haben Winter und sein Sozialamtsteam für die Altenhilfe geholt. Selbst wenn dieses Jahr mal Sendepause ist, Schluss macht Winter damit lange nicht. Wie singt Spencer Davis? Keep on running.
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Die FR-Altenhilfe und die Entwicklung der jungen Bundesrepublik.

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